THE
CARD PLAYER
(IL
CARTAIO)
Italien
2004
Regie:
Dario Argento
Darsteller:
Stefania Rocca, Liam Cunningham, Silvio Muccino, Fiore Argento
DVD,
Koch Media, ca. 100 min., FSK ab 16
Rom
wird von einem irren Serienkiller mit ausgeprägtem Spieltrieb terrorisiert:
Er entführt junge Frauen, hockt diese vor eine Webcam und fordert
die Polizei zu interaktiven Pokerspielen heraus. Die Regeln sind einfach:
Für jede Runde, die der Killer gewinnt, schneidet er dem Opfer ein
Körperteil ab, gewinnt er das ganze Spiel, findet sich tags darauf
die Leiche der betreffenden Dame. Den ermittelnden Beamten bleibt das Glück
im Spiel versagt und so beschließt die Polizistin Anna Mari gemeinsam
mit dem irischen Austauschbeamten John Brennan, zu einer List zu greifen:
Sie ziehen den jugendlichen Pokerprofi Remo hinzu, der sich nach anfänglichem
Zögern schließlich bereit erklärt, seine Fähigkeiten
in den Dienst der Polizei zu stellen. Tatsächlich kann er den mörderischen
Anonymus auch bei der folgenden Pokerpartie besiegen - doch dieser versteht
wenig Spaß und so muß bald auch Remo um sein Leben fürchten...
"The
Card Player" entstand 2004 in der Regie des italienischen Horrormeisters
Dario Argento, der mit Filmen wie z. B. "Profondo Rosso" (1976), "Suspiria"
(1977) oder "Inferno" (1980) einst Meilensteine des Genres gedreht hatte
und u. a. auch als Coproduzent von George Romeros Zombieklassiker "Dawn
of the Dead" Filmgeschichte schrieb. Der Film sorgte schon lange vor den
ersten DVD-Veröffentlichungen für sehr gemischte Reaktionen,
was in Argentos Fall keinesfalls ungewöhnlich anmutet. Kontroversen
unter seinen Fans und Kritikern hatte der Regisseur schon vor etlichen
Jahren verursacht, so ernteten beispielsweise seine Thriller "Trauma" und
"The Stendhal Syndrome" reichlich Verrisse, weil sie nicht den Erwartungen
des Gore-hungrigen Splatterpublikums entsprachen und sich stattdessen mehr
auf die psychologische Seite ihrer Story konzentrierten. Diese Form der
Kritik ist zweifelsohne lächerlich und haltlos, zumal sich Dario Argentos
stilistische Qualitäten kaum auf ein Übermaß an Kunstblut
reduzieren lassen: Seine Filme hoben sich in ihrer eleganten Inszenierung,
mit ausschweifenden, raffinierten Kamerafahrten und einer clever eingesetzten
Farb- und Lichtsprache stets von der schlampig produzierten Dutzendware
ab, wie sie z. B. Lucio Fulci in den ausgehenden 80er Jahren fabrizierte.
"The
Card Player" wirkt in diesem Zusammenhang jedoch erschreckend ernüchternd.
Man muß sich zwar gewiß nicht dem Chor polemischer Verrisse
anschließen, doch mit diesem unausgegorenem, seltsam steril und uninspiriert
erscheinden Cyber-Thriller-Mischmasch legte Dario Argento seinen bislang
mit Abstand schlechtesten Film vor. Die erzählte Geschichte ist wenig
überzeugend und strotzt vor Ungereimtheiten (allein die Tatsache,
daß die Polizei sich eines spielsüchtigen Teenagers bedient,
um die Opfer freipokern zu lassen ist wenig glaubwürdig und auch in
puncto Technik wird hier reichlich Quatsch verzapft). |
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Auch
die Idee mit dem internetaktiven Psycho ist nicht unbedingt die allerneueste
(man denke z. B. nur an Jon Amiels "Copykill" und auch in der TV-Serie
"Millennium" drehte sich eine Episode um einen Irren, der im WWW seine
eigene kleine Snuff Show präsentiert) und hinzu kommt noch ein Gutteil
an unfreiwilliger Komik, der sich in den Dialogen ebenso wie in der Handlung
(der Showdown auf einem Schienenstrang ist gelinde lächerlich) niederschlägt,
und den Film auch nicht unbedingt besser macht.
Doch
Unglaubwürdigkeit, Logikdefizite etc. wären eigentlich verzeihlich;
die Qualität von Argentos Filmen lag noch nie in "realistisch" erzählten
Stories oder eiskalt logisch durchkalkulierten Plots. Es ist schlicht und
einfach die Absenz jeglichen persönlichen Stils, die "The Card Player"
zu einer Entäuschung werden läßt. Die alte Bildermagie,
die rasanten Kamerafahrten, die oben schon erwähnte Farbsymbolik -
all das, was Argentos frühe Filme kennzeichnete und sogar auch noch
bei seiner nostalgischen Retrorevue "Sleepless" zum Zuge kam, sucht man
hier vergeblich. Visuell bekommt man die die ganze Zeit über eine
saft- und kraftlose TV-Optik präsentiert, es gibt keinerlei beunruhigende
Untertöne, hier ist nichts auch nur irgendwo ansatzweise "stylish"
geraten, stattdessen gefällt man sich im lauen Allerweltslook der
belanglosen Nuller-Jahre. Wenn es Argentos Intention gewesen sein sollte,
endlich einmal ein "völlig normal" aussehendes Stück Mainstream
zu drehen, ist ihm dies hier zweifelsohne gelungen.
Um
Mißverständnissen vorzubeugen: Es gibt viel, viel schlimmeres,
als "The Card Player". Rein handwerklich ist der Film ordentlich inszeniert
und - trotz aller Schwächen - gewiß immer noch besser, als der
Großteil der neuzeitlichen Horrorproduktionen aus den USA (wenigstens
wird man hier nicht mit dümmlichen Teenagern genervt). Ein Regisseur
wie Dario Argento muß sich jedoch mit etwas anderen Maßstäben
messen lassen und unter diesem Gesichtspunkt gewinnt "The Card Player"
leider keinen Blumentopf.
Zur
DVD-Umsetzung:
Die
vorliegende DVD von Koch Media präsentiert den Film in einer überzeugenden
Bildqualität (Widescreen 1.85:1 anamorph); Schärfe und Kontrast
sind dabei sehr gut ausgefallen, lediglich in den dunklen Szenen verschwimmen
die Details ein wenig. Auch der Ton (Deutsch in DTS, DD 5.1 und Dolby Surround,
Englisch in DD 5.1 und 2.0, deutsche Untertitel einblendbar) ist sehr anständig
geraten. Als Extras gibt es Trailer, eine Slideshow, Bio- und Filmographien,
ein 12minütiges Behind-the-Scenes-Special mit Interviews sowie ein
knapp 9minütiges Promo-Special. Die beiden Specials sind leider arg
oberflächlich geraten und viel Hintergrundinformation wird darin nicht
geboten. Übrigens ist diese DVD trotz der FSK16-Freigabe ungeschnitten
und verfügt über die gleiche Laufzeit wie die überteuerte
"Special Uncut Version", die zuvor von dem Label NEW auf den Markt gebracht
wurde. Dabei handelte es sich offensichtlich nur um einen Trick, um das
Käuferinteresse anzureizen; wer sich für den Film interessiert,
sollte also auf alle Fälle zu der günstigen und qualitativ durchweg
überzeugenden Veröffentlichung von Koch Media greifen.
©Thomas
Wagner |