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NECROMANCIES AND NETHERWORLDS

Uncanny Stories by Darrell Schweitzer & 
Jason Van Hollander
 
 
 

Wildside Press, New Jersey/USA, 168 Seiten
Paperback, EUR 15,87 - ISBN 1-880448-66-1
Hardcover, EUR 31,73 - ISBN 1-880448-65-3
 

Darrell Schweitzer, Herausgeber des berühmten Weird Tales-Magazins, und Graphikkünstler/Autor Jason Van Hollander haben sich zusammengetan, um gemeinsam eine Reihe surrealer Horror- und Dark Fantasy-Stories zu verfassen. Zehn Coproduktionen der beiden Autoren versammeln sich in diesem schmucken Band. Die Stilrichtungen der einzelnen Erzählungen rangieren von schwarzer Dark Fantasy à la Clark Ashton Smith („The Cloth Gods of Zhamiir“, „The Unmaker Of Men“) über ligottieske, surreale dunkle Phantastik („The Throwing Suit“), Anleihen an Motive eines Howard Phillips Lovecraft („Those Of The Air“) bis hin zu Horror mit historischem Bezug („The Man In The White Mask“). 

So vielfältig und interessant diese Zusammenstellung ist, alle Geschichten zeichnen ein auffällig guter Stil und schöne Sprache aus, die jeder Kenner des Fachs wohl zu goutieren wissen wird. Außerdem ist allen Erzählungen eine Originalität zu eigen, die man ihnen bei oberflächlicher Betrachtung der oben angeführten Stilrichtungen nicht zutrauen würde. Hier handelt es sich nicht um die leider in letzter Zeit so beliebten, ewig wiedergekäuten HPL-Pastichen. Bei Autoren mit geringerem Talent wäre das Buch vielleicht auch zur reinen Pastiche geworden. Aber hier sind wirkliche Künstler mit eigenen Ideen und Pfiff am Werk.
Anders als bei HPL oder Ligotti sind die Menschen nicht der Schwärze hilflos ausgeliefert, sondern durch ihren Mangel an Güte und Respekt vor dem Leben selbst Erzeuger der Schwärze – des Bösen. Zugleich profitieren alle Stories von einem geistreichen, schwarz-makabren Witz, der ihrem Hautgout noch die Würze des Humors hinzufügt.


Ich habe alle Geschichten des Bandes genossen, aber ganz besonders „The Throwing Suit“, „The Man In The White Mask“ „The Cloth Gods Of Zhamiir“ und „The Unmaker Of Men“. Die ersten beiden bestechen durch ihre ungewöhnliche Herangehensweise und Umsetzung bekannter Motive. Die letzteren beiden sind alptraumhaft schöne, dekadente Hommagen an Clark Ashton Smith.

In „The Throwing Suit“ erhält der Maler Jeffrey Quilt, bekannt durch seine Vorliebe für morbide Motive, den Auftrag, ein Haus zu malen, in dem es spukt — und macht eine mehr als befremdliche Entdeckung.
„The Man In The White Mask“ beschreibt die Flucht des protestantischen Gelehrten Cornelius de Bloot und seines Sohnes (eigentlich ein Wesen, das kaum sein leiblicher Sohn zu nennen ist) vor marodierenden spanischen Soldaten. Diese Geschichte ist an Traurigkeit und Misanthropie kaum zu überbieten: „Down below, valiant Bristle-Chin, the commander, impales a chicken on a lance - an egg-laying wonder named Peck-Peck - and hurls her into the fire. The bird squawks, screams, chars, her feathers going up in an explosive puff. The marauding gentlemen of Spain find this endlessly comical. Theirs is a crusade against Protestant chickens, and these sufferings are nothing compared to what torments the Devil has prepared for such heretical hens in the world to come.“
„The Cloth Gods Of Zhamiir“ erzählt von einer sagenhaften Stadt, deren Bewohner ihre Götter auf Auktionen feilbieten, und wo ein älterer Edelmann die Bekanntschaft eines höchst merkwürdigen Sklavenjungen macht.
In „The Unmaker Of Men“ sucht Thulisquaar, der „Grand Physician of the Ministry of Pain“, mittels der Wunderdroge hanquil und unmenschlicher Foltern den Göttern das Geheimnis ihrer Sprache zu entreißen.

Das sehr schön aufgemachte Buch enthält zehn Titelvignetten und Coverartwork von Jason Van Hollander.
Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Liebhaber anspruchsvoller Phantastik. Bezug über die Website des Verlegers www.wildsidepress.com (eigener Webshop) oder über www.amazon.de.
 

©Eddie M. Angerhuber