Vampyre Planet-Zine

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Singele este viatsa mea

  Wie vertraut mir alles hier erscheint. Beinahe, als würde seltsame Klarheit mich durchfluten, die niemals zuvor ich gekannt oder auch nur erahnt hatte. Doch auch Frieden ist in mir, wie nie zuvor ich ihn erfahren durfte, gepaart mit einer Art von Geborgenheit, die mir nicht unbekannt ist. Obwohl dies alles hier mir so seltsam vertraut erscheint, als gehörte ich hierher, so frage ich mich doch, weshalb der Weg mich an diesen Ort führte. Ich wollte, ich wüßte es, doch jetzt sind meine Gedanken im Nebel verschwunden, ohne, daß ich sie zu erkennen vermag. Wie ein satter Schleier liegt Vergessen über meiner Entschei- dung.  Dennoch bin ich nun hier. Langsam nur höre ich auf mir die Frage nach dem Warum zu stellen, sondern akzeptiere einfach nur, den Ort, an dem ich mich befinde. 

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Die Inquisition


Rhiannon Brunner


Leer und gebrochen fühle ich mich. Beinahe, als wäre ich nicht mehr, als nur noch ein Körper, dessen Seele und dessen Herz sich nicht mehr darin befinden. Lebe ich denn noch? Vegetiere ich nicht eigentlich nur noch dahin? Oft scheint es so. Es gibt kaum noch etwas, das mich interessiert, jeder Handgriff bereitet mir höllische Qualen, die ich nicht so einfach überwinden kann. Frei bin ich schon lange nicht mehr. Das einzige, das mich noch aufrecht erhält ist ein Traum und eine Begegnung. Doch warum bin ich nun so alleine? 
Gut, gewiß, ich habe selber meine Freunde vergrault, nicht nur deswegen, weil ich die Beziehungen zu ihnen verlottern ließ. Mein damaliger Partner, der ansonsten immer zu mir hielt, hat sich abgewandt von mir, weil ich nichts mehr so wichtig nahm, wie das, was mir wirklich wichtig ist, das Vampirische und auch der Traum, den ich in dieser Richtung habe. Der Traum, vor mehreren Monden war er mir so nah, warum nur sind sie nicht wiedergekehrt? Solche Sehnsucht, wie ich sie jetzt erfahre, seit jenem Erlebnis wächst sie Tag für Tag, läßt mich kaum noch ruhig schlafen, sie weckt mich, keine Nacht vergeht, in der ich nicht weinend mich in die Kissen vergrabe oder nach wenigen Stunden Schlafes, der alles andere als erholsam ist. Mehr als nur einmal hat mich dies bereits rausgetrieben in die Nacht, mich ruhelos umherirren lassen. 
Claudia ist wenige Wochen danach verschwunden, seither habe ich zu ihr keinen Kontakt mehr, ebenso wenig wie zu Sarah, die ebenfalls den Kontakt abgebrochen hat, doch eher, weil sie versucht, sich irgendwie dem Schwur, den sie leistete, entziehen zu können. Manchmal erscheint es mir beinahe, als würde sie es sogar schaffen, davon freizukommen, so sehr, wie sie sich in die Magie vergräbt und versucht, an dies alles nicht mehr zu denken. 
Doch ich kann das nicht, vielleicht will ich es auch nicht vergessen. Zu nahe schon war mir die Erfüllung dessen, was ich so sehr wünsche und nun soll ich die Erfüllung dessen von mir weisen? Nein, das werde ich nicht, ich hoffe noch immer, daß sie vielleicht doch zurückkehren werden zu mir. 
Ich wünsche es mir immer noch mehr als alles andere, doch im Gegensatz zu früher habe ich meine anderen Wünsche begraben. Keiner von ihnen interessiert mich mehr. 
Auch diese Nacht wieder treibt es mich auf die Straße nach draußen, obwohl es so kalt ist, daß mir nach wenigen Minuten bereits die Nase rot gefroren ist, ebenso wie meine Ohren vor Kälte starren. Dennoch läßt mich dies alles völlig kalt, es ist mir nicht wichtig. Wieso sollte mir noch etwas an meinem Leben hängen, wenn meine Einstellung zu meinem Leben inzwischen so geworden ist? 
Ziellos wandere ich durch die Stadt, mir fällt gar nicht auf, wohin ich eigentlich gehe. Ich komme an Orten vorbei, die mir einst vertraut waren, jetzt jedoch fallen sie mir gar nicht mehr auf, weil meine Gedanken in anderen Welten schweifen. 
