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Angst - physiologische & psychologische Konzepte

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Die Wiener Veranstal- tungsreihe BlutLust bietet geneigten dunklen Zeitgenossen gepflegte Diskussionsrunden, gemeinsame Ausstellungs- besuche, Reisen, Vorträge und Filmabende und  trägt dazu bei, die dunkle (Alternativ-)Kultur in Österreich nicht gänzlich aussterben zu lassen.
Wien-Besuchern sei deshalb angeraten, den BlutLust - Veranstaltungs- kalender auf deren Website einzusehen.

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Angst - physiologische & psychologische Konzepte

Rhiannon Brunner




*Was ist Angst überhaupt?*

  • Angst (von lat. angustia = Enge) hat man vor etwas Konkretem
  • Furcht vor Undefiniertem
  • Ängstlichkeit ist eine persönliche Einstellung bzw. Charaktereigenschaft
Im Englischen ist Angst ebenso existent - bedeutet soviel wie Existenzangst - "angst-ridden" (von Angst geritten, im Sinne von beherrscht) - möglicherweise wurde es 1849 von George Eliot ins Englische eingeführt. Ungewißheit bringt Angst mit sich, egal ob es sich dabei um eine Situation, eine Person, einen Ort oder Erinnerungen handelt - Angst ist grundlegend, elementar und eine unserer ältesten Empfindungen. Es ist ein Warnsignal und dient dem Selbsterhalt, schützt vor Gefahr und erweckt Sinne zu einer ganz besonderen Wachheit. Unbekanntes wird potentiell als bedrohlich eingestuft. Man fühlt sich hilflos und ausgeliefert, hat die Situation nicht mehr unter Kontrolle, vielleicht schon etwas Ähnliches erlebt, das unangenehm war.

Ausgelöst werden kann sie aus dem eigenen Inneren (Krankheit, Prüfungssituationen,...) oder von außen (Lebensmittelknappheit, Katastrophen,...) Ab wo wird Angst empfunden? Die Grenze und wovor ist von Mensch zu Mensch verschieden. (Tiere fühlen genauso Angst und Schmerz doch sie empfinden keine Lust an der Angst.) Grob kann bei Menschen zwischen Angstvermeider und Angst-Steller bzw. Angst-Sucher unterschieden werden.

*Wozu dient sie?*

Angst ist ein wichtiges Überlebenstraining. Man lernt aus der Situation aus der man - mehr oder weniger - unbeschadet rausgekommen ist und kann es beim nächsten Mal besser machen, hütet sich vielleicht nächstes Mal davor in eine ähnliche Situation zu kommen.
Gerade Kinder brauchen - in richtigem Maß - die Konfrontation mit der Angst. Gerade dadurch werden sie stärker und besser gerüstet für ein Leben in der "freien Wildbahn". Die Faszination vor dem Gruseln sollte ihnen nicht genommen werden. Gerade Kinder sind ja fasziniert davon. Märchen mit Blut, Mord, Gewalt, böser Magie und dergleichen (und wenn nicht anders das alte Testament mit seinen "Verbrechen") sind gerade bei Kindern sehr beliebt.
Angst macht aufmerksam und extrem leistungsfähig. Der Körper läuft auf Hochtouren, man wächst über sich hinaus, fühlt sich bisweilen in einer (imaginären) lebensbedrohlichen Situation - der Körper will nur noch das blanke Überleben sichern - alles andere wird zweitrangig. Auch zur Reinigung dient sie (von Katharsis). Nach der Angst fühlt man sich oft unglaublich befreit und ohne Zwang.

*Was geschieht im Körper?*

Jeder kennt die Symptome, jeder weiß, wie sich Angst anfühlt.
Typische Symptome sind:

  • Herzklopfen, schnellerer Puls
  • Schweißausbrüche feuchte Hände, Hitze (Hitzewallungen)
  • Gänsehaut, Aufstellen der Haare (wie zB bei Katzen zu sehen - der Urmensch versuchte größer und gefährlicher auszusehen)
  • Zittern, Beben
  • trockener Mund
  • Schwindel, Benommenheit, Beklemmung
  • Atembeschwerden, Atem geht schneller
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • man fühlt sich am Überschnappen
  • alles ist unwirklich - man selber "nicht richtig da"
  • Angst zu sterben, man fühlt sich vernichtet, verliert die Kontrolle
Der Körper schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus, die Aufmerksamkeit wird erhöht, die Wahrnehmung und Sinne empfindlicher. Es wird mehr Energie bereitgestellt, die Wahrscheinlichkeit sie zu brauchen ist da. Während der Konfrontation mit der Angst werden Dopamine freigesetzt (alles Angenehme - vom Sex bis zum Essen - hängt damit zusammen). Danach ist man wieder um Erfahrungen schlauer, welche einem später wohl helfen können.
Allerdings läßt nach dem Ende der Situation alles wieder nach bis zu einem Normalmaß - eine Weile bleiben dann vielleicht nch Schlottern und Zittern der Knie, alles andere stellt sich rasch wieder um.

