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Interview mit Thomas Wagner/das pst

www.das-pst.de.vu


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Spies In The Wires: 

I'm A Schizophrenic Cyberstar
(CD)
 
 
 

Das Elektronikprojekt Spies In The Wires ist (noch) ein Geheimtip und dürfte aufgrund umfangreicher Onlineaktivitäten bislang vorwiegend Besuchern von mp3.com bekannt sein.

Dahinter verbirgt sich der deutsch-amerikanische Klangtüftler Audiospy, dessen musikalischer Werdegang eigentlich schon 1982 in Chicago begann. Während er dort tagsüber Musik am Columbia College studierte, agierte er nachts als DJ in diversen Szeneclubs und machte sich einen Namen als Experte für alternative elektronische Musik machte. Später kehrte er den USA den Rücken und zog nach Deutschland, wo er 1991 mit seinem Projekt THX ein Album bei SPV veröffentlichte. Doch nach unerfreulichen Erfahrungen mit den Geschäftspraktiken einiger Plattenlabel zog er sich desillusioniert für lange Zeit von der Musik zurück und tauchte erst vor zwei Jahren mit Spies In The Wires wieder aus der Versenkung auf. 

Musikalisch bewegt sich dieses Projekt in der Tradition intelligenter Electro-Bands wie Chris & Cosey, Severed Heads und vor allem Cabaret Voltaire (auf deren gleichnamigem alten Song der Name Spies In The Wires basiert). Doch keinesfalls wird hier ein nostalgischer Retrokult zelebriert und anders als bei den kurzlebigen Retortenbands der durchkommerzialisierten modernen Techno- szene, finden sich auch keine vorgefertigten Samplebausteine oder software-generierter Einheitsbrei. Stattdessen wird hier mit viel Einfallsreichtum und einer Vielzahl (teils sogar selbstkonstruierter) Synthesizer ein durch und durch eigenständiger Sound auf hohem professionellem Niveau kreiert: Subtile Klangkonstruktionen, die oft direkt ins Unterbewußte zielen und sich fast als eine Art elektronischer Psychedelia ausnehmen, die es bei aller Abgedrehtheit allerdings vermeidet, in weltfremde Traumwelten abzugleiten.
So auch auf dem aktuellen selbstproduzier- ten Album I'm A Schizophrenic Cyberstar: Das einleitende Drugged-Novoko könnte man vielleicht als Trance-Musik im besten (und eigentlichen) Sinne bezeichnen. Schleppende Rhythmen, ein hypnotischer Basslauf und analoge Synthieklänge verbinden sich hier zu einem psychedelischen Soundtrack für erweiterte Bewußtseinszustände. Diesem gelungenen Auftakt folgt Atomic High, ein Stück, das mit seinem geschickten Spannungsaufbau starken Soundtrackcharakter besitzt.


Mutierte Gitarrensamples, rythmische Beats und ein dunkler Backgroundsound formen sich zu einem Klangteppich, der vor dem Auge des Hörers Bilder irgendwo zwischen den futuristischen Metropolenlandschaften von "Blade Runner" und William Gibsons Cyberpunk-Romanen entstehen läßt. Diese "filmische" Atmosphäre wird in Don't Blame the Crane beibehalten, man beinahe als eine elektrifizierte Cyberspace-Variante von Also sprach Zarathustra bezeichnen könnte. Es folgt Subculture, das einzige mit Text unterlegte Stück dieses vorwiegend instrumental arangierten Albums und zugleich ein Song mit Ohrwurmcharakter, der eine Singleauskopplung wert wäre. Vor einem recht atmophärischen Background treibt ein eingängiger Rhythmus voran und die verzerrte Stimme Audiospys läßt Erinnerungen an das ältere Material von Die Form wachwerden. Das perfekt durchkonzeptionierte Lies in the Spires schließlich, ist ein wortloser Kommentar zu den Schattenseiten der Religion. Das einleitende dunkle Grundthema wird von einer tiefschwarzen Walzermutation abgelöst, die irgendwie - auch wenn dieser Vergleich hier absurd erscheinen mag - an Waltz in Black der guten alten Stranglers denken läßt. In der zweiten Hälfte kommt es dann plötzlich zu einem radikalen Tempowechsel und das Stück wandelt sich zu einem, den religiösen Wahnsinn versinnbildlichenden, technoiden Veitstanz. Den Ausklang der CD bildet What I'm Going to do to you now (BB&A Remix), ein Song, der ein wenig aus dem Rahmen fällt, denn hierbei handelt es sich um die Remixfassung eines Songs des Berliner Projekts das pst. Da der Rezensent in selbiges involviert ist, erspart er sich nähere Kommentare dazu, doch soviel sei bemerkt: Was Audiospy in seiner klingenden Hexenküche aus einem rauhen Stück Industrial-Punk gemacht hat, ist schlicht und einfach unbegreiflich...

I'm A Schizophrenic Cyberstar kann für 13,-- EUR inkl. Porto direkt bei spiesinthwires@t-online.de bestellt werden. Zum Ende dieses Jahres will Audiospy übrigens sein eigenes Label Aural Hallucinogenix ins Leben rufen. Für Freunde unkonventioneller elektronischer Musik jenseits der kommerziellen Massenware lohnt es sich, die Augen (und Ohren) in diese Richtung offen zu halten...
 
 

Spies In The Wires: Im A Schizophrenic Cyberstar
Aural Hallucinogenix, 2002
www.auralhallucinogenix.com

Hörproben gibt es bei mp3.com
 

©Thomas Wagner (2002)