| THE
POGUES: LIVE AT THE TOWN AND COUNTRY CLUB LONDON
Großbritannien
1988
Darsteller:
The Pogues, Joe Strummer, Kirsty MacColl, The Specials
DVD,
e-m-s, ca. 60 min., FSK frei ohne Altersbeschränkung
Es
war einmal im London der späten 70er Jahre: Shane MacGowan, ein junger
Ire mit einer ausgeprägten Affinität zu geistigen Getränken
und anderen Genußmitteln, betätigt sich als Sänger in einer
nicht sonderlich erfolgreichen Punkband mit dem schönen Namen The
Nipple Erectors. 1981 formieren sich daraus die ebenfalls längst vergessenen
The Nips und ein Jahr darauf wird schließlich die Band Pogue Mahone
(was auf gut Irisch soviel wie "Küß meinen Arsch" bedeutet)
ins Leben gerufen, die nun traditionelle Irish Folk-Elemente mit punkiger
Rotzigkeit zu einer bis dahin nie dagewesenen Symbiose verbindet.
Auf
Drängen ihres Plattenlabels ändert die Band ihren Namen in das
weniger anrüchige Pogues (= Küsse) und im Jahr 1984 erscheint
mit "Red Roses For Me" ihr erstes Album. Der Rest ist Musikgeschichte:
Die Pogues feiern internationale Erfolge, treten als Vorgruppe von The
Clash und U2 auf und landen sogar Hits in den Charts. Nichtsdestotrotz
sollte der ungezügelte Durst ihres charismatischen Frontmanns Shane
MacGowan (der nach eigenem Bekunden seit dem 14. Lebensjahr nicht mehr
nüchtern war) schließlich das Ende der Band einläuten.
Als MacGowan 1990 bei einem Konzert in Tokio zusammenbricht, beschließt
die Band seinen Rausschmiß, kann in der Folge jedoch nie wieder an
alte Erfolge anknüpfen und löst sich schließlich 1996 auf.
Shane MacGowan verfolgte weiterhin eine leidlich erfolgreiche Solokarriere
und zu Beginn des neuen Jahrtausends tat man sich dann vorübergehend
auch wieder zusammen, um einige Konzerte zu absolvieren, was jedoch nicht
darüber hinwegtäuschen sollte, daß die alten Zeiten unwiederbringlich
dahin sind.
Die
DVD "Live at the Town and Country Club London" zeigt die Band noch in Bestform
und auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Dem irritierenden Cover-Artwork,
das nur halbwegs aktuelle Fotos der Bandmitglieder zeigt, zum Trotz, handelt
es sich hier nicht etwa um ein jüngeres Konzert, sondern um den knapp
60minütigen Zusammenschnitt des Londoner St. Patrick's Day Gigs im
März 1988. Der Film wurde damals noch im gleichen Jahr als VHS bei
Virgin veröffentlicht, erlebte 2004 im UK eine Neuauflage als DVD
und im März 2006 sorgte das Label e-m-s schließlich auch für
eine deutsche Veröffentlichung (sehr zur Freude des Rezensenten, der
nun endlich sein altes Videotape einmotten kann...;-)).
Zum
Zeitpunkt des hier gefilmten Auftritts war gerade "Should I Fall From Grace
With God" - das bislang erfolgreichste Album der Band - erschienen, von
dem auch der Großteil der vertretenen Songs stammt. Shane MacGowan,
singender Poet mit großer Seele und schlechten Zähnen, präsentiert
sich frischgewaschen und rasiert - aber keinesfalls nüchtern - und
die Band zeigt sich in Bestlaune und ausgesprochen spielfreudig. |
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Als
Special Guests treten The Clash-Kopf Joe Strummer und Kirsty MacColl (beide
inzwischen leider viel zu früh verstorben) sowie einige Mitglieder
der legendären Skaband The Specials auf. Und so werden neben den bandeigenen
Songs auch eine herrlich ruppige Version des Clash-Klassikers "London Calling"
(natürlich von Joe Strummer persönlich vorgetragen) und der alte
Specials-Hit "Rudi - A Message To You" zum besten gegeben. Der Konzertmitschnitt
enthält die folgenden 15 Songs: "Broad Majestic Shannon", "If I Should
Fall from Grace with God", "Rainy Night In Soho", "Thousands Are Sailing",
"Fairytale Of New York", "Lullaby Of London", "Dirty Old Town", "London
Calling", "Turkish Song Of The Damned", "Fiesta", "Irish Rover", "Worms",
"Rudi - A Message to You" und "Wild Rover".
Sicherlich
ist die knappe Laufzeit des Films ein arger Nachteil, zumal die Macher
des Films fast ausschließlich dem damals aktuellen Songmaterial Platz
einräumten und Stücke der vorangegangenen Alben leider kaum Berücksichtigung
fanden. Und natürlich hätte man filmisch auch einiges besser
machen können, so werden z. B. einige Songs durch Interviews unterbrochen,
was den einen oder anderen Zuschauer vielleicht ein wenig stören könnte.
Doch letztendlich sind all dies unwichtige Lappalien, die man anhand der
gebotenen Show gerne verzeiht. Eine Art ausgelassener Partystimmung herrscht
auf der Bühne, greift (natürlich die richtige Laune vorausgesetzt)
auch auf den Zuschauer vor der Mattscheibe über und die Livequalitäten
der Band waren anno ´88 ohnehin noch über jeden Verdacht erhaben.
"Live at the Town and Country Club London" ist einerseits wichtiges Livedokument
einer einst grandiosen Band, andererseits (und das vielleicht in allererster
Linie) aber auch einfach das optimale Beiprogramm für lauschige Abende
in geselliger Malt Whiskey-Seligkeit. Cheerio...
Zur
DVD-Umsetzung:
Wie
weiter oben schon erwähnt wurde dieser Konzertmitschnitt schon 1988
als Videotape veröffentlicht; bei der DVD hat man sich offensichtlich
nicht die Mühe gemacht, irgendetwas zu remastern oder aufzupolieren.
Die Bildqualität (Vollbild 4:3) erreicht mittleres VHS-Niveau und
rauscht fröhlich vor sich hin. Der Ton (DD 2.0) stellt zwar kein Klangwunder
dar, bringt den ruppigen Sound der Pogues aber adäquat rüber
(und alle besserwisserischen DTS-Fanatiker sollen jetzt bitte mal den Mund
halten und sich mit ihren Britney Spears-DVDs ins Kinderzimmer verziehen,
ok?). Als Extra gibt es die 55minütige Dokumentation "Completely Pogued",
die neben Interviews mit den Bandmitgliedern auch Ausschnitte aus Videoclips
und Liveauftritten beinhaltet (hierfür sind jedoch ausreichende Englischkenntnisse
erforderlich, denn diese Originalfassung ist nicht untertitelt). Die DVD
von e-m-s ist übrigens in Qualität, Ausstattung und Artwork absolut
identisch mit der britischen Veröffentlichung von Celtic Collections,
wird jedoch zu einem weitaus günstigeren Preis angeboten.
©Thomas
Wagner |