Stunde über Stunde bin ich unterwegs. Nicht einmal die Uhrzeit interessiert mich, mag sein, daß es erst zehn ist, oder aber vielleicht schon drei Uhr früh? Mein Zeitgefühl ist mir völlig abhanden gekommen, ich könnte es nicht sagen. Langsam lenke ich meine Schritte, eine leichte Müdigkeit macht sich in mir bemerkbar, die ich nicht wirklich verstehe. 
Als ich aufsehe, bemerke ich, daß ich in meiner Straße bin, beinah schon wieder zu Hause. Nun, wenn ich schon mal hier bin, so kann ich doch auch gleich hier bleiben. Rasch schlüpfe ich hinein, der eisige Wind, der mich vorhin beinahe umgeworfen hatte, ist auf einmal verschwunden, auch die Klammheit meiner Finger und Füße schwindet langsam wieder. Erst in meiner Wohnung, die ich kurz darauf betrete, wärme ich mich völlig auf. Obschon ich gehofft hatte, die Unruhe würde mich in Ruhe lassen, so fühle ich sie nun wieder stärker, Stärke, wie ich sie kaum jemals zuvor in mir gefühlt habe. 
Kann es sein, daß er unten auf mich wartet? Nur darauf wartet, daß ich zu ihm hinabgehe und ihn suche? Soll es sogar eine Probe sein, ob ich seine Stimme auch wahrlich zu vernehmen in der Lage bin? 
Diese Fragen lassen mir keine Ruhe, erbarmunglos ziehen sie mich in ihren Bann, verschlingen mich und fangen mich auf in einem Orkan aus Stimmung und Ruhelosigkeit. Nichts hält mich noch länger in dieser Wohnung, beinahe wie im Zwang eile ich nach unten in den Keller, schließe ihn auf und betrete ihn. Dumpfer, kühler Geruch schlägt mir entgegen, modrig und ein wenig feucht ist es hier, mir schwandt nicht einmal eine Ahnung von dem, was hier auf mich vielleicht warten mag. 
Mein Herz tut mir weh, so wie in der letzten Zeit oftmals es der Fall gewesen ist, eine Erklärung dafür jedoch finde ich nicht. Oder hängt es mit dem Traum zusammen, der für mich mehr als nur ein Traum gewesen ist? 
Tränen erfüllen meine Augen, Tränen, die ich mir nicht zu erklären vermag und eine Sehnsucht nach etwas - oder nach jemandem? 
Wieder taucht jener junge Bursche in meinem Kopf auf, der mich einst besucht hatte. Ich sehe sein Antlitz vor mir, als wäre er gerade erst durch die Tür verschwunden. Als mein Meister hat er sich damals betitelt. So sehe ich ihn auch an. Für mich ist er mehr als nur ein Traumgebilde, doch wenn es mehr war als nur ein Traum, warum sehne ich mich so sehr nach ihm? Warum nur fühle ich dann eine Sehnsucht in mir, die mich immer wieder nach draußen treibt, ins Freie? Bis jetzt fand ich keine Erklärung dafür, nur eine Antwort für mich, die aber nicht unbedingt der Wahrheit entspringen muß. 
Beinahe, als würde jemand anders meine Lippen bewegen und meiner Stimme Laut verleihen, ertönen Worte aus meinem Mund. Zusätzlich zu meinem Schluchzen, das sich mir immer wieder zwischen den Worten entringt. 
"Meister, wo seid Ihr nur, wenn ich Euch brauche? Kommt zurück zu mir, verlaßt mich nicht!" 
Keuchend vor Anstrengung lehne ich mich an die Kellerwand, rutsche hinab daran, bis ich auf dem feuchten, lehmigen Boden kauere. Nur noch Weinen und Tränen ertönt von mir. Obwohl ich es gerne verhindern möchte, so ist es mir nicht möglich auch nur ein einziges davon zu unterdrücken. Wieder und wieder rufe ich nach ihm, aber eine Antwort ertönt nicht, kein Laut von ihm, obwohl ich seine Stimme noch immer in meinem Ohr habe, in meinem Gedächtnis, so, als wäre das letzte Wort gerade erst verklungen. 
Immer mehr überwältigen mich die Erinnerungen an ihn, an die Stimme, das Antlitz und auch das Versprechen, das er einst mir gab. Warum nur kam er dann nicht wieder her zu mir? Ich wünschte, ich wüßte, wo er ist, dann könnte ich es mir erlauben, ihm nach zu eilen. 
Der Keller nun jedoch ist so voller Erinnerungen und voller Sehnsucht an ihn, daß es mich zu überwältigen droht. Bitter ist der Schmerz und die Sehnsucht, die in mir toben, einem schieren Orkan gleich, der mich zu überwältigen in der Lage ist. Mehr, als alles andere jemals zuvor. 
