Vampyre Planet-Zine

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Die Entscheidung

  War es wirklich dies, was ich zu erreichen suchte? Lange Zeit schon bin ich gefangen in diesem dunklen Raum, ich kann kein Tageslicht erkennen, nichts, woran ich die Zeit zu messen in der Lage wäre. Das Essen wird mir regelmäßig gebracht, doch in Abständen, die ich nicht erkennen kann. Müßig bin ich meinen Gedanken ausgeliefert, die ich nicht kontrollieren kann. Doch vielleicht ist es sogar besser so. Es gibt keine Veränderung, nicht einmal die, die mich herbrachten sehe ich wieder und die, die mir zu essen bringt, die spricht nicht mit mir, beinahe, als wäre sie stumm. 

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Singele este viatsa mea


Rhiannon Brunner


Wie vertraut mir alles hier erscheint. Beinahe, als würde seltsame Klarheit mich durchfluten, die niemals zuvor ich gekannt oder auch nur erahnt hatte. 
Doch auch Frieden ist in mir, wie nie zuvor ich ihn erfahren durfte, gepaart mit einer Art von Geborgenheit, die mir nicht unbekannt ist. Obwohl dies alles hier mir so seltsam vertraut erscheint, als gehörte ich hierher, so frage ich mich doch, weshalb der Weg mich an diesen Ort führte. 
Ich wollte, ich wüßte es, doch jetzt sind meine Gedanken im Nebel verschwunden, ohne, daß ich sie zu erkennen vermag. Wie ein satter Schleier liegt Vergessen über meiner Entscheidung.  Dennoch bin ich nun hier. Langsam nur höre ich auf mir die Frage nach dem Warum zu stellen, sondern akzeptiere einfach nur, den Ort, an dem ich mich befinde. 
Geblendet bin ich schier vom strahlenden Licht Dutzender Kerzenflammen. Sie hüllen den Raum in einen eigenartigen, seltsam samtigen Schimmern, das Flackern schenkt den Schatten ein Eigenleben, das mich leicht zu verwirren droht. 
Das Sofa, auf dem ich sitze ist in dunklen Tönen gehalten, ein seltsames Rot, das mich an Blut erinnert. Mein weites, elegantes Kleid habe ich um mich herum ausgebreitet. Ich lasse ein wenig den Blick schweifen. 
Obwohl nur wenig hier drinnen ist, wirkt der Raum heimelig: ein Schrank mit Büchern, Bilder mit blutigen Szenen, wobei jedes einzelne von ihnen Schreckensszenen zeigt, wie die Künstler immer wieder versucht haben die Hölle darzustellen, an deren wahren Schrecken sie aber, trotz aller Phantasie, niemals herankamen. 
Neben dem Sofa stehen noch ein altmodischer Tisch und zwei Hocker. Eine barocke Tapete, auf deren blutroter Farbe goldene Maserungen zu sehen sind. Die Kerzen werfen darauf Schatten, komplettieren alles. 
Der ganze Raum strahlt seltsam, morbide zerstörerische Erotik aus, deren Romantik aber auch gleichzusetzen ist mit den schönen Schrecken des Todes. 
Lange Zeit bleibt mein Blick an den Bildern hängen, bis endlich die Tür aufgeht und mein Gastgeber eintritt. In seinen Händen hält er eine Flasche und zwei hochstielige Gläser. 
Ein langer, wallender Umhang fließt von seinen Schultern, hin und wieder blitzt das rote Innenfutter hervor. Darunter trägt er ein schwarzes Gilet, das sein weißes, spitzenbesetztes Rüschenhemd umschließt. 
Das flammendrote, schulterlange Haar bildet dazu einen seltsamen Kontrast. Ansonsten geschlossen, fließt das Haar nun offen herab, was ihm ungemein gut steht. Doch am ärgsten sind seine Augen. Sie glitzern in einer Intensität, die ich nicht zu deuten vermag, fesseln mich, nehmen mich schier gefangen. Uralte Weisheit scheint aus ihnen zu sprechen Kummer und Schmerz gemischt mit Wut und Jahrtausende alte Weisheit und Wissen ergeben eine Mischung, die voll Faszination ist, zugleich aber auch Schrecken in sich birgt, die ein Mensch kaum zu ertragen vermag. Myriaden von Sternen zucken darin wie in einer seltsamen Art von Eigenleben. 
