Vampyre Planet-Zine

Stories, Gedichte 
Fanfiction
Rezensionen: 
Bücher & Comics
Interviews
Vamporium: Essays 
Cinema
Musik
Fin de Siecle
Mondgedichte
 


 
 
Vorschau:

Die Inquisition

Leer und gebrochen fühle ich mich. Beinahe, als wäre ich nicht mehr, als nur noch ein Körper, dessen Seele und dessen Herz sich nicht mehr darin befinden. Lebe ich denn noch? Vegetiere ich nicht eigentlich nur noch dahin? Oft scheint es so. Es gibt kaum noch etwas, das mich interessiert, jeder Handgriff bereitet mir höllische Qualen, die ich nicht so einfach überwinden kann. Frei bin ich schon lange nicht mehr. Das einzige, das mich noch aufrecht erhält ist ein Traum und eine Begegnung. Doch warum bin ich nun so alleine? 

weiterlesen...


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Die erste Begegnung


Rhiannon Brunner


Unruhe erfaßt mein Innerstes. Doch warum nur? Ich kann es einfach nicht sagen. Seltsam jedoch ist es schon. Irgendwie komme ich mir fast so vor, als würde ich einen neuen Job antreten, dieser Unruhe ist meine jetzige alles andere als unähnlich. Warum nur? Ich kann es nicht sagen, obwohl es mich ein wenig irritiert. Oder war es einfach die Stimme dessen, mit dem ich mir dieses Treffen ausgemacht hatte? Irgendwie kam sie mir so vertraut und bekannt vor, beinahe, als würde ich sie besser kennen als mich selber. 
Doch wohl könnte dies alles auch nur Einbildung sein. 
Während ich immer wieder einen kurzen Blick auf die Uhr werfe, sitzen Claudia und Sarah einfach nur so da, blicken ein wenig gelangweilt drein, so, als würde sie dies alles ganz und gar nicht interessieren. Da frage ich mich allerdings, warum sie so dreinschauen, sie hätten ja nicht herkommen müssen, immerhin war das ja nur ein Vorschlag von meiner Seite und nichts anderes. 
"Was glaubt ihr, wie sie sind?" 
"Ich weiß es nicht, du hattest doch die Idee sie anzurufen und einzuladen, auch wenn ich mich frage warum. Immerhin ist das ja nichts anderes als nur rausgeschmissenes Geld." 
"Na schön, dann frage ich mich aber, warum ihr hergekommen seid, wenn es sowieso, wie ihr sagt, nur Scharlatanerie und Humbug ist." 
"Vielleicht einfach nur Neugierde?" 
Claudia grinst mich an, wie es ihre Art ist. Manchmal, so wie jetzt frage ich mich, ob sie mich nicht einfach  nur auf die Schaufel nimmt und hinterrücks nur über mich lacht. Zumindest kommt mir dies in Momenten wie diesen so vor. Beinahe, als hätte sie Freude an meinem Versagen, ebenso wie an meinen Fehlern, die ich ja doch immer wieder mache, obwohl ich mich bemühe sie zu vermeiden, wenngleich dies auch nicht immer gelingen mag. 
Sarah hingegen wirkt bedrückt, beinahe, als würde sie etwas spüren, wie sie es immer wieder tut. Sie wirkt ruhig wie immer, doch ist sie stiller als sonst. 
"Es war keine allzu gute Idee, das habe ich dir ja schon gesagt, Melora. Sie werden etwas mit sich bringen, wobei es nicht allen von uns recht ist. Dir könnte es vielleicht sogar gefallen, aber das, was sie tun, ist nicht rechtens. Sie bringen Unglück über uns alle. Es war eine gute Idee an und für sich, doch du bist an die falschen Leute geraten dabei." 
"Dann frage ich mich, was du hier noch suchst. Immerhin würde es dich ja auch betreffen und nicht nur mich. Wenn etwas geschehen mag, so wird es uns alle treffen." 
