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Engel
- Rächer, Beschützer oder Zerstörer?
Rhiannon
Brunner
Wie
im Himmel so gibt es auch in der Hölle Scharen von Engel, die ihre
Aufgabe zu erfüllen haben. Himmel und Hölle sind spiegelverkehrt
gestaltet, wobei Gott im obersten Himmel und Satan in der untersten Hölle
residieren.
Sie
sind wie eine Zwiebeln in Schichten aufgebaut. Gott selber residiert im
7. Himmel (von daher auch der Ausspruch "sich wie im 7. Himmel fühlen").
Die einzelnen Himmelsebenen sind wie Leintücher am Firmament angehängt.
Doch so weit hinaufzukommen ist schwer, selbst der Apostel Paulus schaffte
es nur in den 3.
Das
Buch Henoch (aus den Apokryphen) - das Buch der Wächter erzählt
vom Himmel.
Henoch
wurde durch einen Wirbelsturm nach oben gebracht, Engel führten ihn
durch die himmlischen Gefilde. Er sah die Gefängnisse, in denen gefangene
Engel malträtiert werden und das, was den Himmel ausmacht, die Vorratskammern
für Schnee, Regen und vieles mehr. Ebenso die Tore, wo die Gestirne
über den Himmel gezogen wurden, wenn der rechte Engel den passenden
Zeitpunkt abpaßt, damit die Gestirne über den Himmel gezogen
werden können.
Mohammed
meinte, jeder Regentropfen würde von einem Engel geleitet werden –
böse Zungen hingegen meinen, daß der Regen nur die "Klospülung"
des Himmels sei.
Über
Engel steht vieles geschrieben, sie sind Begleiter, Wächter, Schützer
aber auch Versucher des Menschen, auf daß Gott hernach richten kann
und doch führen sie nur ihre Order, ihre Aufgaben aus.
Engel
(von Angelus – Botschafter oder Künder) sind reine Wesen, sieht man
mal ab von den verschiedenen Auslösern des Falles und der drauf folgenden
Gründung der höllischen Sphären. Denn auch Engel waren nicht
immer nur keusch und unschuldig ....
Sie
sahen die Frauen, die auf Erden wandelten, um sie zu verführen, sie
zu umgarnen lehrten sie ihnen Himmelsgeheimnisse, wie Schminke, Beschwörungen,
Astrologie und vieles mehr. Sie erhielten die Belohnung, die sie sich wünschten
und hatten mit den Frauen Sex. Jedoch gingen aus diesen Verbindungen Kinder
hervor, die groß gewachsen waren, deren Kinder waren noch größer.
Schließlich aßen diese Nachkommen den Menschen nicht nur die
Nahrung weg, sondern begannen auch Menschen zu verspeisen. Gott wollte
dies nicht dulden. Er warnte Noah, ließ einen Teil von ihnen in ein
Himmelsgefängnis werfen, der Rest ertrank in der Sintflut.
Verschiedene
Arten von Engel:
Botenengel
Der
bekannteste Botenengel brachte Maria die Botschaft, daß sie die Mutter
von Jesus werden würde.
Botenengel
bringen Anweisungen von Gott zu den Menschen – nehmen jedoch auch die Gebete
der Menschen zu Gott mit.
Schutzengel
Bis
zu 11.000 Schutzengel kann jeder Mensch haben – die gängige Lehre
spricht jedoch von zwei – einen guten und einen bösen ... sie schützen
und helfen bzw. verführen. Jede Tat – egal wie diese nun ausfällt
stärkt einen von beiden – jede gute Tat stärkt den guten Engel,
jede schlechte Tat den bösen.
Wer
am Ende des Lebens stärker ist, wer von ihnen überwiegt, der
darf die Seele in seine Welt mitnehmen.
Der
Engel umschließt seinen Schützling, leitet ihn, oft ohne, daß
der es merkt. Sucht ihm zu helfen, wo seine Wege hingehen. Er ist so eine
Art Gewissen – vorausgesetzt der Mensch hört auf ihn.
Racheengel
Sie
repräsentieren den dunkleren Aspekt der Engelsschar und leiten – wenn
die Zeit gekommen ist – den Weltuntergang ein. Bis zu einem Drittel der
Menschheit wird durch ihre Hand und ihr Schwert fallen, wenn die Zeit dafür
reif ist.