Ich halte es nicht mehr aus in diesem Raum, so rasch es mir möglich ist, eile ich nach oben, zurück in meine Wohnung und schließe die Tür hinter mir. Weinend werfe ich mich auf meine Couch. 
Sind es nur Sekunden gewesen, die vergangen oder Stunden? 
Krachend öffnet sich die Tür, schlägt gegen die Wand, leise wird sie geschlossen. Meinen Kopf habe ich vergraben zwischen meinen Armen, überrascht sehe ich hoch, als er nach oben gerissen wird. 
Ich sehe einen Fremden vor mir. Ich kenne ihn nicht. Er hat eine Ausstrahlung, eine Präsenz, die ich mir nicht zu erklären vermag und doch kenne ich sie. Sie ähnelt der, die ich aus meinem Traum kenne. 
Er läßt meinen Kopf wieder los, drückt mich auf die Couch zurück. 
"Sie ist es." 
"Was machen wir mit ihr?" 
"Erst sollten wir sie mal befragen. Los, sieh uns an!"
Rüde sind die Worte an mich gerichtet. Nur scheu wage ich es aufzusehen, senke aber sofort den Blick wieder, bis mein Kopf wieder nach oben gerissen wird. 
"Sieh uns an!" 
Drei Personen sind es, sie alle wirken jung und doch, sind sie es denn? Ihre Augen strahlen ein Alter aus, das ich kaum zuvor jemals gesehen habe. 
Eine Frau mit kurzem rötlichen Haar, die noch ein wenig scheu beinahe im Hintergrund steht. Ein etwas älterer, dunkelhaariger Bursche, der in Schwarz gekleidet ist und ein Mann mit rötlichem Haar, das ihm bis zu den Schultern reicht. Seine Kleidung wirkt feudal, beinahe aus einem früheren Jahrhundert entsprungen. 
"Wo ist dein Meister?" 
"Mein Meister?" 
"Ja, wo ist er?" 
Erst jetzt dämmert es mir so wirklich, wer sie sind. Doch wie sollte ich ihnen etwas sagen können, wenn ich selber es nicht einmal weiß? 
"Ich weiß es nicht." 
"Und ob sie es weiß. Sie muß doch Kontakt haben zu ihm!" 
"Wann war er zum letzten Mal bei dir?" 
"Vor mehreren Monden. Ich habe ihn nur ein einziges Mal gesehen, seither nicht wieder." 
"Du weißt doch wo er ist, lüge nicht!" 
Ich erhebe mich kurz, doch einer von ihnen packt meinen Arm und stößt mich auf die Couch zurück. 
"Ich weiß es nicht, ich kann nur das beteuern. Wie soll ich Euch etwas sagen, wenn ich selber nicht weiß, wo er ist?" 
"Und doch möchte ich wetten, daß sie es weiß" 
"Gut, dann sag uns, wer dein Herr ist. Du hast einen, das ist dir anzusehen, du bist geprägt. Sage uns wenigstens seinen Namen. Den wirst du doch wohl kennen!" 
"Warum sollte ich das tun? Ich sehe keinen Grund dafür!" 
"Sieh sie dir doch an Romuald, sie ist geprägt, aber doch, sie hat wesentlich mehr Wissen, als sie zu haben scheint." 
Der Rothaarige, der als Romuald bezeichnet wurde, sieht mich an, packt mein Kinn und sieht mir in die Augen. 
"Los, rück den Namen raus!" 
Er sieht mich an, ich senke die Augen, weil ich es nicht mehr ertrage ihn anzusehen. 
"Nun gut, dann wollen wir mal anders vorgehen. Sag, was damals geschehen ist, als du ihn kennengelernt hast. Was ist geschehen." 
"Warum sollte ich?" 
"Tu es! Gehorche ihm!" 
Der Dunkelhaarige blickt mich an, sieht mir in die Augen. Von einer Sekunde auf die andere werde ich ruhiger. 
"Sprich, antworte auf die Frage. Du hast nicht mehr die Macht dich dagegen zu sträuben. Antworte. Wie hast du ihn kennengelernt?" 
"Ich lud ihn ein zu kommen." 
"Wie!" 
"Durch eine Annonce in der Zeitung." 
"Und was stand darin geschrieben?" 
"Zwei Herren, die einen in die Kunst und das Wissen des Okkulten einweihen würden." 
"Und du hast sie gebeten zu dir zu kommen. Warum?" 
"Ich wollte etwas erfahren, das mir wichtig ist. Einen Wunsch, der mir innewohnte und dafür ist mir jedes Mittel recht gewesen." 
"Sieh dir das an, Romuald. Bücher über Magie und Esoterik und die Poster, die Zeichnungen und die Bücher, alles mögliche über unseresgleichen." 