"Du bist zu ungestüm und zu leicht zu beeindrucken. Ich versuche nur die Wogen, die du verursachst wieder ein wenig zu glätten, mehr liegt nicht in meiner Macht. Sieh dich doch an! Du bist unruhig, ungeduldig und erwartest Dinge, die du kaum zu kriegen in der Lage bist. Wie willst du so weiterkommen? Das kann keiner dir sagen, wenn du selber es nicht weißt." 
Betreten blicke ich zu Boden. Doch obwohl ihre Worte in mich sickern, so sind sie mir doch nicht wichtig, denn mein Gefühl vermeldet mir anderes, mehr Vorfreude als Angst vor dem, was nun kommen mag. 
Noch sind es ein paar Minuten, bis zur ausgemachten Uhrzeit. Wieder herrscht tiefes Schweigen zwischen uns. Das Pochen der Standuhr erfüllt den Raum mit dem einzigen Geräusch, das momentan herrscht. Nicht einmal meine Katze läßt sich blicken. Ob auch sie die Vorzeichen erkennt, die Sarah sieht? 
Wieder und wieder lese ich die Annonce durch, auf die ich geantwortet habe. War es denn wirklich ein Fehler dort anzurufen und um einen Besuch zu bitten? Ich finde nicht, auch wenn Sarah und Claudia dies als solches sehen, so erscheint mir dies alles nicht so schlimm, ganz im Gegenteil,  fast so, als wäre es eine gute Möglichkeit um endlich dem trivialen und normalen Leben, das zu führen ich gezwungen bin, entkommen könnte. 

Draußen nimmt die Dunkelheit immer mehr zu, während langsam die Sterne zu erkennen sind, die beinahe mehr strahlen als der Mond, der gerade erst in völliger Dunkelheit versunken, sich langsam wieder zu seiner normalen Volle emporarbeitet. 
Dann endlich, exakt beim Schlag der vollen Stunde, klingelt es auch an der Tür. Dreimal wird die Glocke angeschlagen, bis ich endlich es geschafft habe, bei ihr zu sein, obwohl ich wie von einer Wespe gestochen, hochgesprungen war und hinrannte. Obwohl ich keineswegs sagen könnte warum, so pocht mein Herz doch fürchterlich, beinahe wie das einer Maus, die in die Fänge einer Katze geraten war und nun überlegt, wie sie ihr entkommen könnte. Es pocht auf eine mir völlig unbekannte Wiese, scheint mir Vorsicht gebieten zu wollen. Jedoch ignoriere ich seine Warnungen, obwohl mir in den Sinn kommt, daß, sobald ich meinen Gästen Einlaß gewähren würde, ich keinerlei Möglichkeiten mehr hätte die Entwicklung, die ich nun in Gang setze, auch nur im Geringsten beeinflußen könnte. 
Es ist ein seltsames Gefühl, das sich in mein Gemüt schleicht und das ich auch hatte, als ich auf die Annonce antwortete und dort anrief. 
Ein letztes Mal erklingt der vertraute Klang der Glocke, der mir plötzlich Angst einzujagen beginnt. Denoch will ich nicht mehr zurückweichen. Ich öffne die Tür und trete zur Seite, daß die beiden Herren, die draußen stehen, eintreten können. 
"Frau Belasco, Sie haben doch auf unsere Anzeige geantwortet?!" 
"Ja, dies tat ich, folgen Sir mir doch bitte!" 
Hinter den beiden schließe ich die Tür, führe sie ins Wohnzimmer zu meinen Freundinnen. 
So vertraut mir das Zimmer ansonsten auch erscheint, so fremd und wie unter einem fremden Einfluß scheint es nun zu stehen, ohne daß ich sagen könnte, was diese Veränderung bewirkte. 
In meiner Kehle bildet sich ein seltsamer Kloß, den ich nicht zu schlucken vermag. Ich versuche mich selbst unter Kontrolle zu kriegen, obwohl ich langsam dieses Gefühl, das einerseits so unangenehm ist, zu mögen beginne, ohne sagen zu können warum. 
