Markus
K. Korb:
GRAUSAME
STÄDTE
8
Stories, Nachwort von Eddie M. Angerhuber
©
2003 by BLITZ Verlag
(www.blitz-verlag.de)
ISBN
3-89840-921-X
Urbane
Exploration einmal anders gesehen...
Ein
Caver kämpft sich durch die Unterwelt. Er befindet sich allein im
Niemandsland der Stadt, tief unter den Strassen und Plätzen Berlins,
weit weg von menschlicher Gesellschaft. Das Einzige, worauf er sich verlassen
kann, ist eine alte Karte dubioser Herkunft.
Ähnlich
wie der Caver in der Kurzgeschichte „Tief unten“ begeben sich Markus Korbs
Protagonisten – allesamt Einzelgänger eher misanthropischer Natur
– auf Expeditionen im urbanen Raum. Diese Personen gibt es wohl in jeder
größeren Stadt, einige davon sind durchaus realistisch gezeichnet.
Man könnte sie tatsächlich persönlich treffen, eventuell
in einem Undergroundlokal, an abgelegenen Orten während eines nächtlichen
Spaziergangs oder in abseits gelegenen Ecken des www, wo sie in Newsgroups
und Chatrooms ihre verwegenen Pläne und Verschwörungstheorien
posten und hoffen, daß irgendjemand ihre Botschaften zu entschlüssen
weiß.
Sie
hinterlassen Zeichen auf Hausmauern und dem Asphalt der Strassen – Wegweiser,
die ihnen den Weg durch das Labyrinth der Städte erleichtern sollen,
Geheimzeichen und Chiffren, die nur den Eingeweihten vertraut sind. Sie
gleichen alternativen Stadtplänen oder Schatzkarten. Doch ist es tatsächlich
ratsam, einer Karte blind zu vertrauen, deren Ursprung man nicht kennt?
Niemand weiß genau, wohin die Zeichen führen, niemand kennt
die Beweggründe der Personen, die den Weg deuten.
Markus
K. Korbs Geschichten führen bildhaft vor Augen, was geschehen kann,
wenn man Fremden völliges Vertrauen entgegenbringt.
Und
ist es nicht so, daß der bedrohlichste Fremde sich tief in uns selbst
verborgen hält und darauf wartet, emporzusteigen und uns ganz und
gar in Besitz zu nehmen? |
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Das
Netzwerk von Zeichen in den „Grausamen Städten“ führt an fremde,
seltsame Orte, denen eins gemeinsam ist: Die Möglichkeit zur Rückkehr
ist gleich Null. Regeln und Konstanten, Sicherheit und Normalität
mögen auf die Welt des Alltags zutreffen, doch hier beginnt das Reich
des Unbekannten, des Dunklen und Verborgenen.
In
der Anonymität der beiden Großstädte Venedig und Berlin
durchleben Markus K. Korbs urbane Forschungsreisende surreale Momentaufnahmen
des Grauens. Schritt für Schritt entfernen sich die Stadtgänger
von der Realität. Sie verlassen das wohlbekannte und sichere Plateau
belebter Strassen und Plätze und steigen hinab in die düsteren
Kavernen und Kellergeschosse – Orte, an denen das uralte Herz der Metropolen
unendlich langsam und träge schlägt. Man beginnt sich unwillkürlich
zu fragen, ob es das Schattengesicht dieser Städte wirklich geben
könnte. Freunde urbaner Horrorgeschichten seien in diesem Zusammenhang
auf Eddie M. Angerhubers Kurzgeschichte „Die zweite Treppe“ hingewiesen,
die in eine ähnliche Richtung geht. Doch während Eddie M. Angerhubers
Hauptperon zumindest darauf hoffen kann, das kafkaeske Labyrinth von fremden
Strassen und Häuserschluchten verlassen zu können, bleiben Markus
K. Korbs Protagonisten für immer darin gefangen.
„Grausame
Städte“ ist das erste Buch der Reihe „Edgar Allan Poes Phantastische
Bibliothek“ (erschienen im Blitz-Verlag),
die von Markus Korb herausgegeben und betreut wird. Freunden außergewöhnlicher
Phantastik sei diese Reihe besonders empfohlen. In der Folge werden auch
rare, ältere Werke der deutschsprachigen Phantastik erscheinen, welche
dem Sammler und Liebhaber des Genres nur schwer zugänglich sind.
Besonders
erwähnenswert ist die optisch ansprechende Aufmachung der Bände,
die mit ästhetischen Covermotiven überzeugen und teilweise mit
Innenillustrationen versehen sind.
„Grausame
Städte“ eröffnet in fulminanter Manier den Reigen phantastischer
Geschichten dieser neuen, vielversprechenden Reihe, auf deren Fortsetzung
man gespannt sein darf.
©Shine
(2004) |
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