Wie eine Schlange das Kaninchen, so sieht er mich an für einen Augenblick. 
Er stellt die Gläser auf den Tisch und füllt etwas dickliches Rotes ein - Wein? 
"Das ist Fruchtsaft, kein Wein, wie es Euch wohl erscheinen mag." 
Der Akzent, der seine Worte begleitet, ist mir wohl vertraut, er gibt seiner Stimme etwas Sanftes, Beruhigendes, das einen beherrschen kann, wenn er es möchte. 
Auch, wenn dies wirklich nur Fruchtsaft sein mag, so ist es ungemein süß und versetzt mit einem goldigen Geschmack, der mich an Blut erinnert. Jedoch ist es ein Geschmack, der mir gefällt. Genießerisch leere ich das Glas. 
Erst jetzt sieht er mir direkt in die Augen. Wieder erkenne ich die Myriaden von Sternen. Doch jetzt sehe ich darin nicht nur die Weisheit, sondern auch eine Art von Lüsternheit, von Gier ebenso eine seltsame Sehnsucht, die er vielleicht selber gar nicht so richtig zu verstehen vermag. Obwohl diesen Blick ich vielleicht länger ertragen könnte, so senke ich meine Augen, vor allem, um ihm zu zeigen, daß seinem Willen ich mich beugen würde. 
Bitter ist das Lächeln, das sich mir entringt. 
Kaum mehr als ein Flüstern ist seine Stimme, durchzogen von unnachgiebiger Erotik. Sie überrollt mich ebenso wie seine Ausstrahlung, die wie eine riesige Flutwelle, mich zu vernichten droht, aber dem Auszuweichen wäre noch sehr viel tödlicher, als ihr zu begegnen.. 
"Was ist Euer Begehr?" 
Er sitzt neben mir, zum Greifen nahe. Obwohl ich mich gerne an seine Schulter lehnen würde, so hält mich doch eine seltsam schwere Sperre davon ab es zu tun. 
"Ihr wißt sehr wohl, was ich mir von Euch wünsche." 
"Natürlich weiß ich, was Ihr wollt, doch ich möchte, daß Ihr selbst es mir sagt." 
"Den Kuß möchte ich von Euch haben." 
"Und der Wunsch ist noch immer so stark vorhanden wie früher?" 
"Er ist absolut übermächtig." 
Er sieht mir in die Augen, läßt keine Konsequenz, einfach nichts erkennen. Ich könnte mich in diesen Tiefen verlieren, möchte mich einfach nur fallen lassen ohne Rücksicht auf das, was dadurch dann in die Welt gesetzt werden könnte. Irgend etwas zieht mich zu ihm hin, das ich nicht so ohne weiteres erklären kann. 
"In Euch kann ich sehr viele Wünsche erkennen, keiner davon betrifft die materielle Welt. Dennoch, in Euch schlummert ein Wunsch, für den Ihr wohl sogar Eure Seele verkaufen würdet. Ist es nicht so?" 
"Ja, das trifft es sehr gut." 
Kurz nur ist die Pause, bevor ich fortfahre. Er weiß wohl, was ich ihm haben möchte, warum nur quält er mich so? 
"Was ich will, das ist der einzige Kuß, der für mich zählt, nämlich der eines Vampirs. Ich will ihn so sehr, daß es mich schon beinahe schmerzt, mir innerlich weh tut, mich völlig zerreißt." 
"Der Preis dafür könnte aber höher sein, als Ihr es Euch vielleicht auch nur vorzustellen in der Lage seid." 
"Egal wie hoch er ist, ich würde ihn bezahlen." 
Kommt es mir nur so vor, oder funkelt es tatsächlich in seinen Augen? Ist er belustigt? Über mich? Über einen Menschen, der alles geben würde, nur um sich einen Traum zu erfüllen? 
"Ist es wahrlich dies, was Ihr wollt? Bedenkt, der Preis ist nicht gering." 
"Seit Jahren - seit ich denken kann - hege ich schon diesen einen Wunsch in mir. Ich will es aus tiefstem Herzen, daß er in Erfüllung geht." 
