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Venezianische Neumondserenade

Benno Geiger
(gekürzte Fassung)
 

Alsdann kam in der Nacht mitsamt den Sternen 
Die heitre Sanftmut jener Nachtgesänge, 
Die gern den Tag aus jedem Ding entfernen. 

Und fand auf unserm Kahn uns im Gedränge 
Der andern Kähne, von der See getragen, 
Im Kranz der Lämpchen und der Lautenklänge. 

Allein - der Mond vergaß an jenen Tagen 
Sein Wächterauge in die Nacht zu bringen: 
Wir fuhren, ohne nach dem Mond zu fragen; 

Und hörten ringsherum ein Lied verklingen, 
Das sich in Worte nicht zu kleiden braucht, 
Um in das Herz der Liebenden zu dringen. 

Du leises Lied, von Mund zu Mund gehaucht, 
Vielleicht im Traum von trauter Frau gesungen, 
Bis es verträllernd in das Wasser taucht! 

Der Ruderer, den wir zur Fahrt gedungen, 
War eingenickt und ließ sein Steuer treiben. 
Wir hielten schlummernd uns im Kahn verschlungen.