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Die drei Gesichter der Furcht
(I Tre Volti della Paura)
Mario Bava, Großmeister des klassischen Italohorrors, inszenierte Die drei Gesichter der Furcht 1963 als Episodenfilm, in dem drei Geschichten (recht frei auf Vorlagen von Maupassant, Tolstoi und Tschechow basierend) sich auf unerschiedliche Art des Themas Angst annehmen. Der Film führt perfekt die ganze stilistische Bandbreite Bavas vor Augen und kann allein schon deswegen Filmfreunden, die das Oeuvre des Regisseurs erst noch entdecken wollen, als perfekter Einstieg empfohlen werden.

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DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA 
(OPERAZIONE PAURA) 
Italien 1966 
Regie: Mario Bava 
Darsteller: Giacomo Rossi Stuart, Erika Blanc, Giana Vivaldi 
DVD, Anolis Entertainment, ca. 80 min., FSK ab 16
 
Ende des 19. Jahrhunderts, irgendwo in Mitteleuropa: Der Gerichtsmediziner Dr. Paul Eswai (Giacomo Rossi Stuart) wird von Inspektor Kroger (Piero Lulli) in ein kleines Dorf gerufen, um an einer Toten – scheinbar ein Selbstmordopfer - eine Autopsie durchzuführen, doch die abergläubischen Dorfbewohner sind davon alles andere als begeistert… 

Kurz nach dem Doktor trifft auch die junge Medizinstudentin Monica (Erika Blanc) in dem Dorf ein. Sie ist dort geboren worden, verließ es jedoch noch als kleines Kind und wuchs bei Pflegeeltern auf; an ihre leiblichen Eltern kann sie sich nicht mehr erinnern. Mit Monicas Hilfe findet Eswai schließlich heraus, daß das Dorf seit längerer Zeit von einer Serie obskurer Todesfälle heimgesucht wird – und allen Opfern erschien vor ihrem Tod die geisterhafte Gestalt eines ballspielenden kleinen Mädchens. Im Verlauf kommt es zu noch weiteren Toten, darunter auch Inspektor Kroger, und Monica wird von merkwürdigen Alpträumen heimgesucht. Die Spur führt Eswai in die Villa der alten halbverrückten Baronesse Graps (Giana Vivaldi), die sich letztendlich als Verantwortliche für den Spuk entpuppt. Es ist der Geist ihrer Tochter Melissa, der die Menschen heimsucht. Schließlich kommt es in dem labyrinthischen alten Haus zur Enthüllung eines schrecklichen Geheimnisses…
 

Der 1966 gedrehte Die toten Augen des Dr. Dracula (der deutsche Verleihtitel ist wohl ebenso blöd wie irreführend, darum sei hier auch auf den Originaltitel Operazione Paura, zu deutsch: Operation Angst, verwiesen), ist einer schönsten und besten Filme im phantastischen Oeuvre des italienischen Horrorpioniers Mario Bava (1914-1980). 

Beispielhaft führt der maestro dell’orrore hier sein visuelles Talent vor Augen und entführt den Zuschauer in eine farbenprächtige Story aus bösem Geisterspuk und düsteren Familiengeheimnissen. Die toten Augen... ist typisch für die zwei Facetten, die Bavas Horrorfilme kennzeichnen. 


Vordergründig wird der Zuschauer von der ästhetisiert-verspielten optischen Inszenierung verzaubert; eine perfekt akzentuierte Ausleuchtung sowie ausgeklügelte Kamerafahrten und –perspektiven erschaffen hier eine nokturne Kunstwelt gotischen Horrors, in die man förmlich aufgesogen wird. Dahinter jedoch entwickelt sich jenes schleichende (und um so effektivere) Grauen, das den alltäglichsten Dingen eigen werden kann, löst man sie nur aus dem uns vertrauten Zusammenhang und läßt ihnen eine angemessene filmische Überbetonung zuteil werden: das Böse erscheint hier in nicht als zähnefletschendes Monster, sondern in der Gestalt eines kleinen Mädchens, das an den Dorfbewohnern Rache für ein nie gesühntes Verbrechen nimmt. Das Lachen des Kindes, das Hüpfgeräusch eines Balls, das Quietschen einer Schaukel, zerbrochene Spielzeuge usw. werden hier der normalen Wahrnehmung enthoben und erlangen in den irrealen Kulissen eine neue, fremde und überaus beängstigende Bedeutung. Die toten Augen... ist klassisches handgemachtes Kino im besten Sinne und Bava gelang hier eine perfekte Symbiose aus atmosphärischem Horror und psychologischem Tiefgang, kurz und gut: ein Meisterwerk.
 

Mario Bavas Gesamtwerk wird seit 1999 in den USA nach und nach in DVD-Form veröffentlicht. Daß mit Anolis Entertainment endlich auch ein deutsches DVD-Label den Maestro ins Programm aufgenommen hat, ist natürlich um so erfreulicher und der vorliegende Silberling verdient dann auch angemessenen Applaus: die Bildqualität ist exzellent und übrigens tatsächlich besser als die der US-Release von VCI. Auch der Ton (Mono 1.0) ist sauber; leider gibt es hier nur die deutsche Sprachfassung, bei der im Finale des Films fälschlich (und völlig haarsträubend) auf Dracula Bezug genommen wird - eine untertitelte Originalfassung wäre natürlich noch wünschenswert. Die Extra-Features schließlich sind ein Leckerbissen für jeden Bava-Fan: hier finden sich Trailer, eine Photogalerie und ein Interview mit der Hauptdarstellerin Erika Blanc sowie sogar die Foto-Novella zum Film, die 1971 in einem italienischen Magazin erschien. Bleibt mir abschließend noch, den Machern dieser DVD ein aufrichtiges mille grazie zuzurufen und auf viele weitere Veröffentlichungen dieser Art zu hoffen.
 
 

©Thomas Wagner