"Meinen Namen kennen sie ja bereits. Dies hier sind Sarah und Claudia, meine beiden Freundinnen." 
"Angenehm. Dies hier ist Waleran", er deutet auf seinen Begleiter, der gerade in den besten Jahren zu sein scheint, helles, bräunlich-rötliches Haar, das leicht ins Blonde tendiert, fließt hinab  bis auf seine Schulterblätter. Seine bräunlichen Augen, so strahlend sie sind, enthalten etwas Gefährliches, etwas, das einem Sprengstoff gleich nur entzündet werden muß, um zu explodieren. Es scheint mir fast, als wären sie in der Lage tief in mich zu blicken, in ihnen scheint eine ganze Welt zu stecken, kaum weniger als jahrtausende alte Erfahrung und Wissen, an der ein Mensch zerbrechen könnte. Dichte Wimpern geben ihm ein leicht feminines Aussehen. Die hohen Wangenknochen, die schlanke, seltsam gerade Nase und die vollen Lippen bestätigen sein feminines Wesen. Obwohl er jedoch so seltsam feminin wirkt, so geht von ihm doch eine unglaublich starke männliche Präsenz aus, die ich nicht zu erklären vermag. 
Sein Anzug ist geschnitten in einem Stil, wie er vor Jahrhunderten üblich war, taillenbetont, zierlich, so weit dies möglich ist, aber er ist nicht diesem Jahrhundert entsprungen. Er hätte gut in frühere Zeiten gepaßt. Die Aura, die ihn umgibt wirft mich beinahe um, so intensiv und stark erscheint sie mir. 
"Mich dürfen Sie Boris nennen." 
Boris sieht seinem Begleiter nicht unähnlich. Auch er trägt Kleidung, die nicht dem üblichen Standard entsprechen, einen geschmackvollen Anzug, der genausogut ins letzte Jahrhundert gepaßt hätte. 
Das kurze, dunkle Haar liegt eng am Haupt an, läßt die markanten Backenknochen noch mehr betonen. Seine schmale Nase wird überthront von den buschigen Brauen. Doch auch seine Augen, die eine dunklere Nuance färbt, sind voll Leben, wie ich selten zuvor es jemals erlebt hatte. 
Obwohl dies nicht offensichtlich ist, so scheint es mir doch beinahe, als könnten sie Brüder sein. Der Ausdruck in den Augen und ihre Gestik sind sich so ähnlich wie kaum etwas, das mir zuvor untergekommen ist. Auch tragen beide eine silbrige Kette, die ungemein filigran wirkt. Der daran befindliche Anhänger ist nicht so recht zu erkennen, doch er dürfte schwer und wohl ebenfalls aus Silber sein. 
Andererseits wiederum sind sie sich so verschieden, wie kaum etwas anderes. So verschieden, wie Tag und Nacht, so verschieden, wie zwei Wesen nur sein können. 
Beide wirken sie arrogant, doch zugleich auch so ungemein anziehend, daß es mir schwer fällt zu sagen, wieso dies so sein könnte. Es ist jenes gewisse Etwas, das mir immer schon den Kick gegeben hat und doch ist etwas in ihrer Art sich zu bewegen, das sie mich mit sehr großer Vorsicht genießen läßt. Beinahe, als wären sie keine normalen Menschen. Sie verwirren mich, erscheinen mir seltsam ambivalent. Und wie mir scheint, ergeht es auch Claudia und Sarah nicht anders beim Anblick der beiden, deren genaues Alter man einfach nicht zu schätzen vermag. 
All diese in mir widerstreitenden Gefühle versuche ich zu verdrängen, lade sie ein sich zu setzen. Auf ihre Bitte hin habe ich bereits Gläser bereitgestellt, hochstielige, wie sie für ganz Besonderes verwendet werden. 
Aus seiner Tasche zaubert Boris eine große Flasche Rotwein hervor, stellt sie daneben. 
"Sie baten darum über alternative Dinge sprechen zu können, warum?" 
"Ich will mehr wissen, mehr erfahren als es die Menschen normalerweise tun." 