"Und wenn Ihr dafür Euch selber überwinden müßtet? Etwas tun müßtet, oder geschehen lassen müßtet, was Ihr ansonsten nie zu tun wagen würdet?" 
"Wie meint Ihr das?" 
"Um die Ekstase herbeizuführen, ohne die ich den Kuß bisher noch nie verschenkt habe, wäre es nötig, daß Ihr Euch stimulieren ließet." 
"Ihr könntet den Kuß mir geben, das weiß ich wohl. Ansonsten begebe ich mich völlig in Eure Hand. Wohl mag es sein, daß in gewissen Dingen ich unerfahren bin oder eine Scheu davor mich bezwingt. Doch auch, wenn für mich dies schwer wäre, wenn es Eure Forderung ist, so will ich diese zahlen." 
"Es könnte Euch süchtig machen." 
"Vielleicht will ich es so. Kam Euch das bisher nicht in den Sinn?" 
"Ihr überlegtet es Euch wohl gut." 
Ruhig wird seine Stimme, stiller als zuvor, durchmengt sich mit einer Traurigkeit, die niemals zuvor an ihm ich wahrnahm. 
"Seit ich mich zu erinnern vermag, ist dies mein sehnlichster Wunsch. Wollt Ihr es mir verwehren?" 
"Ja, das tue ich. Ich gebe Euch den Kuß nicht." 
"Nein." 
Mir verschlägt es völlig die Sprache. Warum nur? Entsetzen flackert in mir auf. Dabei sehne ich mich doch so sehr danach. 
Ruckartig stehe ich auf, mit dem Rücken zu ihm gewandt. Mein Haupt sinkt herab, ich schließe meine Augen. Hände und Schultern hängen kraftlos herab. Wieder zurückgekehrt ist der Schmerz, der mich verzehrt. Kann ich ihn denn gar nicht überzeugen? 
"Genügt Euch die Macht, die Ihr über mich habt nicht? Wie oft kommt es denn schon vor, daß sich Euer Opfer aus eigenem Wunsch zu Euch begibt? Ist Euch der Preis zu gering? Was soll ich zahlen? Sagt es mir doch! Kein Preis wäre mir zu hoch und wenn es die ewige Verdammnis wäre, die darauf folgt, es wäre mir gleich." 
Eine einzelne Träne rollt aus meinem Auge. Wieder drehe ich mich zu ihm um, sinke vor ihm in die Knie. Noch wage ich es nicht zu ihm aufzusehen. Er weiß, daß ich alles tun würde und welche Macht er deswegen über mich sein Eigen nennen darf. Schweigen bricht sich in diesem Moment. Dann jedoch wage ich es endlich zu sprechen. 
"Habt Ihr selbst diesen Schmerz nie kennengelernt? Gebt ihn mir doch! Diesen süßen Schmerz, der doch bitter ist. Laßt ihn mich fühlen, jenen Zustand, in dem Süße und Bitterkeit einen ewigen Kampf miteinander ausfechten. Gebt mir das Prickeln, das einen um den Verstand zu bringen in der Lage ist! Beherrscht mich mit dieser Empfindung, vereinnahmt mich damit, laßt mich nur noch aus diesem einen Schmerz bestehen! Gebt mir den Kuß des Todes! Saugt das Leben aus mir heraus, ich verspreche Euch, nein, ich schwöre Euch, gehorsam will ich Euch sein. Schenkt mir nur diese Momente, in denen ich glauben kann, in dieser bitteren Süße mein Verlangen stillen zu können." 
"Beinahe wie ein Vampir sprecht Ihr, so, als hättet Ihr es schon einmal erlebt." 
"Möglicherweise erkenne ich intuitiv, wie dieses Gefühl ist. Vielleicht sind es auch nur Traumfragmente, die ich so zu benennen in der Lage bin. Ich könnte es Euch noch besser beschreiben, wenn Ihr wünscht." 
"Das ist nicht nötig." 
Nachdenklich sieht er mich an. Ich erhebe mich ein wenig, bis meine Lippen seinem Ohr nahe sind. 
"Tut es einfach, ich zahle den Preis, den Ihr fordert. Werdet mein Vater, mein Herr und Meister! Ich wünsche es mir so sehr." 
