Vampyre Planet-Zine

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Vorschau:

Shine: der steward

hat der herr noch 
einen wunsch?

die frage kam eindeutig nicht aus dem mund des stewards, der mir seit 5 minuten stur ins gesicht sah und auch sonst recht unangenehm auf mich wirkte. der satz kam von irgendwoher hinter seiner schulter, doch es war niemand hier, ausser uns beiden. wir waren allein 
im abteil. 
ausserdem - warum braucht ein zug wie dieser einen steward? ein zug, wie er älter und korrodierter nicht sein könnte, ein zug mit zerschlissenen sitzen und lückenhaftem gepäcksnetz, mit einer heizung, die entweder auf tiefkühltemperatur lief oder wie ein backofen glühte - dazwischen gab es nichts. für mich war die backofen- variante vorgesehen, weshalb ich auch mein halstuch entfernt und den obersten knopf meines hemdes geöffnet hatte. 

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Kleines Märchen vom Labyrinth

Cymba


Enge Windungen im Kreis, Gänge mit verhangenen Türen, rot, blau, braun, hölzern, rostig, zogen an ihm vorbei, während er den Weg entlangwanderte, mal langsam und müde, mal voller Kraft und mit weit ausgreifenden Schritten. 
Seit Jahren schon. 
Er konnte sich nicht mehr erinnern, wann er aufgebrochen war. 
Jede Etage, die er erstieg oder hinunterwanderte war angefüllt mit neuen Zimmern hinter neuen Türen. Es lebten Menschen dort, die sich häuslich eingerichtet hatten auf den Gängen, in den Nischen und Sackgassen. Eng und dunkel war es, warm und es roch nach Essen. 
Die Wände waren rußverkrustet und niedrig, einige Kinder hatten sie mit Kreide bemalt und quer über den Weg waren ab und an Schnüre gespannt, an denen verfärbte Socken trockneten. 
Er liebte es zu wandern und wenn er gefragt wurde, warum er nicht bleibt bei denen, die ihn eingeladen hatten, sagte er immer – es gibt soviel zu sehen. 
Das was er nicht sagte ist, daß er etwas suchte, wovon er nicht wußte, was es war. 
Und weiter ging er seinen Weg, einen Gang hinauf, den anderen Gang hinunter. 
An anderen Stellen wiederum glichen die Gänge weißen Hallen mit sanftem Licht und hohen verziertenTüren, durch die man Pflanzen und Tiere sehen konnte, wo die Menschen satt und zufrieden aussahen und Kleider trugen in den leuchtendsten Farben. Es gefiel ihm dort und er blieb eine Weile. Er aß weißes Brot und lauschte den Vögeln in der Halle. Ihr Gesang erinnerte ihn an etwas, das er nicht fassen konnte. 
Die Sehnsucht nach dem, was er selbst nicht kannte, trieb ihn weiter. 
Zum Abschied fragte er die glücklichen Menschen, ob sie eine Halle kennen würden, die so groß und blau ist, daß man ihre Decke nicht erkennen könne und auch nicht ihre Seiten. Erstaunt und belustigt verneinten sie, so eine große Halle hätten sie nie gesehen. Wer ihm denn das erzählt hätte. 
Eure Vögel, meinte er nur ruhig und schickte sich an zu gehen. 