"Nur aus diesem Grunde?" 
"Gewiß, es steht auch dafür, daß ich gerne Bescheid wissen würde, dieses Wissen will ich einzusetzen in der Lage sein." 
"Mir scheint jedoch, daß Sie noch einen versteckten Grund Ihr Eigen nennen, warum Sie sich damit befassen. Ihre Gründe sind nicht alle!" 
"Wohl, weil ich auf etwas warte, das mir durch diese Art und Weise begegnen könnte!" 
Undefinierbares, hintergründiges Lächeln erscheint auf den Lippen der beiden. Ob sie wissen, was ich erfahren möchte? Zwar bin ich mir dessen nicht sicher, doch beinahe scheint es so. 
"Verzeihen Sie, die Frage war auch nur reine Neugierde. Bevor wir jedoch beginnen, möchte ich Sie auf einen Schluck Wein einladen. Es ist der beste, den es gibt, süß und fein im Geschmack. Meine Familie produziert ihn selber." 
Boris nimmt die Flasche, ,öffnet sie. Jedes einzelne der Gläser füllt er damit. Leicht zäh, ähnlich einem Sirup, fließt der Wein. Die Farbe ist kräftig und sehr dunkel. 
Obwohl Sarah eine Weinkennerin ist, so scheint es, als wäre dieser unbekannt. Ihr Gesichtsausdruck spricht Bände, zeugt von ihrer Überraschung. 
Wir heben die Gläser, stoßen an auf unser Wohl. 
"Trinken Sie, Sie werden ihn mögen." 
Leicht mißtrauisch sehe ich erst in das Glas, hebe es dann aber so hoch, daß ich daran riechen kann. So ein seltsames Bukett ist mir noch nie zuvor untergekommen. Wen ich es nicht beser wüßte, so würde ich es als ungemein süß einstufen, doch ein leicht metallischer Geschmack schwebt darin mit. Meine Vermutung bestätigt sich, als die ersten Tropfen auf meiner Zunge sich befinden, die Geschmacksnerven sie wahrnehmen. Seltsam kalt und goldig schmeckt er, bitter und doch erfüllt von unglaublicher Süße. Wie zäher Sirup fließt er meine Kehle hinab, füllt mich aus mit kratziger Wärme, die sich in mir sammelt und im ganzen Körper zu verteilen beginnt. 
Meine Augen habe ich geschlossen, bis auch der letzte Schluck in mir ist. Erst jetzt öffne ich sie wieder und blicke in die Runde hinein. 
Sarah und Claudia haben die Augen noch geschlossen, doch auch sie scheinen vom Wein sehr überrascht zu sein. 
Erst, als wir uns wieder auf das konzentrieren, was vor uns liegt, holt Boris einen kleinen Beutel hervor, den er an seinen Partner weitergibt. 
Waleran nimmt ihn entgegen, enthüllt die Karten, die sich darunter befinden. Er hält sie kurz in Händen, streicht sanft darüber. Erst jetzt kann ich erkennen, wie schmal und schlank seine Hände sind, wie die eines Künstlers beinahe. 
"Nun so wollen wir doch zum ersten Teil kommen. Wer von Ihnen möchte den Anfang machen?" 
Kurz nur überlege ich, bevor ich mich anbiete dafür. 
"Gut, so sei es, mischen Sie, ziehen Sie drei Karten, von denen Sie das Gefühl haben, daß Sie etwas aussagen möchten!" 
Waleran reicht sie mir herüber. Kurz streift seine Hand die meine, als er mir die Karten in die Hand legt. Kühl ist seine Haut, leicht erschrocken blicke ich ihn an, so kalt ist es doch nicht, es ist warm draußen und auch hier ist es eher heiß. 
Der Blick, den er mir zuwirft kann ich nicht deuten, zu sehr verwirrt er mich. Wohl vielleicht gerade deswegen, ziehe ich drei Karten aufs völlige Geratewohl heraus und gebe sie ihm in die Hand. 