*Welche Arten von Ängsten gibt es?*

  • Angst vor der Finsternis und der Nacht - gerade in Urzeiten war sie überlebenswichtig
  • Todesangst und was danach kommt - wohl einer der Hauptgründe, warum sich so viele Rituale und Glaubensrichtungen herausgebildet haben
  • Ängste aus Erfahrung - sehr persönliche Ängste und individuell verschieden
  • Hundebiß (man entwickelt Angst vor Hunden)
  • Prüfungsangst
  • Angst zu versagen in bestimmten Situationen und viele mehr
  • angeborene Ängste/in der Familie weitergegebene Angst
Generell ist die Angst immer eine sehr persönliche Sache und von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder reagiert auf anderes empfindlich. Kinder finden anderes bedrohlich als Erwachsene, ebenso wie Frauen bzw. Männer oder Personen aus verschiedenen Ländern bzw. Gesellschaftsschichten. Es kommt sehr stark auf das Umfeld und viele andere Faktoren an, welche Angst einen persönlich betrifft - und in welchem Ausmaß.

*Woher kommen sie eigentlich?*

  • Kontrollverlust - der wohl häufigste Grund, in welcher Form auch immer
  • (kindliche) Erfahrungen - ein Erlebnis, das sich besonders einprägt
  • Überschaubarkeit geht verloren
  • rationale Erklärungen funktionieren nicht mehr
  • Phantasie - man stellt sich eine Situation, Begebenheit, Kontakt... vor und bekommt davor Panik
  • Massendenken - eine Gesellschaft, Gruppe, Gemeinschaft baut eine "kollektive" Angst/Furcht auf
  • Innere Konflikte, die allerdings nur eine mißglückte Konfliktlösung anbieten
  • generell haben ängstliche Eltern  ängstliche Kinder
Der Mensch ist ein Augentier, viele seiner Ängste entstehen durch das Visuelle.

*Wann ist Angst "nicht mehr normal"? - Angststörungen*

Die Angst ist etwas ganz Normales, jeder hat sie ab und an, jeder kennt sie, sie ist gesund und wichtig - in passendem Ausmaß. Doch irgendwo ist für jeden eine Grenze ab der Angst haben - Angst fühlen - nur noch krank macht/ist.
Angststörungen sind

  • Phobien (objektbezogene Ängste)
  • soziale Angst (Angst vor Menschen, sich zu blamieren,...)
  • Agoraphobie (Angst vor freien Flächen, Menschenmengen,...)
  • situative Phobien (Flugangst, Höhenangst, Tunnels, Aufzüge)
  • spezifische Phobien wie Angst vor Tieren (speziell vor Hunden), Blut, Gewitter,...
  • Panik-Störungen (beginnen abrupt, erreichen binnen kurzer Zeit einen Höhepunkt und dauern mindestens einige Minuten an)
  • Angst-Störungen (kein erkennbarer äußerer Anlaß) und
  • posttraumatische Belastungsstörungen
Wie überall gibt es natürlich auch hier Risikofaktoren:
  • Alter
  • Geschlecht - vor allem Frauen neigen dazu
  • genetische Faktoren
  • soziales Umfeld

