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Chinesisch

Hermann Hesse
 

Mondlicht aus opaler Wolkenlücke
Zählt die spitzen Bambusschatten peinlich.
Malt der hohen Katzenbuckelbrücke
Spiegelbild aufs Wasser rund und reinlich.
Bilder sind es, die wir zärtlich lieben,
Auf der Welt und Nacht lichtlosem Grunde
Zaubrisch schimmernd, zaubrisch hingeschrieben,
Ausgelöscht schon von der nächsten Stunde.
Unterm Maulbeerbaum der trunkne Dichter,
Der den Pinsel wie den Becher meistert,
Schreibt der Mondnacht, die ihn hold begeistert,
Wehende Schatten auf und sanfte Lieder.
Seine raschen Pinselzüge schreiben
Mond und Wolken hin und all die Dinge,
Die dem Trunkenen vorübertreiben,
Daß er sie, die flüchtigen, besinge,
Daß er sie, der Zärtliche, erlebe,
Daß er ihnen Geist und Dauer gebe.
Und sie werden unvergänglich bleiben.