"Wollen wir doch mal sehen, was Sie uns gezogen haben!" 
Er dreht die erste um, die Herrscherin, zeigt ihr Antlitz.
"Dies sind Sie für den heutigen Abend, aber lassen Sie uns weitergehen." 
Der Gehängte  und die Liebenden folgen, auch für diese Karten gibt er mir eine Deutung. 
"Sehen Sie den Gehängten? Wie er an einem einzigen Strick baumelt? Er  ist zu Passivität verurteilt und ebenso auch zu warten, ohne, daß er etwas tun kann. So wird für Sie die nächste Zeit werden. Sie wollen etwas tun, können es aber nicht, ergeben Sie sich in Ihr Schicksal, so werden Sie hernach belohnt, wie die Karte der Liebenden es zeigt. Doch ist es nicht unbedingt eine Liebe oder eine Romanze, die damit gemeint sein kann, sondern einfach eine Entscheidung, die Sie treffen, die für Sie noch ungekannte Möglichkeiten offenbart, wenn Sie weise wählen. Diese Wahl wird Ihr Leben in einer Weise ändern, wie es nichts zuvor je gab." 
Er nimmt die Karten wieder an sich, behält allerdings die Herrscherin in der Hand und legt sie vor Claudia. 
"Auch Sie soll diese Karte heute verkörpern. Wählen Sie zwei Karten aus dem Stapel!" 
Sie zieht zwei Karten, legt sie vor sich, neben die Herrscherin. Waleran dreht sie um, die erste zeigt den Mond, die zweite den Tod. 
"Oh eine sehr interessante Kombination. Sehen wir uns doch einmal den Mond an. Sie scheinen mit ihrer eigenen dunklen Seite nicht so zurecht zu kommen, wie Sie es vielleicht möchten. Es gibt viele unbewußte Ängste, die Sie quälen und martern, die Sie am liebsten vergessen würden. Obwohl Sie aber Angst vor dem Dunklen haben, sich am liebsten vor diesen Dingen drücken würden, so fasziniert Sie das Düstere doch auch, hat einen Hauch von Romantik an sich, den Sie sich nicht zu erklären vermochten bisher. Und dies wird auch Ihr Schicksal sein. Die Dunkelheit und ihre Welt wird Sie zum Abschied von dieser bringen, Ihnen aber eine neue Chance offenbaren, die Sie ergreifen werden. Es wird ein neuer Beginn für Sie werden, von dem Sie nicht einmal zu träumen wagten bisher. So werden Sie zwar sterben, aber seine Sie sicher, Sie werden neu geboren!" 
Auch ihr nimmt er die Karten aus der Hand und legt nun vor Sarah die Herrscherin. 
"Nun ist die Reihe an Ihnen. Wählen Sie, dunkle Herrin! Wählen Sie!" 
Rasch greift Sarah nach den Karten, will dies alles nur schnell hinter sich bringen. Zwei drückt sie Waleran in die eine Hand, legt den Stapel neben sich. 
"Wagen und Teufel. Sie scheinen Risken zu mögen, wie der Wagen zeigt. Risiken, die Sie aber doch abzuschätzen mehr in der Lage sind, als Ihre beiden Freundinnen es tun. Doch seien Sie auch gewarnt. Vieles von dem, was Sie tun, können Sie nicht wirklich abschätzen, Sie überschätzen sich zwar nicht immer, doch manchmal schon und wie der Teufel dies zeigt, so spielen Sie auch gerne mit dem Feuer. Seien Sie vorsichtig, daß Sie keinen zu großen Fehler machen, der Sie dann schlußendlich vernichtet, es scheint so, als könnten Sie Ihre eigene, dunkle Seite nicht recht verstehen und würden an ihr so zu Grunde gehen." 
Kurz hält er inne, damit wir das Gesagte auch verdauen können. Doch schließlich, schenkt er nach, hebt das Glas und prostet uns zu. 
"Trinken wir noch einmal zusammen. Hebt die Gläser und erfreut Euch an Eurem Leben!" 