  • Erfahrungen und Erlebnisse
*Was kann man gegen/mit Ängste(n) tun?*
  • Sport
  • körperliche Betätigung unterstützt die Ausschüttung von Glückshormonen und bietet bisweilen dringend notwendige Erfolgserlebnisse - vorausgesetzt man kann sich aufraffen etwas zu tun
  • Medikamente/Beruhigungsmittel
  • Oftmals arbeiten die Nervenbotenstoffe nicht mehr so, wie sie es eigentlich sollten. Mit bestimmten Medikamenten kann eingegriffen werden und man somit das Gleichgewicht wieder herstellen. Jedoch sollte nicht alleine mit Medikamenten gearbeitet werden.
  • Antidepressiva werden seit Jahren erfolgreich angewandt und lösen Angst, allerdings sind Nebenwirkungen ziemlich häufig. Daher muß die Einstellung immer individuell erfolgen.
  • Psychopharmaka wirken ebenfalls angstlösend aber auch dämpfend, bewußtseinstrübend, ermüdend, muskelentspannend und krampflösend. Allerdings unterscheiden sie sich stark in ihrer Wirkungsweise und -schnelligkeit.
  • Zusätzlich, problemlos erhältlich sind diverseste Johanniskraut-Präparate (stimmungshellend) bzw. Baldrian (beruhigend)
  • Suggestionen
  • Atemtechniken
  • Therapeutische Ansätze/Psychotherapie
  • Vieles kann durch Psychotherapeuten gelöst werden. Praktische, gedankliche und Entspannungsübungen führen zu einem leichteren Umgang mit der eigenen, persönlichen Angst. - Meist wird hier unterstützend mit Medikamenten gearbeitet.
  • Selbsthilfe wie autogenes Training, Biodfeedback, Atemtherapie,..Angstbewältigungstraining
  • Reizkonfrontation
  • Man konfrontiert sich mit seiner eigenen Angst, in Form von Rollenspielen, man stellt es sich bildlich vor,..
  • - Greifbares wird weniger unheimlich. Man spielt das angsterzeugende Szenario so lange durch, bis man selber sicher ist, daß in der Situation auch in Realität nichts Schlimmes geschehen kann.
*Wie sieht es im Glauben aus?*

Angst ist das Gegenteil von Glauben und Vertrauen in das, woran man glaubt. In praktisch allen Religionen geht es um die Entmachtung der Angst, der Mensch soll - auf was auch immer - vertrauen. Rituale und Opfer helfen, bestärken - gerade in früheren Zeiten versuchte man so unheimliche Mächte zu beeinflussen und gnädig zu stimmen.

  • Epikureer
  • Sie suchten den angstfreien Zustand. Der Tod ist nicht Sache des Menschen, da er kein Ereignis im Leben sei. Die Götter sollten dadurch die Macht verlieren, die man ihnen sonst zuschreibt. Sie hatten - nach ihrer Vorstellung - an Sterblichen kein Interesse - somit war auch Opferung unnötig.
  • Buddhismus
  • Der Erleuchtete braucht keine Angst um sich selber haben, sein individuelles Selbst ist nur eine Täuschung, er ist vom Ich befreit. Somit entzieht er der Angst die "Lebensgrundlage".
  • Christentum
  • Der christliche Glaube versteht sich ursprünglich als liebende Gemeinschaft mit dem allmächtigen Gott - ganz im Gegensatz zum alten Testament, wo Gott doch eher der rächende und herrische war. Hast man bedingungslosen Glauben an Jesus, so kann man sich - nach den neutestamentlichen Briefen völlig frei von Angst fühlen, der Glaube stützt und hilft einem.
  • Einst sollte man Gott auf Augenhöhe begegnen, sohin war auch ein Knien während des Sonntagsgottesdienstes nicht nötig. Je länger das Christentum allerdings existierte umso mehr verkehrte es sich ins Gegenteil. Der Begriff der Ehrfurcht ist leider viel zu oft mißverstanden worden.
  • Jenseitsangst des Menschen
  • Erwartung einer erneuten Sintflut oder einer anderen, von Gott gewollten Plage
  • die Qualen der Hölle
  • Hexenwahn (wobei die Kirche hier oftmals sogar den Hexenglauben zu dämpfen suchte)
  • Judenverfolgung
  • Alles das war Jahrhundertelang ein probates Mittel um die Menschen ganz in kirchlichem Sinne zu erziehen. Es gab zwar auch immer wieder Stimmen der Vernunft, jedoch überwog das Geschrei der Verängstigten diese leisen Stimmen bei weitem.
*Warum macht das Spielen mit der Angst so viel Spaß?*

Ängste üben starke Anziehungskraft aus, sie reizen, fordern heraus.
Das Spiel mit der Angst bietet Nervenkitzel, Kick und Lust um sich lebendig zu fühlen, man kommt aus dem "normalen Leben" mal raus. (Sterben muß man sowieso, warum auch tot leben?). Man sucht seine Grenzen, findet und überschreitet sie, kommt aber - unbeschadet - wieder zurück. Ist alles vorbei, ist die Erleichterung groß, man hat etwas geleistet und fühlt sich wohl, befreit und unheimlich glücklich. Jeder, der sich gerne seiner Angst stellt, kennt das Gefühl, das einen bei der Konfrontation begegnet. Welcher Gesellschaftsschicht, Alter, Geschlecht,... man dabei angehört ist absolut nebensächlich.