"Ihr müßtet lernen Euch zu beherrschen. Ihr würdet eine andere werden." 
"Es stört mich nicht. Was danach kommt, entscheidet ohnedies Ihr. Tötet mich, wenn Ihr wollt, lehrt mich, macht mich zu Eurer Tochter oder Sklavin. Ihr entscheidet. Ich erbitte nur den Kuß von Euch, nichts anderes." 
"Und wenn ich nicht will? Wenn mir die Verantwortung für neues vampirisches Leben zu hoch ist? Was dann?" 
"Dann tötet mich doch, wenn Ihr mein Blut getrunken habt! Ist dies die einzige Sorge, die Euch beschäftigt? Ihr braucht doch Blut, um weiter leben zu können. Warum nehmt Ihr nicht das meine?" 
"Weil niemals zuvor ich solch ein Angebot erhielt ohne der Forderung denjenigen zu meinesgleichen zu machen. Keinem von ihnen schenkte ich das, was sie wollten, im Gegenteil, ich zerstörte sie, ohne es zu wollen. Blut nehme ich nicht von jungen kräftigen Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, nur von Alten oder denen, deren Lebensfaden ohnehin zerstört wurde, aber auch von Verbrechern und Mördern. Nicht jedoch von Leuten wie Euch." 
"Ihr nehmt junges blühendes Leben nicht an?" 
Verbittert erklingt mein Lachen. Ob ihn dies wohl trifft? 
Wieder stehe ich auf, wende mich ab von ihm. 
"Mein Leben nehmt Ihr so oder so. Entweder sterbe ich durch Euch oder durch meine eigene Hand. Verwehrt Ihr mir, was ich mir wünsche, so wähle ich den Freitod. Und sollte ich wieder Erwarten doch am Leben bleiben, so wäre ich nichts anderes mehr als eine Marionette, die keinen Sinn im Leben mehr findet und nur noch dahinvegetiert. Ist es wahrlich das, was Ihr mir schenken wollt? Daß mein Leben ich einfach wegwerfen würde? Denn bedeuten würde es mir nichts mehr." 
Still stehe ich einfach nur da, hänge meinen Gedanken nach, Trauer überkommt mich. Eine Antwort von ihm erfolgt nicht, still ist es rings um mich her. 

Ohne, daß es mir wirklich bewußt geworden war, steht er auf einmal hinter mir. Ich fühle seine Hand an meiner Schulter, wie sie den Umhang öffnet und er zu Boden gleitet. 
Warmer Atem streift die nackte Schulter, läßt mich erschauern. Dicht an meinem linken Ohr höre ich ein Flüstern. 
"Seid Ihr sicher, daß Ihr es noch immer wünscht? Ihr müßtet all Eure Moralvorstellungen über Bord werfen und so manches andere auch noch dazu." 
"Ich stehe zu meinem Versprechen." 
"Dann laßt Euch fallen! Genießt, was ich Euch gebe, bevor ich Euch den Kuß schenke." 
Er löst die Knöpfe, die mein Kleid halten, auch dieses fällt, nur noch ein linnenes, weißes Unterkleid mit Spitzen verziehrt bedeckt mich nun. 
Sanft streichen seine schmalen Hände mein Haar zur Seite, folgen den Konturen meines Körpers bis zur Hüfte hinab. Flach geht sein Atem. 
Ich genieße seine zärtlichen Berührungen, die den ganzen Körper streicheln ihn liebkosen. Charme und Wissen vermengen sich zu einem gefährlichen, wenngleich auch sehr schönen Cocktail. 
Keinen Zweifel lassen seine Hände noch übrig. Seine Ausstrahlung, die ich mit allen Sinnen erfasse, treibt mich schier in den Wahnsinn, beinahe kommt es mir so vor, als würde ich den Verstand verlieren. Bald schon vermeine  ich zu explodieren. Rasch hebt er mich hoch zu seinem Bett, entschwindet kurz, ist aber sofort wieder an meiner Seite. 
