das
lied des gartens
Shine
im
schwirren von insektenflügeln, rascheln und krabbeln schien ein wispern
zu liegen, sätze
bildeten
sich, um unbeantwortet im blau des himmels zu vergehen, ein ewiger monolog
eines
wesens,
das es vorzog, unsichtbar zu bleiben. hunderte von insektenflügeln
formten diese
stimme,
flügel, die auf-und zuklappten, flatterten, trocken knisterten wie
dürres laub.
insektenbeinchen,
die eifrig und rastlos krabbelnd sätze auf die erde schrieben und
sofort
wieder
auslöschten, als dürfe der monolog nie unterbrochen werden. im
flüchtigen weiss
der
wolken ruhte die stimme, gebettet in das blau des himmels, sie bebte und
zitterte in
den
windgebeugten wipfeln der bäume und schluchzte im grau und stetig
fallenden regen des
herbstes.
und sie sang im winterlicht. einen hohen, sternförmigen ton im gleissenden
kristall,
dessen kälte brannte.
die
töne der stimme zeichneten gebilde und formen in luft und wasser,
malten bilder auf die
erde,
die töne waren farbig, tönende spiralen und schleifen durchzogen
die luft, kreiselten
auf
der blauen leinwand des himmels, farbtöne liefen einzeln oder vermischt
in die leinwand,
bis
sich luftige gebilde zu körpern wandelten.
sprachlos,
endlos...
doch
nie erschien ein menschliches wesen an diesem ort. und so war dieser ort
durchsichtig
geworden.
wie ein spiegel, der kein abbild wiedergab, sondern das darunterliegende
frei-
setzte.
da war nur die stimme, der ewige monolog in einer fremden, den menschen
nicht mehr
vertrauten
sprache, das lied des gartens.
*
ich
bin in allem was lebt
vergiss
nicht, dass in allem,
was
lebt, ich bin
*Fred
Hageneder: "Die sieben Wurzeln Cerric mab Cardacs"
für
eddie m. angerhuber
©Shine2001