Wächerengel
Nachdem
Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden wachen nun zwei Cherubim
mit Flammenschwertern an den Toren zum Paradies und das bis zum heutigen
Tage.
Der
ganze Himmel wird von Wächterengel bewacht und beschützt (was
den Schluß zuläßt, daß der Himmel doch so sicher
gar nicht sein kann). Sie brauchen keinen Schlaf, erfüllen brav und
ordentlich den Dienst, der ihnen von oben angetragen wurde.
Todesengel
Diese
bringen die Seelen der Verstorbenen nach oben – ein paar ganz wenige „Prominente“
werden direkt von Michael betreut. Der Todesengel küßt den Sterbenden,
dadurch finden die Seelen den Weg ins Drüben und beginnen dort ihr
neues Dasein.
Dennoch
sind nicht alle Engelsküsse tödlich. Mohammed zB war ein Nutznieser
eines solchen Kusses – erhielt dadurch seine Erleuchtung.
In
Malaysia gibt es wiederum die Legende, daß Sommersprossen die Küsse
von Engel seien.
Deutungs/Geheimhaltungsengel
Wird
ein Kind gezeugt, so holen zwei Engel die gewählte Seele mit Gewalt.
Sie erfährt alles Wissen und alle Geheimnisse, doch dann wird ein
Engelsfinger auf die Lippe gelegt und das Kind vergißt wieder. Daher
kommt auch die Kerbe an der Lippe.
Schreiberengel
Diese
führen Buch über die Taten des Menschen. Nach diesen Aufzeichnungen
wird er nach seinem Tod gerichtet. Die Engel führen genauestens Buch.
Das ist wichtig, denn die Seele, die sich nicht im Buch findet, wird in
einen Feuersee geworfen.
Kriegsengel
Im
Jenseits ist permanent latenter Kriegszustand. Die Kriegsengel stellen
sozusagen eine Art Bollwerk dar, sind eine Verteidigung und noch dazu gut
organisiert.
Höllenengel
Sie
gehen in der Hölle ihrer Lieblingsbeschäftigung nach – Seelen
zu foltern.... Es gibt bis zu 90 000 solcher Folterengel.
Ein
geschichtlicher Streifzug
Im
alten Testamen ist Satan als Wiedersacher praktisch nicht existent – wenn
dann führt er Gottes Willen durch oder testet den Menschen. Die Bestrafungen
werden direkt von Gott durchgeführt – das beste Beispiel dafür
ist die Sintflut.
Im
5. Jahrhundert vor Christus kamen die Gläubigen in babylonische Gefangenschaft,
dort lernten sie Zarathustras Lehre kennen. Auch die Geschichte um Ariman
und Ormuzd kamen ihnen zu Ohren. Diese beiden repräsentierten Gut
und Böse. Bald schon verlor auch Gott seine negativen Attribute und
Satan (hebr. für Ankläger) erstarkte, wurde vom „dienstbaren
Geist“ zum Gegenspieler.
Während
das Neue Testament entstand wurde Satan immer mehr zur Inkarnation des
Bösen.
Von
seinem Fall gibt es 3 „offizielle“ Thesen:
Hochmut:
Einst
war Satanael Gottes Lieblingsengel in seinem Größwenwahn jedoch
setzte er sich auf Gottes Thron. Natürlich war Gott das nicht recht,
so beauftragte er Micha Satanael aus dem Himmel zu entfernen. Mich jedoch
war zu schwach.
Erst
als durch Gott Satanel sein el (göttliche Macht) verlor und dieses
an Micha überging konnte Michael Satan in einem 3tägigen Kampf
hinauswerfen.
Weiblichkeit:
So
wie Adam wurde auch Lilith aus Schlamm und Dreck gefertigt. Sie war eine
feurige Schönheit mit langem, schwarzem Haar.
Jedoch
wollte sie beim Sex nicht unter Adam liegen, sondern ihm gleichgestellt
sein. Also begann sie Gott zu becircen. Dieser verriet ihr dann tatsächlich
auch seinen geheimen Namen und machte sich damit ihr gegenüber erpreßbar.
Lilith erlangte dadurch von Gott Flügel und ging zum roten Meer. Adam
beschwerte sich, woraufhin Gott drei Engel schickte, die sie zurückbringen
sollten. Lilith jedoch war damit keienswegs einverstanden und drohte, sie
würde kleine Kinder töten, die gerade geboren waren.