Wie zuvor trinken wir gemeinsam, doch seltsamerweise erscheint der Geschmack des Weines nun noch herber und süßer als zuvor. 
"So wollen wir doch die nächste Weise kennenlernen, die wir anzubieten haben. Die Macht der Runen." 
Boris holt einen weiteren Beutel aus seinen Taschen, leert ihn auf dem Tisch aus. 
"Möchten Sie, werte Melora, nicht wieder den Anfang machen? Sie scheinen damit Ihren Freundinnen die Scheu vor diesen Dingen zu nehmen." 
"Was soll ich tun?" 
"Wählen Sie drei aus, konzentrieren Sie sich und wählen Sie!" 
Ich schließe meine Augen, lasse die Hände über die Steine wandern, bis Energien ich spüre, die in meinen Händen kribbeln. Drei Stück wähle ich und lege sie vor mir hin. 
"Beginnen wir mit dieser hier: Gebo. Sie bedeutet, daß Sie bald schon ein Geschenk erhalten werden. Doch freuen Sie sich nicht zu früh. Trotz dieses Geschenkes oder vielleicht gerade deswegen, werden Sie in der Zeit, die darauf folgt, eine Ruhe haben, die Sie nicht mögen, Sie werden gezwungen passiv zu bleiben. Isa zeigt Ihnen an, daß Sie ruhig verharren sollen, der Forderungen, die Sie sich verpflichtet haben, nicht noch schneller aufzudrängen. Seien Sie geduldig, obwohl Ihnen das wohl mit Sicherheit unglaublich schwer fallen wird.  Die letzte Rune, die Sie gezogen haben, Othila, zeigt, daß Sie neue Wege gehen werden. Eine Art radikaler Häutung oder Trennung wird daraufhin erfolgen. Wenn Sie gehorsam sind, dann wird das, was Sie erhalten, wunderbar werden. Erfolgt die Trennung, die Sie vollziehen werden, so wird Ihnen Freiheit zuteil, an die Sie schon lange nicht mehr glaubten und die Ihnen immer unwahrscheinlicher werden wird in nächster Zeit vor allem." 
Nur nebenbei registriere ich, welche Runen Sarah und Claudia zogen. Nur eines überrascht mich. Jede von uns hat Gebo an erster Stelle gezogen, Gebo, die Rune des Geschenkes. Was die Bedeutung der Runen für meine Freundinnen sind, das kann ich nicht sagen, zu sehr bin ich damit beschäftigt mir meine Gedanken darüber zu machen, was alles das, was mir erzählt wurde, was die Runen sagten, ebenso, wie die Karten es aussprachen, sich doch ähnelte. Es ist überraschend, verwirrt mich ein wenig. 
Ein Geschenk? Wie soll dies denn aussehen? Ob es meinem Wunsch entspricht? Oder dies Geschenk etwas ist, das gänzlich anders ist, als ich glaube? Ich kann es nicht sagen. Und dann die Zeit, die mir schwer fällt? Muß wirklich der Passivität ich entsprechen? Anstatt aktiv werden zu können? Und was ist die Belohnung hinterher? 
Meine Gedanken hetzen sich in mir, gehen immer wieder im Kreis, einen nach dem anderen. Ich sehe erst auf, als mir Waleran wieder ein Glas entgegenhält und mir in die Hand drückt. 
"Bitte, nehmt, noch einmal möchte ich mit Ihnen und Ihren Freundinnen anstoßen, es sind die letzten Tropfen des Weines, der noch in der Flasche ist. Bitte, nehmt und trinkt!" 
Gemeinsam heben wir die Gläser, stoßen an und leeren, bis auf den letzten Tropfen, die Gläser, die wir in Händen halten. Sarah trinkt am langsamsten, beinahe, als wolle sie den Wein gar nicht zu sich nehmen. 
Kaum haben wir den letzten Schluck hinter uns gebracht, den Wein völlig geleert, verspüre ich eine Lähmung wie nie zuvor. Ich sehe, höre und fühle alles, was um mich herum vor sich geht, doch kann ich mich nicht länger bewegen. Beinahe, als sei mein Geist gefesselt. 
