Besuch
Kay
Agony
Da
war es stickig von der Menschenmenge, die wogend sich bewegte und den Einzelnden,
die still mit Blicken über Entfernungen, die sich durch den Raum zogen
sprachen; von dem Nebel über allem, den Zigaretten und Maschinen ausspien.
Und
da war es dunkel von dem fehlenden Licht, nur wenig davon, in triefendem
Rot, Blau und Violett, war wirklich da, verzerrte die Szenerie wie der
Nebel; verzerrte die getragene Bewegung über allem.
So
war dort auch Musik, laut dröhnender Bass und ein schleichender Rhythmus
darüber, eine kaum existente Melodie nur aus sonorem tiefen Bass,
eine Stimme dazwischen, monoton, rauh, Worte in Englisch, spärlich
dazwischen gesetzt „...Undead, undead, undead...“
Und
da waren Körper, die sich bewegten, fließend und kontinuierlich
tanzend, wie in Trance auf der riesigen Tanzfläche aus rauhem dunklen
Beton; selbst die Sitzenden, Stehenden, Gehenden orientiert an dem Klanggewebe
in ihren Bewegungen, und den Nebel aufsaugend mit ihren dunklen Kleidern,
ihren wirren Frisuren, ihrem ewigen wallenden, teils grazilen Tanz, schwimmend
im unaufhörlichen Dasein der Töne.
Und
da war eine Stimmung, von fast erotisierter Spannung, von breiter, allumfassender
zusammenfassender Einsamkeit.; von pulsierendem sterbendem Leben,
ein lebender nie erstarrender Tod.
Er
war auch da, unsichtbar zwischen den Menschen, die sich still ihrem Vergnügen
hingaben und nicht wußten was unter ihnen weilte, sich aufhielten
in der Halle, auf den vergitterten und metallenen Ebenen über den
Tanzenden, an Ketten aufgehängt an der hohen Decke, einzeln beleuchtet,
auf den eisernen Treppen, trinkend an der Bar, sprechend kaum.
Er
hatte schon jemanden ausgesucht aus der ahnungslosen Menge und auf sich
aufmerksam gemacht. So stand er hinter einem mannshohen groben Gitter vor
ihr, wie ein wildes Tier in einem Käfig und pendelte in dem Rhythmus
den Geräusche aus den meterhohen und zahlreich versteckten Boxen vor
ihr her, die dürren Hände in das Gitter gekrallt, seine Lippen
formten den Text, seine Augen dunkel in dem bleichen abgezehrten Gesicht
auf die ihren geheftet, die nicht von ihm ab lassend dort vor ihm tanzend,
fast lächelnd im Angesicht seiner sinistern Züge und der ekstatischen
Bewegung seines drahtigen Körpers, der Lust der Blicke und des seichten
Schwung der Schultern und Hüften „...Undead undead undead...“ sich
umdrehend, den Rücken an das Gitter drängend und den Kopf mit
dem wirren schwarzen Haar zurückwerfend, für Augenblicke nur
die Bewegung der Schultern zu betrachten, wieder herum, die Arme hoch das
Gitter festhaltend und zwischen dem löcherigen Schwarz des kurzen
ärmellosen Shirts und der tiefen Farbe der enganliegenden Beinkleider
ein Stück des weißen mageren Fleisches freilegend, dann eine
Hand durch das Gitter reichend.
Schon
schritt sie näher, er zog sie heran, nur das Gitter zwischen ihnen.
Und immer noch bewegten sie sich, hielt sie nun mit netzumwobenen Händen
das Gitter, warf begehrliche Blicke ihm zu, „...Undead...“ formten seine
blassen Lippen, hielt ihren Kopf zwischen den Händen, durch ihr Haar,
entlang dem Hals, den Rücken, tastete Wirbel durch das dünne
Schwarz, der abstehende Tüllpetticoat versperrte mit dichtem Schwarz
seinen Händen den Weg zum laufmaschenzerfressenen Nylon und kniehohen
Schnürstiefeln. Da waren sie sich so nah, daß sie spüren
konnte des anderen Atem und reichte sie durch das Gitter um seinen Körper,
verschlingend ihn mit Blicken, dichtes Gewebe aus Atem und der dumpfen
Unsichtigkeit um sie herum, verschleiert seine Augen mit einem Mal, als
sich ihre zum Kuß schlossen, Lippen berührten sich, sich zusammenschließend
die Blässe mit dem Rot der ihren, ein kurzes Auseinanderdriften, Wiederverbinden.
Und dann der fremde Geschmack an seiner Zunge, seltsam vertraut, doch fremd,
metallisch, süß von Blut, dem seinen, dem ihren.
Plötzlich
mochte er erwachen, etwas schrie in seinem Kopf, doch ließ sie ihn
nicht los, er sie nicht, konnte nicht... diese Verbindung unterbrechen,
niemals wieder, ein ewiges Bündnis als an ihrer beider Kinn dünne
Rinnsale von Rot herabtropften, die großen Quadrate die das Gitter
durchbrachen ließen gerade Platz, dünne Linien zwischen ihnen,
trennten seinen Blick auf sie und doch ganz klar erkannte er sie in seinem
Innersten wieder, als er ihren Herzschlag vernahm, so nah war er ihr...
©Kay
Agony |