Er sitzt neben mir, läßt seine Hände über meinen bloßen Leib wandern, berührt meine Haut und schenkt mir wohliges Kribbeln. Bis er schließlich seinen Kopf herabsenkt zu mir. Wieder fühle ich seinen Atem, der mich streift und erschauern läßt, doch dieses Mal vor Ungeduld und Vorfreude. Dann endlich spüre ich etwas Spitzes, das sich in das Fleisch meiner Schultern bohrt. 
Eine tobende Schmerzwelle rast durch meinen Körper, läßt mich zittern und erschauern, doch vermengt es sich mit meiner Lust zu etwas völlig Undefinierbarem, während ich mich festkralle am Stoff der Laken. Dies ist der Schmerz, den ich beschrieb, den ich haben wollte und noch so viel mehr, daß ich es eigentlich gar nicht mehr zu erfassen vermag. Es ist mir völlig unmöglich vernünftige Gedanken zu denken nur noch Gefühl ist in mir, berührt und verzaubert mich wie nichts zuvor es das tat. Ich fühle den Schmerz nicht nur, nein - ich bin der Schmerz, der mich durchzuckt. 
Fest packen meine Hände seinen Kopf, drücken ihn an die Wunde, aus der bereits Blut fließt, das er trinkt. Mein Leben nimmt er in sich auf. Ich fühle mich so begehrenswert wie noch nie zuvor. 
Diese Gefühle verwirren mich, lassen mich nahe am Abgrund des Wahnsinns schreiten. Nahe am Wahnsinn der Begierde, in der ich mich zu verlieren beginne. Und über allem liegt der Schmerz, der mich völlig beherrscht, mich alles andere vergessen läßt. 
Mehr als einmal versucht er den Kopf zu heben, doch drücke ich ihn wieder zurück, er soll weitersaugen, weiter mein Leben nehmen, mir diese Ekstase nicht vorenthalten. 
Ich wünschte, es würde nie enden. Seltsame Schwäche legt sich über mich, doch es ist so schön. 
"Laß es niemals enden! NIEMALS!" 
Nur noch ein Flüstern ist meine Stimme, er jedoch versteht, was ich meine. 
Kurz lächelt er, drückt mir dann aber mit seinen blutverschmierten Lippen einen Kuß auf die Stirn. Keines meiner Gliedmaßen habe ich noch unter Kontrolle, zitternd und bebend liege ich unter ihm, erspüre, wie er mir das schenkt, wonach so lange ich mich so sehr verzehrt. Schließlich jedoch schwinden meine Sinne. In seinen Armen verliere ich mein Bewußtsein. 

Erst wage gar nicht ich meine Augen zu öffnen, als ich wieder erwache. Dumpf pocht der Schmerz der Wunde noch immer, ob sie bereits verkrustet und verschwunden ist, bis auf die zwei kleinen Male? 
Genießerisch kuschele ich mich noch unter die Decke, die auf mir liegt. Ober er sie über mich gebreitet hat? 
Noch jetzt fühle ich die Lust des Schmerzes, der geendet hat. Begierde liegt noch in mir, verspricht die Erfüllung von etwas, das ich kosten durfte. Er hat kaum Blut getrunken, sonst wäre ich nun schwächer, noch bin ich Mensch, doch der Vorgeschmack, den er mir geschenkt.... 
Endlich wage ich die Augen zu öffnen, doch was ich sehe enttäuscht mich. Es ist nicht sein Zimmer, in das er mich gebettet, sondern mein eigenes. Das Bildnis eines Vampirs lächelt mich von der Wand her an, doch ist nicht er es, sondern ein anderer. 
War dies alles denn nicht mehr als nur ein Traum? Wohl möglich, erscheint es zugleich mir aber auch wieder so real, was zurücklassen ich mußte, daß mir dies, wo ich nun wieder erwache mehr der Traum ist. 
Auch an meinem Hals kann nichts mehr erkennen. Nur zwei Dinge sind es, die mich berühren und mich noch im träumerischen Zustand halten: 
Noch immer spüre ich den Kuß, den er mir gab, ebenso wie sein Antlitz vor meinem inneren Auge erstrahlt und seine Stimme.... 
Sie erklingt in meinem Ohr, verabschiedet sich ganz leise von mir wie in einem wehenden Hauch die Stimme eines Geistes, der nicht länger verweilen darf. 
 

©Rhiannon Brunner