Zugleich ertönt lauter Donner, das Licht flackert, wird düsterer, so, als würde eine schwächere Birne, die jetzige ersetzen. Kurz sehe ich gar nichts mehr, jedoch spüre ich, daß etwas da ist, das mir den Atem raubt, mich beinahe betäubt. Mir kommt es beinahe so vor, als wäre dies eine Stärke, eine Energie, der ich rein gar nichts entgegensetzen kann. Doch höre ich Worte, Klänge, die ich nicht verstehe, merke aber, daß jemand spricht. 
Nur langsam schwinden die Schleier vor meinem Blick, geben frei, was mir für Sekunden verborgen geblieben ist. 
Eine dritte Person befindet sich hier. Er ist großgewachsen, schlank, sieht aber Waleran zum Verwechseln ähnlich, bis auf seine rabenschwarzen Haare, die ihm bis zur Hüfte reichen. Nur wenn er sich bewegt, erkenne ich dies. Im Gegensatz zu den beiden anderen trägt er eine Art Kutte, schwarz mit eigenartigen Zeichen bestickt, deren Ursprung ich nicht kenne, ja nicht einmal erahnen kann. Sie sind kaum zu sehen, doch ist es kein Schwarz, in dem sie gestickt sind. Im Gegensatz zu den beiden anderen wirkt er unglaublich arrogant und herrschsüchtig, beinahe, als wäre er der Herr über eine Menge von Leuten und nicht gewohnt nachzugeben. Von ihm scheint diese Art der Beklemmung und Energie auszugehen. Seine Stimme jedoch ist ungemein süß und beruhigend. Still und zärtlich, wie der Hauch einer Sommerbrise, wenn sie durchs Haar streift. Sie wirkt so ungemein beruhigend, wie kaum etwas anderes. 
Doch das, was er sagt, ist alles andere als ruhig und zärtlich. 
"Wie sieht es aus? Haben sie getrunken?" 
"Ja, das haben sie, jeden Tropfen, den wir ihnen gaben. Sie werden gute Diener abgeben. Da könnt Ihr ganz unbesorgt sein." 
"Das hoffe ich, daß es so ist. Diener, die nichts taugen, können wir nicht brauchen." 
Arrogant ist sein Blick, als er auf uns zukommt, uns begutachtet. Noch ist es uns nicht möglich uns zu bewegen, obwohl ich es so gerne würde. Er sieht uns an, einen nach dem anderen, packt mein Haar und reißt meinen Kopf nach oben, nur kurz sieht er mir in die Augen, ich möchte meinen Blick senken, doch nicht einmal dazu bin ich imstande. 
"Sie hat euch wohl geladen, nicht wahr?" 
"Ja, so ist es. Ohne ihre Einladung wären wir jetzt wohl auch nicht hier, doch ist das denn so wichtig?" 
"Manchmal schon." 
Ohne noch weiter auf mich zu achten, läßt er meine Haare wieder los. Steif und wie geknickt beinahe fällt mein Haupt hinab, ich verspüre einen Schmerz, der seltsam anmutet. 
Auch meine Freundinnen begutachtet er noch, bevor er hochsieht und seine Kollegen angrinst mit einem Blick, der nur bedingt Gutes verheißen mag. 
"Was ist mit dem Schwur? Den habt ihr sie doch noch nicht leisten lassen? Oder doch?" 
"Nein, aber Ihr sagtet doch selbst, daß es Eure Aufgabe ist, sie den Schwur leisten zu lassen. Darum warteten wir damit auf Euch." 
"Na schön, also wollen wir nicht länger warten, könnte doch fatale Folgen haben. Seht mich an!" 
Stolz und erhaben ist sein Blick, den er uns zuwirft. Selbst, wenn ich wollte, so schaffe ich es doch nicht, den Blick abzuwenden. Hypnotisch zwingt er mich ihn anzusehen. 
