Markus
K. Korb:
TRÄUME
VOM ABGRUND
Originalveröffentlichung,
2003 Rough Art Verlag
(www.roughart.de)
50
Seiten, 5,00 Euro
Denis
Vidinskis kleiner Rough Art Verlag publiziert geschmackvoll gestaltete
DIN-A5-Hefte und berücksichtigt dabei gerade auch die phantastischer
Literatur abseits des Massengeschmacks. Lag der Schwerpunkt der ersten
Veröffentlichungen noch in lyrischen Gefilden (so finden sich z. B.
auch zwei Gedichtbände von Clark Ashton Smith im Programm), so legt
der Verlag jetzt mit Markus K. Korbs Träume vom Abgrund eine, auf
nur 50 Exemplare limitierte, erste Sammlung von Prosatexten vor.
Den
Auftakt macht Realität, eine kurze Betrachtung über den Irrsinn
der scheinbaren Normalität, zwar durchaus interessant, doch in der
stilistischen Umsetzung nicht völlig überzeugend. Doch schon
die zweite Erzählung Karussels auf Rummelplätzen überrascht
mit einer gelungenen, ungewöhnlichen Schreckensvision: Das Karussell,
scheinbares Symbol unschuldig-fröhlichen Kindervergnügens, entpuppt
sich als fleisch- und seelenfressende Maschinerie, wird zu einer Allegorie
auf Leben und Welt an sich. Es folgt Träume vom Abgrund, die längste
und gelungenste Erzählung dieser Sammlung. |
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Ein
namenloser Erzähler schreibt sich hier seine Nachtmahre von der Seele,
skizzenhafte Episoden um Wahnsinn, Tod und Chaos: Ein Mann muß wortwörtlich
aus seiner Haut, um sein Inneres zu erkennen; eine schöne Frau verliert
ihren Verstand, als sie im Drogenrausch ihr Spiegelbild betrachtet und
ein Kind erhält einen bösartigen Springteufel, der ihm die finstersten
Geheimnisse des Daseins verrät. All diese Protagonisten begegnen ihrem
wahren Selbst, der verborgenen Wirklichkeit unter der Oberfläche und
müssen daran zerbrechen. Im Vergleich dazu fällt der folgende
Text Wer sagt uns?, eine nachdenkliche kleine Reflexion, ein wenig ab.
Fragment eines Traums schildert eine höchst seltsame Beerdigung und
führt abermals zurück in eine Atmosphäre beklemmender Unwirklichkeit,
die auch bei dem letzten Text Gefangen im Haus der Unmöglichkeiten
anhält. Hier fürchtet der Protagonist verrückt geworden
zu sein und irrt, auf der Suche nach Erinnerungen an seine wirkliche Existenz,
verzweifelt durch sein Haus, das sich immer mehr als geistgeschaffenes
Gefängnis entpuppt.
Trotz
kleinerer Kritikpunkte funktionieren die - sehr ansprechend mit Federzeichnungen
Patrick Voigts illustrierten - Träume vom Abgrund als Gesamtkonzept
ausgezeichnet. Markus K. Korb bewegt sich mit diesen surrealen Kurz- und
Kürzest-Texten in einer literarischen Tradition, die heutzutage leider
viel zu oft ignoriert wird und erfreut zugleich mit einer bildhaften, oft
bizarr-morbiden Phantasie. Freunde ungewöhnlicher Phantastik sollten
diesen Autor im Auge behalten.
©Thomas
Wagner |
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