Manche Gänge waren so eng, daß er nur hindurchrobben konnte. Ihre Wände waren schleimig und stanken nach vermoderten toten Überresten. Es fiel ihm schwer zu atmen dort. Seine Hände waren verkrustet mit übelriechendem Schlamm und Blut, wenn er versuchte, sich an den glatten Wänden Halt zu verschaffen und dabei abrutschte. Doch die Sehnsucht trieb ihn weiter, selbst hier fand er Menschen, die dort lebten, gekauert an die nassen Wände, ausgemergelt und blaß. Sie starrten ihn erstaunt an und fragten was zur Hölle er denn hier zu suchen hätte, er mit den verdreckten, aber intakten Kleidern, die schwach aber noch erkennbar die leuchtenden Farben der Halle trugen. Hier kommen nur diejenigen her, die alle Hoffnung verloren haben. Geh wieder, solange du noch kannst. Doch er blieb und lauschte der Stille des Steins, der unter den stinkenden Abwässern ruhte, die die Wände herabtropften. Nach und nach zerfielen seine Kleider und sein Körper mergelte aus wie der der anderen. Der Stein erzählte ihm eine Geschichte von der Erde, die weit, weit hinaus über die Grenzen des Labyrinthes reichte und atmete und schlief. Und er lauschte selbstvergessen. 
Er erwachte, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Eine Frau stand vor ihm, die ihm schweigend auf die schwachen Beine half, die sein Gewicht kaum noch tragen konnten. Mühsam versuchte er sich an Worte zu erinnern und er fragte sie, ob sie von einer steinernen Halle gehört hätte, die so tief ist, daß man ihren Boden und ihre Wände nicht mehr erkennen könne. 
Mit ihren schwarzen Augen schaute sie ihn ausdruckslos an. Dann blickte sie links in den Nebengang hinein, schweigend. 
Eine schimmernde, fluktuierende Fläche, die kreisrunde Grenzen hatte befand sich in der Mitte der Wand. Er hatte so etwas noch nie gesehen. Sie bewegte sich, sobald er sich bewegte. Er trat näher und erschrak. 
Als er direkt vor der Fläche stand, befand sich in ihr kein Labyrinth mehr. Er schaute in eine schwarze grenzenlose Weite. 
Er hatte mit einem Mal keinen Boden mehr unter den Füßen. Da war nichts bis auf eine ungeahnte Freiheit, die sich in seine Seele brannte. Als er jedoch an sich herabschaute, war alles wie immer. Als er einen Blick über die Schulter warf, war die Frau mit den schwarzen Augen verschwunden. Er dreht sich wieder zu der schimmernden Fläche um, doch auch sie war nicht mehr da, nur noch nackte kalte Wand, als hätte sie nie gegeben. 
Langsam wurden ihm die Wände zu eng. Als sei es das erste Mal, daß er es wahrnahm, atmete er die verbrauchte Luft und den Gestank ein, bemerkte die Dunkelheit und Festigkeit der Wände. 
Nun wußte er, wonach er sich sehnte.
Wie eine Schmeißfliege verfolgte ihn der Gedanke an etwas Unbekanntes. Unerhörtes. 
Hastig raffte er sich auf und ging weiter,stolperte, stand wieder auf, taumelte, rannte fast, soweit es ihm seine geschwächten Glieder erlaubten. 
Eine Türe, die nach draußen führte, außerhalb des Labyrinthes. Dabei gab es kein Außen, hatte es nie gegeben. 
Sein Weg führte ihn zurück zu den verrußten Gängen und den spielenden Kindern. Sie und die Erwachsenen starrten ihn an wie einen Geist. Sie sahen einen mageren Mann mit Bart, sinnlos vor sich hinmurmeld und einem Brennen in den Augen, das sie bis ins Tiefste erschreckte. Sie gaben ihm eine Decke und zu essen. 
Jeden, den er auf seinem Weg nach der Türe nach draußen fragte schaute ihn entsetzt und verständnislos an. 
Schon bald wurde er für verrückt erklärt. 
Ihn störte das nicht. Gang für Gang, Türe für Türe suchte er nun ab in der Hoffnung, noch einmal eine dieser seltsamen schimmernden Flächen zu finden, eine Türe, die ihn wieder zurückführte. 
So wanderte er weiter. 
Das Bild der Weite verbrannte ihn, trieb ihn zu einer Unruhe, die er vorher nicht kannte. 
An anderen Tagen machte es ihn ruhig und glücklich, daß er wußte, es gibt sie, die Halle, die keine Halle war. 
An diesen Tagen hatte er den Eindruck, als verschwänden die Krümmungen der Gänge und würden gerade. 
Einmal sah er an einem dieser Tage eine Türe geradeaus vor sich, klar wie Glas, dahinter der Weg nach draußen. Licht fiel durch diese Türe, doch auch als er ganz nahe davorstand, konnte er keinen Knauf, keine Klinke oder Griff erkennen. Er konnte nur davor stehen und hinausschauen. Er sah eine grüne Ebene, die sich weit, weit hinten am Horizont einer Leere verlor, die in einem tiefen Blau gefärbt war. In dieser wundervollen blauen Leere schwebten riesige leichte Gebilde, die ihn an das Unterfell von Katzen erinnerte. Weich und weiß. 
Er stellte erstaunt fest, wie das letzte verbliebene Brennen in seinem Herzen verschwand und tiefem Frieden Platz machte. 
Man sieht in ab und dan vorbeigehen, manchmal bleibt er für ein paar Tage. 
Manchmal kommt es vor, daß Menschen stehenbleiben, wenn sie ihn sehen und nachdenklich werden. Eine Sehnsucht verspüren, die sie bisher nicht kannten. Doch schnell vergessen sie wieder und wenden sich ihrem Feuer zu, das an den Wänden des Labyrinthes leckt und sie schwarz färbt.
 

© Cymba