THREE...EXTREMES
(Special
Edition)
Hongkong/Korea/Japan
2002
Regie:
Fruit Chan, Park Chan Wook, Takashi Miike
Darsteller:
Bai Ling, Kang Hye-Jeong, Atsuro Watanabe
DVD,
e-m-s, ca. 121 min., FSK ab 18
2002
entstand als koreanisch-chinesisch- thailändische Coproduktion der
Horror- Episodenfilm "Three... Nightmares", der auf diversen internationalen
Filmfestivals Auszeichnungen erringen konnte. Von diesem Erfolg offensichtlich
angespornt, produzierte Peter Chan (bei "Three... Nightmares" mit einer
Episode als Regisseur vertreten) 2004 den Nachfolger "Three... Extremes".
Auch
darin wird wieder eine Kurzfilm- Compilation modernen Fernost-Horrors präsentiert,
diesmal aus Hongkong, Südkorea und Japan. Und während sich der
Vorgänger dem eher subtilen Grusel widmete, setzt "Three... Extremes"
- ganz wie der Titel sagt - auf die extremen, abseitigen oder auch schlicht
und einfach kranken Facetten des Schreckens. Ist dieses Experiment gelungen?
Leider nicht so ganz. Werfen wir einen Blick auf die enthaltenen drei Episoden:
"Dumplings
- The Hong Kong Extreme" (Regie: Fruit Chan):
Die
ehemalige Schauspielerin Lee Ching ist mit ihrem Dasein alles andere als
zufrieden, denn ihre Karriere scheint vorbei zu sein und ihr Mann vergnügt
sich auf seinen Geschäftsreisen regelmäßig mit anderen
Frauen. Doch vor allem die Aussicht älter zu werden und allmählich
ihre Schönheit einzubüßen, bereitet der immer noch attraktiven
Ex-Diva großes Unbehagen. Schließlich wendet Lee sich an die
verschro- bene Mei, die als eine Art großstädtische Hexe in
einem leicht heruntergekommenem Wohn- block in Hongkong residiert. Mei
- selbst immer noch eine junge Frau, obwohl ihr Lebensalter das eines Durchschnittsmenschen
längst überschritten hat - soll über ein Rezept für
die ewige Jugend verfügen und ist gegen entsprechendes Entgelt auch
schnell bereit, Lee in den Genuß der Wunderkur kommen zu lassen.
Das Geheimnis scheint in den sorgfältig zubereiteten Teigtäschchen
zu liegen, die Mei ihrer neuen Kundin serviert und die auch prompt ihre
Wirkung zeigen. Doch bald erfährt Lee mehr über die Zutaten des
Wundermittels: Die Füllung der Teigtäschchen besteht aus sorgfältig
zerkleinerten Föten, die die fleißige Mei regelmäßig
bei ihren illegal durchgeführten Abtreibungen einsammelt...
Dem
Anspruch dieser Compilation extremen Stoff zu servieren, wird mit Sicherheit
der Auftakt "Dumplings" gerecht, der eigentlich als Spielfilm (inzwischen
ebenfalls bei e-m-s erschienen) produziert und für "Three... Extremes"
auf runde 40 Minuten gekürzt wurde. So hat die Fötustäschchen-
Diät ein Ekelpotential, das sich auch ohne plakative Horrorstilmittel
zu behaupten weiß, zugleich besitzt diese perfide Idee eine unbestreitbare
Originalität und das Potential als Satire auf den allgegenwärtigen
neuzeitlichen Jugendwahn zu funktionieren. Dennoch will die Episode nicht
so recht vom Hocker reißen. Rein handwerklich und darstellerisch
wird zwar solide Qualität geboten, in puncto Dramaturgie hängt
das Ganze jedoch phasenweise arg durch, wirkt alles in allem zu unentschlossen
und unausgegoren.
Diese
Schwächen in der Erzählstruktur lassen sich z. T. sicherlich
mit der Straffung zu einem Kurzfilm erklären, allerdings stellen sich
selbst in dieser gekürzten Version Längen ein, die nicht unbedingt
Appetit auf die Spielfilm- fassung wecken. Das Spiel mit Ekel allein macht
halt noch keinen guten Film und Teigtäschchen sind eher als Vorspeise
gedacht.
"Cut
- The Korean Extreme" (Regie: Park Chan Wook):
Der
Feierabend des erfolgreichen Regisseurs Ryu gestaltet sich alles andere
als angenehm: Kaum zu Hause angelangt, wird er mit einem plötzlichen
Stromausfall konfrontiert und von einem Eindringling brutal überwältigt.
Als er sein Bewußtsein wiedererlangt, bietet sich ihm ein erschreckendes
Bild: Seine Frau sitzt gefesselt und geknebelt am Klavier und ihre Finger
sind einzeln auf den Tasten fixiert. Ryu selbst findet sich mit einem Gummiband
an die Wand gefesselt wieder, das ihm etwas Bewegungsspielraum läßt:
Zwar kann er seine Frau nicht erreichen, dafür jedoch ein ebenfalls
gefesseltes kleines Mädchen, das auf dem Sofa sitzt. Der Eindringling
- ein offensichtlich wahnsinniger Kleindarsteller, der bereits mehrmals
unter Ryus Regie gearbeitet hat - erklärt nun die Regeln des perversen
Spiels: Der Regisseur soll mit seinen eigenen Händen das Kind töten,
tut er das nicht, werden die Finger seiner Frau im Fünfminutentakt
einer nach dem anderen abgehackt.... |
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Der
koreanische Filmemacher Park Chan Wook ("Old Boy") serviert mit seinem
Beitrag ein bitterböses Kammerspiel, das den Zuschauer gleichermaßen
mit seiner visuellen Inszenierung - Kameraarbeit, Ausleuchtung und Design
sind wirlich brillant - wie auch mit der Story zu fesseln versteht. Wook,
der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, beweist wieder
einmal, daß er derzeit einer der interessantesten und innovativsten
asiatischen Filmemacher ist.
