DIE
TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA
(OPERAZIONE
PAURA)
Italien
1966
Regie:
Mario Bava
Darsteller:
Giacomo Rossi Stuart, Erika Blanc, Giana Vivaldi
DVD,
Anolis Entertainment, ca. 80 min., FSK ab 16
Ende
des 19. Jahrhunderts, irgendwo in Mitteleuropa: Der Gerichtsmediziner Dr.
Paul Eswai (Giacomo Rossi Stuart) wird von Inspektor Kroger (Piero Lulli)
in ein kleines Dorf gerufen, um an einer Toten – scheinbar ein Selbstmordopfer
- eine Autopsie durchzuführen, doch die abergläubischen Dorfbewohner
sind davon alles andere als begeistert…
Kurz
nach dem Doktor trifft auch die junge Medizinstudentin Monica (Erika Blanc)
in dem Dorf ein. Sie ist dort geboren worden, verließ es jedoch noch
als kleines Kind und wuchs bei Pflegeeltern auf; an ihre leiblichen Eltern
kann sie sich nicht mehr erinnern. Mit Monicas Hilfe findet Eswai schließlich
heraus, daß das Dorf seit längerer Zeit von einer Serie obskurer
Todesfälle heimgesucht wird – und allen Opfern erschien vor ihrem
Tod die geisterhafte Gestalt eines ballspielenden kleinen Mädchens.
Im Verlauf kommt es zu noch weiteren Toten, darunter auch Inspektor Kroger,
und Monica wird von merkwürdigen Alpträumen heimgesucht. Die
Spur führt Eswai in die Villa der alten halbverrückten Baronesse
Graps (Giana Vivaldi), die sich letztendlich als Verantwortliche für
den Spuk entpuppt. Es ist der Geist ihrer Tochter Melissa, der die Menschen
heimsucht. Schließlich kommt es in dem labyrinthischen alten Haus
zur Enthüllung eines schrecklichen Geheimnisses…
Der
1966 gedrehte Die toten Augen des Dr. Dracula (der deutsche Verleihtitel
ist wohl ebenso blöd wie irreführend, darum sei hier auch auf
den Originaltitel Operazione Paura, zu deutsch: Operation Angst, verwiesen),
ist einer schönsten und besten Filme im phantastischen Oeuvre des
italienischen Horrorpioniers Mario Bava (1914-1980).
Beispielhaft
führt der maestro dell’orrore hier sein visuelles Talent vor Augen
und entführt den Zuschauer in eine farbenprächtige Story aus
bösem Geisterspuk und düsteren Familiengeheimnissen. Die toten
Augen... ist typisch für die zwei Facetten, die Bavas Horrorfilme
kennzeichnen. |
 |
Vordergründig
wird der Zuschauer von der ästhetisiert-verspielten optischen Inszenierung
verzaubert; eine perfekt akzentuierte Ausleuchtung sowie ausgeklügelte
Kamerafahrten und –perspektiven erschaffen hier eine nokturne Kunstwelt
gotischen Horrors, in die man förmlich aufgesogen wird. Dahinter jedoch
entwickelt sich jenes schleichende (und um so effektivere) Grauen, das
den alltäglichsten Dingen eigen werden kann, löst man sie nur
aus dem uns vertrauten Zusammenhang und läßt ihnen eine angemessene
filmische Überbetonung zuteil werden: das Böse erscheint hier
in nicht als zähnefletschendes Monster, sondern in der Gestalt eines
kleinen Mädchens, das an den Dorfbewohnern Rache für ein nie
gesühntes Verbrechen nimmt. Das
Lachen des Kindes, das Hüpfgeräusch eines Balls, das Quietschen
einer Schaukel, zerbrochene Spielzeuge usw. werden hier der normalen Wahrnehmung
enthoben und erlangen in den irrealen Kulissen eine neue, fremde und überaus
beängstigende Bedeutung. Die toten Augen... ist klassisches handgemachtes
Kino im besten Sinne und Bava gelang hier eine perfekte Symbiose aus atmosphärischem
Horror und psychologischem Tiefgang, kurz und gut: ein Meisterwerk.
Mario
Bavas Gesamtwerk wird seit 1999 in den USA nach und nach in DVD-Form veröffentlicht.
Daß mit Anolis Entertainment endlich auch ein deutsches DVD-Label
den Maestro ins Programm aufgenommen hat, ist natürlich um so erfreulicher
und der vorliegende Silberling verdient dann auch angemessenen Applaus:
die Bildqualität ist exzellent und übrigens tatsächlich
besser als die der US-Release von VCI. Auch der Ton (Mono 1.0) ist sauber;
leider gibt es hier nur die deutsche Sprachfassung, bei der im Finale des
Films fälschlich (und völlig haarsträubend) auf Dracula
Bezug genommen wird - eine untertitelte Originalfassung wäre natürlich
noch wünschenswert. Die Extra-Features schließlich sind ein
Leckerbissen für jeden Bava-Fan: hier finden sich Trailer, eine Photogalerie
und ein Interview mit der Hauptdarstellerin Erika Blanc sowie sogar die
Foto-Novella zum Film, die 1971 in einem italienischen Magazin erschien.
Bleibt mir abschließend noch, den Machern dieser DVD ein aufrichtiges
mille grazie zuzurufen und auf viele weitere Veröffentlichungen dieser
Art zu hoffen.
©Thomas
Wagner |