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Interview mit Boris Koch/Medusenblut

www.medusenblut.de.vu


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

The House Of Usher: 

Inferno
(CD)
 
 
 
 

Bereits seit 1990 existiert die Gothic Rock-Band The House Of Usher, eines der wenigen deutschen Beispiele dafür, daß sich Musik und Literatur durchaus miteinander verbinden lassen. Immerhin annähernd genau so lang wie THOU existiert auch schon der von Bandleader Jörg Bartscher-Kleudgen geführte Kleinverlag Goblin Press, ein Projekt, das sich der dunklen Pantastik verschrieben hat und bereits eine beachtliche Anzahl von (qualitativ oft recht unterschiedlichen) Veröffentlichungen vorweisen kann. Inferno, das aktuelle Album der Band, bietet erneut eine gelungene Symbiose aus Wort und Ton, und offeriert neben 12 Songs auch ein Hörspiel und eine im hübsch gestalteten Booklet abgedruckte Novelle aus der Feder Bartscher-Kleudgens. 

Bei dem musikalischen Teil des Albums ragt vor allem die erste Häfte des Materials qualitativ heraus: Dem kurzen Intro Subinfernal folgt mit dem melancholischen One Of A Million auch schon eins der Highlights dieser CD, ein sehr eingängiger Song, der in seiner Stimmung stark an The Cure erinnert. One Of A Million bleibt auf eine angenehm unaufdringliche Art im Ohr des Hörers hängen und erscheint so geradezu exemplarisch für die musikalischen Qualitäten der Band. Diese Stimmung wird mit dem etwas rockigeren A Summer's End nahtlos fortgesetzt, dessen Refrain durchaus Ohrwurmcharakter besitzt. Vergleiche zu den Chameleons, aber auch zu dem mehr gitarrenlastigen Material von New Order bieten sich hier durchaus an. Das kurze Against All & Everything kehrt wieder zu einer ruhigen Melancholie zurück, bereitet jedoch den Weg für das vorantreibende Crisis, einem sehr eingängigen und gut arrangierten Song, der stark an alte Sisters Of Mercy-Zeiten erinnert. Abermals in etwas ruhigere Gefilde führt Heaven Of Heavens, ein Song, der sich in seiner Konzeption vielleicht ein wenig mit den frühen And Also The Trees vergleichen läßt. With The Heat Of A Sun schließlich ist das vielleicht "kommerziellste" Stück des Albums, der musikalisch fast wie eine Reminiszenz an Temple Of Love der Sisters Of Mercy wirkt und durchaus auch über ein ähnliches Hitpotential verfügt. Mit über 8 Minuten Laufzeit ist With The Heat Of A Sun zwar das längste Stück der CD, mit seinem abwechslungsreichen Arrangement wird allerdings jeglicher Leerlauf vermieden. Die folgenden fünf Songs Once In A Blue Moon, The Day The World Stopped Breathing, As I Shall Thee Enlighten, All That You Need und Infernal sind allesamt solider, sauber gespielter Gothic Rock - nicht mehr, aber auch nicht weniger. 


Den Abschluß des Albums bietet das von Jörg Bartscher-Kleudgen verfaßte und produzierte Hörspiel Die Hoelle. Die rund 29minütige Geschichte ist sehr lebendig und effektiv in Szene gesetzt, und adäquat musikalisch untermalt. Gelesen wird das ganze von zwei Zeitgenossen, die Freunden moderner deutscher Phantastik nicht unbekannt sein dürten: Christian von Aster (bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen im Eigenverlag Midas Press) und Boris Koch (der Kopf hinter dem feinen, kleinen Verlag Medusenblut und u. a. auch Bestandteil der Vampyre Planet-Crew). 

Jörg Bartscher-Kleudgen gelangen mit Die Hoelle sowie auch mit der Novelle l'enfer schöne, überzeugende Beispiele gediegenen Horrors in der Tradition H. P. Lovecrafts. Anders jedoch als im derzeit grassierenden H.P.L.-Epigonismus, der teilweise recht peinliche Blüten treibt (man denke z. B. an das im Sturzflug befindliche Niveau des Festa Verlages, der seit einiger Zeit außer banalem Mainstreamhorror nur noch Bücher zu veröffentlichen scheint, denen man auf irgendeine Art das Lovercraft-Etikett aufdrücken kann) verzichtet Bartscher-Kleudgen darauf, den alten Meister platt zu plagiieren bzw. sich vorgegebener Kulissen zu bedienen. So wird hier die lovecraftsche Neuengland-Kulisse durch die sehr atmosphärisch beschriebene, geheimnisvolle Landschaft der Bretagne ersetzt und Elemente aus altem französischen Volksglauben und keltischer Mythologie ersetzen den überstrapazierten Cthulhu-Mythos. 

THOU bieten nicht unbedingt etwas neues und viele der Songs auf Inferno erscheinen tatsächlich wie gewollte Reminisizenzen an die Klassiker der Gothic-/Darkwave-Kultur (was den Rezensenten etwas weiter oben zu diversen Vergleichen hinriß). Aber ist das ein negativer Kritikpunkt? Im Falle von Inferno kaum, denn kopiert oder nachgeäfft wird hier nichts. Stattdessen läßt man die zahlreichen stilistischen Einflüsse gekonnt in die eigene Kreativität einfließen und erschafft so Songs, die irgendwie einfach zeitlos klingen. Den Hörer erwartet einfallsreich produzierter Gothic Rock in der besten Tradition, gespielt von Leuten, denen ihre Musik wichtiger zu sein scheint, als Massenkompatibilität. Und nicht zuletzt dadurch wirken THOU in der von Peinlichkeiten nicht immer freien deutschen Gothic Szene überaus erfrischend. 
 
 

The House Of Usher: Inferno 
Équinoxe Records, 2002
www.the-house-of-usher.com
 

©Thomas Wagner (2002)