"Sprecht mir nach! So wie die Wahl uns traf, so wollen wir dem Herrn dienen, der uns erwählt. Jeder Befehl, der gegeben wird, wird ohne Zögern und augenblicklich befolgt. Keine Widerrede und kein Kommentar des Aufbegehrens soll zeigen, daß wir uns dem Herrn widersetzen. Das Leben, das Herz und die Seele geben wir in die Hände dessen, der uns gezeugt und ernährt. Ihm gehören wir mit allem, was wird haben." 
Ich spreche die Worte nach, einzeln, Teil für Teil, so wie er ihn uns vorsprach. Doch irre ich mich, oder bin ich die einzige, die jedes Wort nachsprach? Bis ins kleinste Detail? 
Jedoch ist es mir gleich, ich leistete den Schwur und ich meine ihn ernst. Wohl mag dies es sein, auf das so lange Zeit ich so inbrünstig gewartet hatte. 
Ein wenig scheint er irritiert von meinen Freundinnen zu sein, doch nur kurz, jedenfalls läßt er sich nichts anmerken. Wieder ignoriert er uns, den freien Willen hat er uns zwar wiedergegeben, eine Widerrede jedoch wagt keine von uns. 
"Nun, ich hoffe, ihr seid bereit den Schwur, den ihr geleistet habt, auch einzuhalten." 
"Und wenn nicht?" 
Sarah wagt zwar nicht aufzusehen, doch innerlich scheint ihre Natur wieder das Rebellische in ihr hervorzukramen. 
"Dann wird dies mit Euch geschehen, aber nicht so schnell und schmerzlos, wie jetzt!"
Er macht einen Wink, woraufhin Boris zu ihr geht, ihren Kopf an den Haaren zurückreißt und seinen Mund über ihren Hals beugt. Ein schmerzhafter Laut entringt sich ihrer Kehle, schrill und grell bricht er sich Bann. 
Nur kurz ist dies, Sekundenbruchteile später läßt er sie los. 
"Raten würde ich keiner von euch so zu reagieren, sich aufzulehnen gegen den Schwur, der Schluß wäre ein Tod, der Euch nicht mehr zurückbringen wird, sondern euch auf endgültig vernichtet. In 60 Tagen kehren wir wieder zurück, wir erwarten dann einen Beweis für eure Loyalität und euren Gehorsam. Jede von euch wird eine Freundin mitbringen, von der wir uns nähren werden. Wählt sie gut aus, es ist mit ein Grund dafür, ob ihr Schmerz oder Freude von uns erfahren werdet. Habt ihr verstanden?" 
Zögernd bestätige ich seinen Befehl. Leise und doch kraftvoll dringt er über meine Lippen. Werde ich dann von ihnen den Blutkuß erhalten, so wie ich es mir schon so lange erträume? Was haben sie nur vor mit uns allen? Sollen wir auf ewig nur ihre Dienerinnen bleiben? 
"Gut denn, ich erwarte, daß ihr tut, wie euch geheißen.Bis dahin, laßt euch die Zeit nicht zu lange werden." 
Ein hämischer Grinser entringt sich seiner Kehle, ein Lachen, das an Bosheit und Wut kaum noch überboten werden kann. 
Für Sekunden verlischt das Licht, ein weiterer Donner folgt. Wir sitzen im Dunkeln. Erst jetzt kann ich mich wieder völlig frei bewegen. Ich sehe hoch, doch die Drei sind verschwunden. Ein Traum jedoch war es gewiß nicht, noch steht die Flasche auf dem Tisch und Sarah, sie atmet schwer, preßt ihre Hand auf ihren Hals. Es war real, der Besuch der Fremden. Der Blick, den sie mir zuwirft, den kann ich nicht deuten, obwohl er eigenartig und ein wenig enttäuscht ist. 
Ich werde dem Befehl Folge leisten, egal, was geschieht, doch ob Claudia und Sarah dies ebenso tun werden? Das kann ich nicht sagen, sie hatten schon immer ihren eigenen Willen dahingehend. 
 
 

©Rhiannon Brunner