| STRAIGHT
INTO DARKNESS
USA
2005
Regie:
Jeff Burr
Darsteller:
Ryan Francis, Scott MacDonald, Linda Thorson
DVD,
e-m-s, ca. 91 min., FSK ab 16
Der
2. Weltkrieg, irgendwo in Westeuropa: Die amerikanischen Deserteure Losey
(Ryan Francis) und Deming (Scott MacDonald) wurden von der Militärpolizei
gefaßt und sollen nun vor ein Militärgericht gestellt werden.
Doch auf dem Weg dorthin gerät der Jeep mitten in ein Minenfeld, was
ihren Bewachern das Leben kostet. Nur Losey und Deming bleiben wie durch
ein Wunder unverletzt und machen sich nun auf die Flucht.
Ihr
Ziel ist es, britische Truppenverbände zu erreichen und dort vorerst
unterzutauchen, um sich später abzusetzen. Nach langem Umherirren
durch die vom Krieg gezeichnete, winterliche Einöde, gelangen die
Beiden schließlich zu einem abgelegenen Anwesen. Hier stoßen
sie auf den Rektor und die Lehrerin einer Sonderschule, die mit ihren überlebenden
Schützlingen einen Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer führen....
Für
Drehbuch und Regie des 2005 entstandenen "Straight Into Darkness" zeichnet
Jeff Burr verantwortlich, dessen Oeuvre bislang vorwiegend durch wenig
aufregende Sequels von Horrorfilmen (so z. B. "Pumpkinhead II", "Puppet
Master 5" oder "Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III") geprägt
war. Mit dem vorliegenden Kriegsdrama ging der Regisseur nun neue, eigenständige
Wege und das Ergebnis kann sich trotz einiger Schwächen durchaus sehen
lassen, wenngleich die im Trailer angeführten Vergleiche mit Sam Peckinpah
und Orson Welles natürlich schamloseste Übertreibung sind.
Handwerklich
ist der Film überwiegend sehr solide geraten, überrascht mit
einer sehr stimmungsvollen visuellen Umsetzung und gelungener Kameraführung.
Ein kalter, blass-trister Look dominiert das Geschehen, nur einige Rückblenden
in die die (Vorkriegs-)Vergangenheit kontrastieren dagegen in kräftigen,
"sonnig" wirkenden Farben. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen (gedreht
wurde aus Kostengründen übrigens in Rumänien) unterstreichen
eine Atmosphäre der Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit, von der die
Wanderung der beiden Deserteure geprägt ist. Hinzu kommen einige unheimliche,
fast schon surreal anmutende Szenen, die - auch wenn in "Straight Into
Darkness" keine übernatürlichen Elemente vorhanden sind - durchaus
Vergleiche mit Kriegs-Horror-Hybriden wie "Deathwatch" oder "The Bunker"
zulassen: So gelangen die Flüchtenden in eine zerstörte Kirche
und treffen dort als einzigen Überlebenden einen wahnsinnigen Priester,
der dem Kannibalismus verfallen ist; schockierend ist auch die Entdeckung
in einem nächtlichen Wald, an dessen Bäumen eine komplette Hochzeits-
gesellschaft erhängt wurde. |
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Die
sinnlose Grausamkeit des Krieges wird auch durch die Partisanen verdeutlicht,
die sich als ein Häuflein an Leib und Seele verwundeter Verlorener
präsentieren: Die Lehrerin Maria (sehr gut dargestellt von Linda Thorson,
die 1969 in der britischen Kultserie "Mit Schirm, Charme und Melone" die
Rolle der Tara King verkörperte) ist duch eine Verletzung entstellt,
viele der Kinder sind durch Bombenangriffe verstümmelt, ein Mädchen
verbirgt ihr verbranntes Gesicht hinter einer Maske.
Die
Charaktere sind eher oberflächlich skizziert, viel erfährt man
über sie nicht und erst im fortschreitenden Verlauf der Handlung gewinnen
sie etwas an Profil. Losey ist ein nachdenklicher, eher phlegmatischer
Typ, der für das Kriegshandwerk eigentlich völlig ungeeignet
erscheint. Durch einen tragischen Unfall mit einem Flammenwerfer, bei dem
Zivilisten getötet wurden, wurde er nachhaltig traumatisiert und wird
in seinen Erinnerungen immer wieder mit diesem schrecklichen Erlebnis konfrontiert.
Im krassen Gegensatz dazu steht der brutale, dominante Demings, für
den in erster Linie das eigene Überleben zählt und der exemplarisch
die mit dem Krieg einhergehende Verrohung des Menschen vor Augen führt.
Er und Losey sind ein zutiefst ungleiches Paar und verachten eigentlich
einander; ihre gemeinsame Flucht basiert nur auf der reinen Zweckmäßigkeit.
Die selbsternannten Partisanen erscheinen als recht bizarre Figuren, so
vertritt z. B. der ehemalige Rektor (David Warner) die These, daß
er dem Leben der behinderten Kinder (die den Krieg eigentlich überhaupt
nicht nicht begreifen und ihn als ein Spiel betrachten) durch die "militärische
Ausbildung" einen Sinn gegeben und ihnen eine "Identität" verliehen
hat - eine gelinde haarsträubende Theorie, die sich in ihrem Irrsinn
jedoch recht gut in das ganze Handlungsgebilde einfügt.
Doch
während "Straight Into Darkness" über weite Strecken ein eher
ruhiges Tempo anschlägt und dabei mit einer beklemmenden Stimmung
überzeugt, dominiert im letzten Drittel - als eine deutsche Einheit
versucht, das Anwesen zu stürmen - die Action. Diese ausgewalzten
(und nicht sonderlich gut inszenierten) Kampfszenen schaden der Atmosphäre
und erscheinen als aufgesetzter Selbstzweck, um dem Film ein gewisses Quantum
an verkaufsfördernder "Kriegsaction" zu verleihen und ihn nicht zu
"ruhig" werden zu lassen. Darauf hätte man nun getrost verzichten
können, doch alles in allem bleibt der Film als eine interessante
und ungewöhnliche Ausnahmeproduktion durchaus empfehlenswert.
Zur
DVD-Umsetzung:
Das
Bild (Widescreen 1: 1,85 anamorph) überzeugt mit schön ausgewogenen
Kontrasten und einer sehr guten Detailschärfe. Der Ton (Deutsch in
DTS und DD 5.1, Englisch in DD 5.1) ist ebenfalls gut gelungen und erfreut
mit einer sauberen Abmischung und einem ausgewogenen Lautstärkeverhältnis
zwischen Musik, Dialogen und Geräuschen. In puncto Extras sieht es
recht bescheiden aus: Außer dem Originaltrailer (in deutscher und
englischer Fassung) und einer Bio- und Filmographie Jeff Burrs wird leider
nichts geboten.
©Thomas
Wagner |