jesus
saves
Shine
jesus
hatte schon die ersten schläge einkassiert. er lag zwar noch nicht
auf dem boden im dreck, aber es würde nicht lang auf sich warten lassen.
er schob es dem schlag auf seine schläfe zu, dass die gesichter, die
er ein wenig unscharf sah, wie fratzen wirkten. geduldig stand er da und
wartete, bis die henker das kreuz herantrugen. sie waren zu viert. einige
steine flogen in seine richtung, er spürte blut aus einem cut über
dem auge rinnen, viel blut. seine sicht wurde getrübt, er sah hilfesuchend
in die runde und erkannte wieder, dass er, wohin er auch blickte, in sensations
– und mordgeile fratzengesichter sah. er schob es seiner augenblicklichen
verfassung zu. eine illusion, eventuell gar von satan, den er vorhin in
der wüste noch übelst verarscht hatte. er hatte dem kerl gezeigt,
wo der hammer hängt und dieser wehleidige bastard hatte doch tatsächlich
aufgegeben, aber ein wenig zu schnell. wahrscheinlich rächte er sich
jetzt mit seinen grauenvollen illusionen dafür – verdenken konnten
man es ihm nicht. wer wird schon gern vor seinen eigenen untertanen entlarvt
und lächerlich gemacht? niemand allzu gern und schon gar kein arroganter
kerl wie satan.
das
kreuz nahte heran und jesus sah mit grauen, wie sie sich zu viert beinah
‘nen bruch hoben. ein riesenteil aus schwerem holz gezimmert. er kannte
sich mit holz gut aus – als kind hatte er joseph, seinem stiefvater, oft
bei der arbeit zugesehen – und dieses holz war vielleicht nicht vom teuersten,
aber robust und unglaublich schwer. wie das holz, das man für dachfirste
verwendet oder als stützbalken.
die
wahnsinnigen wollten ihn tatsächlich da rauf schicken, mit mördern
und schwerverbrechern zusammen, und er sollte sein hinrichtungswerkzeug
auch noch selbst schleppen. er dachte an seinen echten vater – der war
weit weg und konnte ihm nicht mal die andeutung eines tips geben, wie man
in dieser situation klarkam, und zumindest einen teil seiner würde
behielt, mitten unter diesen...diesen...er sah sich noch einmal um. satan
in der wüste war ein dreck dagegen gewesen. vielleicht hatte er deshalb
so schnell aufgegeben - weil er es gewusst hatte. er hatte sein ende
gesehen, und hatte er nicht sowas wie „naivling“ gemurmelt? als er sich
verdünnisiert hatte, und war sein mund nicht zu einem zynischen lächeln
verzogen gewesen?
wofür
das ganze? ein opfertier für einen blutigen kult, den gerade er nicht
verstand. so viele schmerzen und als rechtfertigung dafür eine art
von utopie? er dachte an seine freunde, für die er wohl sterben würde,
wenn es denn sein sollte, aber für diese tobenden irren rund um ihn
sollte er auch noch qualvoll und stundenlang verrecken?
ein
kleines kind spuckte gerade in seine richtung, hob dann einen stein auf,
ziemlich gross für so ein kleines kind, und er würde sitzen.
genau ins gesicht.
alle
lachten, sie waren ne grosse glückliche familie, es war wie immer,
er war völlig allein, und sie so viele, und er, der alien, würde
heute sein einsames alienleben aushauchen und sie würden alle ihren
heidenspass dran haben,
und
er war allein
und
er hatte die schnauze voll
„könnt
ihr euch vorstellen, dass es gar nicht darum geht?“, dachte er. „mein dad
meinte so schön, dass es um andere dinge geht, nicht um irgend einen
blutigen scheisskult, den ihr da betreibt, ihr affen. er meinte, ich würde
in eure herzen bluten, meine offensichtlichen wunden würden euch berühren,
meine worte vielleicht sogar heilen, aber ihr vollidioten hattet sogar
wunder nötig, um für 5 abgefuckte minuten eurer existenz an was
zu glauben und nun habt ihr alles vergessen im blutrausch“
und
„scheiss drauf“, sagte jesus
„scheiss
auf eure blutgeile fantasywelt, scheiss auf euch“, und mit nem gezielten
karateschlag knockte er den ersten henkersburschen so genial aus, dass
derselbe noch tage später nicht mehr wusste, ob er männlein oder
weiblein war.