Das Risiko wird gesucht (allerdings meistens nur in Absicherung), was durchaus Sinn hat (Bergsteigen, Bungee-Jumping,...) doch Ausnahmen gibt es immer wieder (Blind Dates, man lernt jemanden im Netz kennen und liefert sich einer wildfremden Person aus, "Barebacking (ohne Sattel reiten) Gruppensex ohne Kondome",...)

Die Konfrontation mit der Angst wird unter anderem darum gesucht, um seine eigenen Phantasien ausleben zu können, Situationen, die man aber im "realen" Leben eher zu meiden sucht (Entführung, Vergewaltigung, sich ausliefern...). Allerdings - wenn das Spiel gut ist, man sich richtig fallen lassen kann, verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität leicht. Man hat bisweilen Trance-Erlebnisse dabei, bekommt einen Tunnelblick (man konzentriert sich nur noch auf die Situation ohne etwas anderes auch nur wahrzunehmen) und hinterher manchmal Blackouts.

Gerade beim Spiel mit der Angst gibt es ein "Problem" - man braucht immer höhere Dosen um zu seinem Kick zu kommen, bei ständiger Konfrontation nimmt selbst die größte Angst irgendwann einmal ab.

Horrorfilme:
Gerade bei jungen Leuten sind Horrorfilme sehr beliebt - mehr Männer als Frauen schätzen die Kunst der Regisseure. Auch, wenn das Licht danach auf Festtagsbeleuchtung geschaltet wird, man sich vielleicht unter der Decke verkriecht, der nächste Horrorfilm wartet schon. Allerdings ist Horrorfilm nicht gleich Horrorfilm. Viele solcher "Werke" verdienen das Prädikat "Horrorfilm" gar nicht, dafür findet man immer wieder Filme aus anderen Genres, die man leicht als Horrorfilm bezeichnen kann.

Wichtig für einen guten Horrorfilm sind eine passende Story (es gibt aber auch exzellente Horrorfilme, die keine Story haben), Stimmung und Musik (welche oftmals wichtiger ist als alles andere im Film).

Stimmung und Grusel ist leicht aufzubauen aber schwer zu halten.

Beispiele für gute Horrorfilme sind unten angeführt - natürlich nur einige wenige, die mich aber sehr stark beeindruckt haben (Was mich betrifft mag ich keine Clowns mehr (naja ein wenig Pennywise ist doch in allen von ihnen ;-) ) und einsame Rollstühle machen mir immer noch Gänsehaut (erinnert mich immer so an "Das Grauen").) Dazu gesagt werden sollte natürlich, daß meine Liste nicht unbedingt bei anderen auch Anklang finden muß .
Die hier angeführten Filme sind durchwegs voller Stimmung, ohne gröbere Effekte, meist ist das Unheimliche nicht (sichtbar) erkennbar.

  • Das Grauen
  • Bis das Blut gefriert (die Neuverfilmung "Das Geisterhaus" kann allerdings vergessen werden)
  • The Bunker
  • Death Watch
  • Ghost System
  • Friedhof der Kuscheltiere
  • Tanz der Totenköpfe
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Buchtipps:

  • Rost, Detlef H.; Schermer, Franz J.: "Leistungsängstlichkeit". In Rost, Detlef H. (Hrsg.): "Handbuch der Pädagogische Psychologie". Weinheim 1998, 2001, ISBN 3-621-27491-X
  • Peter Knauer: "Unseren Glauben verstehen", Würzburg, 6. Auflage, 2001.
  • Little Fears - Kleine Ängste (Rollenspielbuch um Kinder und ihre Ängste)
  • Werke von H.P. Lovecraft, seine Art, die Dinge zu beschreiben, ist durchwegs subtil ... er beschreibt das Unbeschreibliche auf mehreren Seiten - wer sie noch nicht kennt - unbedingt mal reinschmökern.
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Weiterführende Links zum Thema:

Angst allgemein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Angst
Angststörungen:
http://zeus.zeit.de/text/2006/01/
S-Angst_2fneu
Theorien darüber, wie Ängste entstehen:
http://www.hilfezurselbsthilfe-online.de/
angst.html#03
http://www.mpipsykl.mpg.de/pages/klinik/
ambulanzen/angst/wissenschaftliche.html
Therapieansätze:
http://www.hilfezurselbsthilfe-online.de/
behandlung.html
Selbsthilfe:
http://www.hilfezurselbsthilfe-online.de/
selbsthilfe.html
Die Lust an der Angst:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2005/04/
Angstlust.xml
 
 

©Rhiannon Brunner