Natürlich
bietet auch "Cut" extremen Horror: Der Terror, dem der Regisseur und seine
Frau ausgesetzt sind, springt auf den Zuschauer über und spätestens
wenn das Beil des Verrückten das erste Mal auf die Klaviertastatur
(sprich die Finger) nieder- saust, ist es mit der Sofagemütlichkeit
vorm Heimkino vorbei. Doch zugleich entspinnt sich in dieser Episode auch
ein raffinierter Miniatur- Psychothriller, der auf die seelischen Befindlichkeiten
der Protagonisten eingeht und letztendlich das übliche Täter-/Opfer-
bzw. Gut-/Böse-Schema aus den Angeln hebt. Niemand erscheint richtig
unschuldig und als ob die ausweglos erscheinende Situation nicht schon
schrecklich genug wäre, beginnt das Ehepaar sich schließlich
auch noch gegenseitig verbal zu zerfleischen.
Die
Tore zu den menschlichen Abgrünnden sind geöffnet und was letztendlich
bleibt, sind Haß und Verzweiflung. "Cut" ist ein unter die Haut gehendes,
perfekt funktionierendes kleines Meisterwerk und der absolute Höhepunkt
in dieser Compilation.
"The
Box - The Japan Extreme" (Regie: Takashi Miike):
Die
junge Kyoko durchleidet Nacht für Nacht den gleichen rätselhaften
Alptraum: In einen Plastiksack gehüllt wird sie von einem unbekannten
Mann in eine Kiste gesteckt und lebendig begraben. Doch als ihr eines Nachts
der Geist ihrer Schwester Shoko erscheint, beginnt sie sich an lang verdrängte
Bilder aus ihrer Kindheit zu erinnern. Damals traten Kyoko und ihre Schwester
als Akrobatinnen in dem kleinen Wanderzirkus ihres Vaters auf. Als kindliche
Schlangenmenschen konnten die beiden Mädchen ihre Körper so verbiegen,
daß sie in eine kleine Kiste passten. Doch der Vater schien stets
Shoko vorzuziehen, was bei der kleinen Kyoko große Eifersucht verursachte.
Als Kyoko ihrer Schwester eines Tages einen Streich spielen wollte, kam
es zu einem Unfall mit katastrophalen Folgen...
Visuell
besticht Takashi Miikes Episode durch eine Reihe wirklich wunderschöner
Bilder und verzaubert zugleich mit der Tristesse der japanischen Winterlandschaft,
raffiniert ausgeleuchteten Rückblenden und stilistisch sehr kühlen
Gegenwartsszenen, bei denen ein (typisch japanisch erscheinender) Minimalismus
regiert.
In
puncto Ästhetik und Stimmungsmalerei ist "The Box" also ein absoluter
Augenschmaus und um so bedauerlicher ist es, daß die Qualität
der hier erzählten Story nicht einmal ansatzweise mit der optischen
Umsetzung mithalten kann. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängerepisoden
herrscht bei "The Box" ein langsames, ruhiges Erzähltempo vor, was
an sich - allein schon als Kontrast - durchaus reizvoll wäre. Bedauerlich
nur, daß es der Geschichte an jeglicher Form von Originalität
mangelt und sie sich nur durch ein ausgesprochenes Maß an Öd-
und Dummheit auszeichnet. Hätte Miike hier völlig auf eine zusammenhängende
Story verzichtet und einfach nur eine surreale Bilderfolge geboten, wäre
das Ergebnis gewiß besser ausgefallen. Schade drum.
Als
Fazit läßt sich sagen, daß "Three...Extremes" meine hohen
Erwartungen nur zu einem Drittel erfüllte und einen leicht schalen
Nachgeschmack hinterließ. Während Park Chan Wooks Beitrag "Cut"
allein schon das Anschauen des Films wert und maßgeblich mitverantwortlich
für die Gesamtbewertung dieser DVD ist, wirken die anderen beiden
Episoden trotz guter Ansätze doch eher entäuschend. Wer sich
für das moderne asiatische Horrorkino interessiert, sollte aber dennoch
einen Blick riskieren. Interessant ist übrigens, daß die Compilation
für den deutschen Markt offenbar umgeschnitten wurde: Die ursprüngliche
Originalversion begann mit "The Box" gefolgt von "Dumplings" und endete
mit "Cut" - eine Reihenfolge, die mit der Steigerung der titelgebenden
Extreme weitaus mehr Sinn macht.
Zur
DVD-Umsetzung:
Die
2-DVD-Special Edition von e-m-s präsentiert den Film als ungekürzte
Fassung ohne Jugendfreigabe. Bild- (Widescreen 1.85:1 anamorph) und Tonqualität
(DTS und DD 5.1 in Deutsch, DD 5.1 in den jeweiligen Originalversionen,
deutsche Untertitel sind einblendbar) sind durchweg sehr gut ausgefallen.
Die vorliegende Special Edition beinhaltet eine Bonus Disc mit umfangreichen
Extras, so findet sich hier zu jeder Episode ein Making Of, Trailer, Promo
Spots und eine Bildergalerie.
©Thomas
Wagner |