Also
ließen sich die Engel auf einen Handel ein, Lilith könne am
roten Meer bleiben, dafür ließe sie auch die Kinder in Ruhe,
wenn diese durch ein Amulett geschützt wären, die die Engelsnamen
trügen.
Das
zweite Mal wollte Gott diesen Fehler nun nicht mehr machen und schuf für
Adam das Weib Evas – aus einem keuschen Material und aus Adams Seite, denn
sie sollte Demut haben.
Loyalität:
Einst
meinte Gott zu seinen Engeln, sie sollten sich nur vor ihm verbeugen, nur
ihm diese Ehre erweisen. Eines Tages schuf der Adam, doch war dieser aus
der dreckigen Erde geschaffen, nicht aus dem edlen Material wie die Engel.
Gott befahl ihnen, sie sollten sich vor Adam verbeugen, was Satanael jedoch
ablehnte mit der Begründung, daß Gott ihnen selber so etwas
untersagt hätte. Gott war darüber nicht sonderlich glücklich
und so kam es zum Kampf im Himmel.
Im
Volk war der Glaube an die Engel beliebt und bald schon so verbreitet,
daß der Kirche dieses „Engelfieber“ zu viel wurde. Ab dem 11. Jahrhundert
gab es Engelsverfolgungen, sie durften nicht mehr beschworen werden, erlaubt
war nur noch die drei in der Bibel genannten Engel anzurufen - „Michael
- Gabriel - Raffael“. Als im 14. Jahrhundert die Pest hereinbrach merkten
die Menschen, daß die Engel ihnen nicht halfen. Die Kirchenspaltung,
zwei Päpste in Rom und Avignong, Kopernikus und die „Abspaltung“ durch
Franz von Assisi lenkten die Aufmerksamkeit der Menschen in völlig
andere Bahnen.
Der
große „Engelboom“ war für lange Zeit vorbei. Erst in unserer
moderneren Zeit sind Engel wieder richtig in (sieht man mal ab von den
kitschigen, verklärten Engel aus dem Barock und Biedermeier). Nun
erfüllen sie neue Aufgaben, haben sich angepaßt ... denn heute
sieht man in den Engeln vor allem die Verkörperung der Liebe.
Die
„moderne“ Zeit
In
den 60er Jahren wurde die Liste der verbotenen Bücher gestrichen ...
erst seit 1992 gibt es wieder Bücher die ein gläubiger Christ
weder lesen noch nutzen darf.
In
den 70er Jahren wurde das Engelwerk begründet – „offiziell“ gibt es
das Opus Angelorum allerdings erst seit dem 6. Juni 1992. Die von der Hausfrau
Mutter Bitterlich geschriebenen Bücher belaufen sich auf 46 – 89 Stück.
Ein Engel soll ihr Nacht für Nacht diktiert haben. Der Mensch – so
die Grundaussage – soll sich an seinen Engel binden und ihm vertrauen.
Das
Engelwerk selber stellt eine Art Mischung aus strengem Katholizismus, Kabbala,
dem Buch Henoch und dem Tiroler Volksglauben dar (wo es für alles
mögliche einen Dämon gibt, der dann beschworen wird – und das
ausgesprochen von den Hebammen). Im Engelwerk selber wurden klassische
okkulte magische Praktiken entwickelt, Magie wurde gelernt und praktiziert.
(Als Beispiel war das „Reisen mit dem Engel“ nichts anderes als Astralreisen)
Dadurch,
daß das Engelwerk einen stark klassisch geprägten Katholizismus
mit hoher Frömmigkeit nach außen zeigte, gingen viele Menschen
dorthin, die mit den Reformen der Kirche nichts zu tun haben wollten. Das
Engelwerk besteht noch immer, wurde aber „überarbeitet“. Die Schriften
dürfen nicht mehr verwendet werden, es ist moderner geworden.
Engel
sind eine eigenständige Organisation, den Mächten unterworfen.
Man muß nicht unbedingt an sie glauben, aber sie anzurufen wirkt
und hilft. Wie sie wirken ist unterschiedlich, doch sie machen sich bemerkbar,
wenn man sie ruft und um Hilfe bittet. Engel sind nicht stofflich, sie
wirken anders – wenn sie die Chance erhalten und man sie läßt.
©Rhiannon
Brunner
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