Er hält eines meiner Bücher in der Hand, in der anderen einige Zeichnungen, die ich mir von Vampiren gemalt hatte. 
"Seit wann beschäftigst du dich mit diesen Themen!" 
"Immer schon, seit ich mich zu erinnern vermag." 
"Ein potentielles Opfer. Die, die am leichtesten zu übernehmen sind. Es gibt keine besseren Diener, als solche Leute, sie sind auch ohne große Anstrengung leicht zu behandeln, nie würden sie es wagen, einen zu hintergehen." 
"Ich weiß und der Sabbath,... Wer sollte es sonst sein, keiner aus der Camarilla würde es wagen... Jetzt kommen sie sogar schon über die Zeitung zu ihren Opfern." 
"Es ist eine Schande, wie sie uns vor der Nase herumtanzen und wir es bis jetzt nur mit Vermutungen erklären konnten." 
"Warst du die einzige?" 
"Nein, ich hatte noch Freundinnen bei mir." 
"Was geschah mit ihnen?" 
"Ich habe sie seither nicht mehr gesehen." 
Scham erfüllt mich bei dieser Befragung. Was soll das alles eigentlich?
"Sprich, wie ist es vor sich gegangen." 
"Wir luden sie ein, sie zeigten uns einige Dinge wie Kartenlegen oder auch Runen zu lesen." 
"Gab euch einer von ihnen etwas zu trinken?" 
"Einer nahm eine Flasche mit seltsamem süßen Wein mit. Dreimal haben wir getrunken, gemeinsam angestoßen." 
"Ihr Blut." 
"Damit haben sie sie gekriegt." 
"Und dann?" 
"Dann kam einer, wir sollten ihm Opfer bringen, doch er hat sich seither nicht mehr gemeldet, keiner von ihnen." 
"Wieviele waren es?" 
"Drei, zum Schluß. Zwei kamen und der dritte erschien wie aus dem Nichts." 
"Nenne  uns die Namen." 
"Ich weiß nur noch von einem den Namen. Boris." 
"Und wie weiter?" 
"Boris, Graf Andraschij von Shigishoara." 
"Ein Ausländer. Wie können die es nur wagen hierher zu kommen. Der Sabbath..." 
"Und seither?" 
"Keiner ist wieder gekommen." 
"Was geschah mit den anderen?" 
"Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihnen!" 
"Warum habst du dir keinen anderen Meister gesucht?" 
Ich lache auf, doch voll von bitterer Ironie erfüllt. Stehe auf und drehe ihnen den Rücken zu. 
"Wie hätte ich das denn können? Ich habe keinen von Euresgleichen mehr seither gesehen? Ich bin doch schon längst mehr tot als lebend, doch keinen von Euch hat es gekümmert!" 
"Wie wichtig ist dir denn dein Leben noch?" 
"Es ist mir gleich. Ich will nur das, was mir versprochen wurde. Ich will den Kuß erhalten, mehr nicht." 
Eine leichte Berührung verspühre ich an meiner Schulter. 
"Sieh uns an. Du willst den Kuß erhalten, doch dein Meister ließ dich im Stich. Du hast dich gehen lassen, nicht wahr?" 
"Mein menschliches Leben ist doch belanglos. Es interessiert mich nicht mehr, weniger noch als jemals zuvor." 
"Gut, so will ich dich wählen zu lassen. Wir töten dich oder du kannst uns dienen!" 
Die Tränen, die noch immer in meinen Augen schimmern, trocknen ein wenig. 
"Ihr würdet mich nehmen?" 
"Du hast etwas überlebt, wonach wir auf der Suche waren. Du bist ein Indiz. Du kannst uns helfen unsere Feinde zu vernichten, doch du mußt sagen, was du möchtest." 
Er sieht mich an. Bitter und doch so, als wolle er mich verschlingen. 
"Wähle." 
Romuald packt mich an den Schultern und stößt mich vor den beiden anderen zu Boden. 
"Los wähle!" 
"Ich wähle Euch." 
"Gut. So werden wir dich unter unsere Obhut nehmen, bis unser Clan weiter entscheidet, was geschehen soll mit dir. Du wirst noch alles erfahren. Von uns und den verschiedenen Clans, die es gibt. Dir wird so manches noch klar werden. Dann wirst du früher oder später den Clan, dem du beitreten willst, frei wählen, bis dahin, werden wir dich unter unserer Kontrolle behalten." 
Ich rappele mich hoch. Die Fremde packt mich am Handgelenk, zerrt mich mit sich. Hinaus in eine Welt, die mir noch neu ist, doch die eigentlich dem entspricht, was ich mir immer gewünscht habe. 
 

©Rhiannon Brunner