The
House Of Usher:
Inferno
(CD)
Bereits
seit 1990 existiert die Gothic Rock-Band The House Of Usher, eines der
wenigen deutschen Beispiele dafür, daß sich Musik und Literatur
durchaus miteinander verbinden lassen. Immerhin annähernd genau so
lang wie THOU existiert auch schon der von Bandleader Jörg Bartscher-Kleudgen
geführte Kleinverlag Goblin Press, ein Projekt, das sich der dunklen
Pantastik verschrieben hat und bereits eine beachtliche Anzahl von (qualitativ
oft recht unterschiedlichen) Veröffentlichungen vorweisen kann. Inferno,
das aktuelle Album der Band, bietet erneut eine gelungene Symbiose aus
Wort und Ton, und offeriert neben 12 Songs auch ein Hörspiel und eine
im hübsch gestalteten Booklet abgedruckte Novelle aus der Feder Bartscher-Kleudgens.
Bei
dem musikalischen Teil des Albums ragt vor allem die erste Häfte des
Materials qualitativ heraus: Dem kurzen Intro Subinfernal folgt mit dem
melancholischen One Of A Million auch schon eins der Highlights dieser
CD, ein sehr eingängiger Song, der in seiner Stimmung stark an The
Cure erinnert. One Of A Million bleibt auf eine angenehm unaufdringliche
Art im Ohr des Hörers hängen und erscheint so geradezu exemplarisch
für die musikalischen Qualitäten der Band. Diese Stimmung wird
mit dem etwas rockigeren A Summer's End nahtlos fortgesetzt, dessen Refrain
durchaus Ohrwurmcharakter besitzt. Vergleiche zu den Chameleons, aber auch
zu dem mehr gitarrenlastigen Material von New Order bieten sich hier durchaus
an. Das kurze Against All & Everything kehrt wieder zu einer ruhigen
Melancholie zurück, bereitet jedoch den Weg für das vorantreibende
Crisis, einem sehr eingängigen und gut arrangierten Song, der stark
an alte Sisters Of Mercy-Zeiten erinnert. Abermals in etwas ruhigere Gefilde
führt Heaven Of Heavens, ein Song, der sich in seiner Konzeption vielleicht
ein wenig mit den frühen And Also The Trees vergleichen läßt.
With The Heat Of A Sun schließlich ist das vielleicht "kommerziellste"
Stück des Albums, der musikalisch fast wie eine Reminiszenz an Temple
Of Love der Sisters Of Mercy wirkt und durchaus auch über ein ähnliches
Hitpotential verfügt. Mit über 8 Minuten Laufzeit ist With The
Heat Of A Sun zwar das längste Stück der CD, mit seinem abwechslungsreichen
Arrangement wird allerdings jeglicher Leerlauf vermieden. Die folgenden
fünf Songs Once In A Blue Moon, The Day The World Stopped Breathing,
As I Shall Thee Enlighten, All That You Need und Infernal sind allesamt
solider, sauber gespielter Gothic Rock - nicht mehr, aber auch nicht weniger. |
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Den
Abschluß des Albums bietet das von Jörg Bartscher-Kleudgen verfaßte
und produzierte Hörspiel Die Hoelle. Die rund 29minütige Geschichte
ist sehr lebendig und effektiv in Szene gesetzt, und adäquat musikalisch
untermalt. Gelesen wird das ganze von zwei Zeitgenossen, die Freunden moderner
deutscher Phantastik nicht unbekannt sein dürten: Christian von Aster
(bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen im Eigenverlag Midas
Press) und Boris Koch (der Kopf hinter dem feinen, kleinen Verlag Medusenblut
und u. a. auch Bestandteil der Vampyre Planet-Crew).
Jörg
Bartscher-Kleudgen gelangen mit Die Hoelle sowie auch mit der Novelle l'enfer
schöne, überzeugende Beispiele gediegenen Horrors in der Tradition
H. P. Lovecrafts. Anders jedoch als im derzeit grassierenden H.P.L.-Epigonismus,
der teilweise recht peinliche Blüten treibt (man denke z. B. an das
im Sturzflug befindliche Niveau des Festa Verlages, der seit einiger Zeit
außer banalem Mainstreamhorror nur noch Bücher zu veröffentlichen
scheint, denen man auf irgendeine Art das Lovercraft-Etikett aufdrücken
kann) verzichtet Bartscher-Kleudgen darauf, den alten Meister platt zu
plagiieren bzw. sich vorgegebener Kulissen zu bedienen. So wird hier die
lovecraftsche Neuengland-Kulisse durch die sehr atmosphärisch beschriebene,
geheimnisvolle Landschaft der Bretagne ersetzt und Elemente aus altem französischen
Volksglauben und keltischer Mythologie ersetzen den überstrapazierten
Cthulhu-Mythos.
THOU
bieten nicht unbedingt etwas neues und viele der Songs auf Inferno erscheinen
tatsächlich wie gewollte Reminisizenzen an die Klassiker der Gothic-/Darkwave-Kultur
(was den Rezensenten etwas weiter oben zu diversen Vergleichen hinriß).
Aber ist das ein negativer Kritikpunkt? Im Falle von Inferno kaum, denn
kopiert oder nachgeäfft wird hier nichts. Stattdessen läßt
man die zahlreichen stilistischen Einflüsse gekonnt in die eigene
Kreativität einfließen und erschafft so Songs, die irgendwie
einfach zeitlos klingen. Den Hörer erwartet einfallsreich produzierter
Gothic Rock in der besten Tradition, gespielt von Leuten, denen ihre Musik
wichtiger zu sein scheint, als Massenkompatibilität. Und nicht zuletzt
dadurch wirken THOU in der von Peinlichkeiten nicht immer freien deutschen
Gothic Szene überaus erfrischend.
The
House Of Usher: Inferno
Équinoxe
Records, 2002
www.the-house-of-usher.com
©Thomas
Wagner (2002) |
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