Vampyre Planet-Zine

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Besuch

Da war es stickig von der Menschenmenge, die wogend sich bewegte und den Einzelnden, die still mit Blicken über Entfernungen, die sich durch den Raum zogen sprachen; von dem Nebel über allem, den Zigaretten und Maschinen ausspien. Und da war es dunkel von dem fehlenden Licht, nur wenig davon, in triefendem Rot, Blau und Violett, war wirklich da, verzerrte die Szenerie wie der Nebel; verzerrte die getragene Bewegung über allem. So war dort auch Musik, laut dröhnender Bass und ein schleichender Rhythmus darüber, eine kaum existente Melodie nur aus sonorem tiefen Bass, eine Stimme dazwischen, monoton, rauh, Worte in Englisch, spärlich dazwischen gesetzt „...Undead, undead, undead...“

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Am Tage

Kay Agony


Es war ein grauer Tag in der großen Stadt. Zwischen den Wohntürmen war es immer grau, aber heute sah sogar der Himmel aus wie einer, der nie blau war oder sein würde. 
Wie grau die Stadt war, sah man nur am Tage. So wie heute. Und gestern. Und vorgestern. 
Die Häuser standen in Reih und Glied, die Wege mit grauen Betonplatten gepflastert und sogar das spärrliche Grünzeug, das dazwischen wucherte war nicht richtig grün. Manchmal standen Betonbänke vor den Häusern, mit Moos und Flechten bewachsen. Und manchmal waren in roten Lettern Worte an die Wände gesprüht, die von der grauen Realität erzählten und sich dagegen wehren wollten, die alleine gegen all das Grau anschrien. 
Am Rande des Blocks war ein großer Parkplatz, der von einer schmalen Mauer umgeben war. Die weißen Linien waren kaum noch zu sehen, in den Ecken lagen Schutthaufen und ein alter Gartenstuhl, ein paar Autos, ein verwaister Einkaufswagen. In der Mitte trohnte ein großer Müllkontainer aus silbergrauem Blech. 
Ton in Ton mit dem Himmelgrau ragten die Häuser hinter dem Parkplatz empor und blickten auf den Jungen hinab, der auf dem großen Kontainer hockte und auf einem Kaugummi herumkaute. Sein langer schwarzer Wollmantel fiel weit um ihn und hing von seinem Aussichtsplatz herab. In seiner schwarzen Kleidung hob er sich von dem Grau ab, und doch war er eine Einheit mit seiner Umgebung. Manchmal zog er mit langen weißen Fingern den Kaugummi in die Länge und fing die Fäden mit der Zunge wieder ein. Sein Haar war gefärbt, schwarz, es stand zerzaust in alle Richtungen und sein glattes Gesicht war ebenso weiß wie das Zeug, das er zwischen seinen weißen Zähnen kaute. Nur seine Wangen waren gerötet von der Kälte, wie seine Lippen und die Zunge, die nach dem Kaugummi schnappte. Seine Augen mit Eyeliner umrandet schweiften über die Häuser vor ihm, die Straßen, die sich hinter dem Parkplatz in die Stadt hineinzogen. 
Es war ganz still bis auf das Rauschen der Stadt, dann hörte man leise Ketten klirren und Schritte, die näher kamen. Der Junge auf dem Container grinste schon und verdrehte die Augen, bevor jemand gegen seinen Untersatz trat. Er schwankte und mußte sich kurz abstützen um nicht zu fallen. 
Zu seinen Füßen tauchte der Übeltäter auf, ein anderes schwarz- weißes Eylinerkind mit einem weiß blondierten Iro auf dem Kopf wie flaumige Federn und einem durchlöchertem Ohr, Sonnenbrille und einem abgewetzten Samtjacket. Der grinste unheimlich breit und nahm die dunklen Gläser ab, blinzelte mit zusammengekniffenen Augen und wartete. Trotz dem Grau des Himmels war das Licht grell, vorallem, wenn man den ganzen Tag eine Sonnenbrille trug. 
Der Junge auf dem Container richtete sich langsam auf und spuckte den Kaugummi auf den Boden. Er verzog gebieterisch den Mund und hob eine Augenbraue in die Höhe, stemmte die Hände in die Hüften und sein Mantel wehte dabei um seine dürre Gestalt. 
Der Andere lächelte schief und schnaufte, hob dann seine Hand und gebot damit dem Jungen zu warten. Jetzt drehte er sich um und sprang auf seinen schweren Stiefeln davon. Scheppernd knallte der Einkaufswagen vom anderen Ende der Platzes gegen den Container. Die roten Räder verließen für den Bruchteil einer Sekunde den Boden von der Wucht des Aufpralls. Wieder schwankte der Junge. Sein Freund schlenderte gemütlich hinterher und verbeugte sich tief. Sein Arm schweifte dabei weit aus und präsentierte das silberne Gefährt. 
Jetzt grinste der Junge plötzlich, sprang in den Wagen und streckte die Hände in die Höhe, ließ die Beine heraushängen und lachte laut. Der Andere schob ihn an und gröhlte eine unbekannte Melodie, lachte. 
Sie umrundeten den Parkplatz wohl dreimal kreischend und lachend, bis sie an der Ausfahrt halt machten und der Wagen scheppernd umkippte, als der Junge sich herauswand. Sein Freund sprang ihm auf den Rücken und ließ sich tragen. Er setzte dem großen Jungen seine Sonnenbrille auf und zog einen Apfel mit roten Backen aus der Jackentasche. So verließen sie den Parkplatz. 
Bald gingen sie nebeneinander zwischen den Wohntürmen entlang und hielten sich an den Händen. Als der blonde Junge seinen Apfel bis zur Hälfte verspeist hatte, hielt er ihn seinem Kumpel hin, der den Mund weit aufriß und grimassenschneidend abbiß. Sie lachten wieder und kauten, sahen sich an, wurden stumm und blieben schließlich stehen. 
Der König vom Müllkontainer legte eine lange weiße Hand um den Nacken des Einkaufswagenbezwingers und zog ihn sanft näher, bis seine Lippen die Stirn berührten, dann den Mund des anderen. Sie schmiegten ihre bleichen Gesichter aneinander, schlossen die Augen und der Junge im Mantel flüsterte: "Kannst du mich eine Weile festhalten?" 

Oben aus einem Fenster blickte ein alte Frau hinunter in die Schlucht zwischen den beiden Wänden aus Scheiben und Balkonen. Sie war genauso grau wie die Welt, in der sie Tag für Tag alleine überlebte und sie lächelte, zum ersten Mal seit langer Zeit, als die beiden Gestalten dort am Boden sich festhielten. 
Und der kleine Junge, der auf der anderen Seite wohnte, blickte aus seinem Kinderzimmer durch seine Brille hinunter und hielt sich an dem dicken schwarzen Wachsmalstift fest, den er in der Hand hielt. Mit dem tauchte er schon seit Tagen ein Blatt nach dem anderen in lückenloses Schwarz. Er hatte mit den Blättern angefangen, als an Wänden und Decke kein Platz mehr frei gewesen war. Er blickte hinaus und schloß dann die Augen. 
In einem grauen Kleid sah auch die Frau aus dem Fenster, die ein paar Etagen darunter lebte, zwischen Bergen grauer Wäsche mit einem Bügeleisen in der Hand glitten ihre Finger an der kalten glatten Scheibe entlang und sie kämpfte nicht länger gegen die Tränen, die sie so lange versiegt glaubte. 
 
 

©Kay Agony