„scheiss
drauf“, knirschte jesus und machte sich dran, die ganze henkersparty aufzumischen
es
war wie ein wunder
rundherum
lagen sie schon aufeinandergestapelt wie in nem billigen hongkong-movie,
und jesus gab dem rest von ihnen saures.
und
als sie wieder wach waren und ihre knochen zusammensammelten, sahen sie
sich um und suchten nach ihm, doch jesus war fort, das kreuz abgefackelt
und einige ihrer hütten brannten auch. auf einer stand fett und unangenehm
jesus
saves
und
als sie sich fragten, wie diese schrift wohl entstanden war, da hatten
sie wie immer keine ahnung und brüllten vor zorn wie verrückt.
auf
einem hügel nicht unweit von dieser inzestgegend stand jesus zusammen
mit gabriel, dem erzengel, und beide sahen nicht grad unzufrieden aus.
gabriel steckte gerade die graffiti-spraydose in seinen rucksack. und dann
meinte er trocken: „das war’s wieder mal.“ jesus nickte und sah zu den
rauchenden häusern hinab. dann meinte er: „du hältst mich jetzt
für ungläubig oder? für jemanden, der kneift, wenn’s drauf
ankommt.“ „ach jesus“, seufzte gabriel, „nicht schon wieder die alte
leier. glaubst du wirklich, wir lassen dich einfach so allein? wofür
hältst du uns eigentlich? für monster?“ jesus sah gabriel gar
nicht an, er konnte ihm nicht ins gesicht schauen. „najaa“, grummelte er
vor sich hin, „aber diesmal hat es brenzlig ausgesehen für mich. echt
brenzlig., verstehst du? ich war ja schon verletzt und fast am boden. stell
dir vor, das ganze wär weitergegangen. stell dir vor, was die mit
mir gemacht hätten“.
„stell
dir vor“ – jetzt schrie er – „was die getan hätten.“
„ich
stell es mir grad vor“, sagte gabriel. „du armes kind. dein vater hätte
den verstand verloren, hörst du? der liebt dich. weißt du eigentlich,
wie sehr?
mehr
als sie. und trotzdem versucht er, ihnen ne chance zu geben, zumindest
versucht er, etwas zu erklären, und darum,“ sagte gabriel, „werden
wir das ganze aufschreiben bzw. aufschreiben lassen. irgendein heini wird
wohl schreiben können, oder? was meinst du?“
jesus
sah etwas zweifelnd drein. „die sehen doch alle aus, als könnten sie
nicht bis 3 zählen, aber mach du mal, gabriel, deine ideen sind immer
extremst genial“.
und
gabriel suchte und suchte, bis er tatsächlich einen mann fand, der
des schreibens einigermassen mächtig war. er diktierte ihm eine geschichte,
während jesus in seiner astralform, die er wieder angenommen hatte,
daneben sass und fassungslos immer wieder den kopf schüttelte.
„dein
leidensweg“, erklärte gabriel, „muss so blutig sein wie es nur möglich
ist. er endet mit deinem qualvollen tod am kreuz. wir zeigen auf, wie menschen
sind. scheisse. und was sie tun können, um sich zu bessern.“
er
warf einen blick auf die blau-und grüngeprügelten dorfbewohner.
„wie gut, dass ich dir karate beigebracht habe, mein kleiner“, murmelte
er und erlaubte sich ein kleines, hämisches lächeln, das jedoch
– wie es bei engeln so ist, zum wunderschönsten lächeln der welt
geriet.
©Shine2006 |