Vampyre Planet-Zine

Stories, Gedichte
Fanfiction
Rezensionen: 
Bücher & Comics 
Interviews
Vamporium: Essays
Cinema
Musik
Fin de Siecle 
Mondgedichte
 


 

Rasputin
 Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Mönch Grigori Rasputin (Christopher Lee) verfügt über geheimnisvolle Heil- und Hypnosekräfte und ist in der Lage, Menschen nur durch Handauflegen zu heilen. Allerdings ist Rasputin dem Wodka und den Frauen weitaus mehr zugetan, als dem mönchischen Alltag und so wird er schließlich aus seinem Kloster verbannt.

weiterlesen...


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

R-POINT

Korea 2004
Regie: Kong Su-chang
Darsteller: Woo-seong Kam, Byung-ho Son, Tae-kyung Oh

DVD, e-m-s, ca. 107 min., FSK ab 16
 

R-Point Vietnam 1972: Während eines Einsatzes im "R-Point" - einer strategisch wichtigen Region auf einer Insel südlich von Saigon - verschwinden spurlos neun Soldaten der südkoreanischen Armee. Nach sechs Monaten empfängt man im koreanischen Basislager über Funk plötzlich einen Hilferuf der längst Totgeglaubten und unter der Leitung von Leutnant Choi wird ein Rettungstrupp losgeschickt, um nach den Überlebenden zu suchen. 

Nach einem kurzen Scharmützel mit Vietcong-Guerillas dringen die Soldaten schließlich ins Zielgebiet, dem "R-Point" ein und stoßen dort zunächst auf einen seltsamen Stein, dessen Inschrift von einer alten Legende kündet: Vor vielen Jahrhunderten verübten chinesische Eroberer ein Massaker unter der Bevölkerung der Insel; die Leichen wurden in einen See geworfen und ein Tempel darüber errichtet. Seit dieser Zeit gilt die Gegend bei den Einheimischen als verwunschen und die Inschrift prophezeit denen, die "diesen Ort mit Blut befleckten Händen betrieten" keine Wiederkehr. 

Tatsächlich erscheint die ganze Region wie ausgestorben, sogar die Vietcong meiden sie. Tags darauf erreicht man schließlich ein ehemaliges Hospital aus der französischen Kolonialzeit, das sich als von Gräbern umgebene Ruine inmitten undurchdringlicher Nebelschwaden präsentiert. Von den verschollenen Koreanern findet sich bis auf einige Hinterlassenschaften nichts und der Rettungstrupp ist zunächst ratlos. Es stellt sich heraus, daß dort bereits im Indochinakrieg von 1949 mehrere französische Soldaten spurlos verschwanden und insgesamt weit über 600 Menschen in der Region vermißt werden - Vietnamesen, Franzosen, Amerikaner... Die unheimliche, morbide Atmosphäre des Ortes beginnt bald auf Leutnant Chois Männer einzuwirken und schließlich häufen sich seltsame Ereignisse: Eine Abteilung amerikanischer Soldaten taucht auf, deren Anführer einige finstere Andeutungen über den Ort macht und am nächsten Tag findet man die schon seit langem verwesten Leichen der GI's. Der Funker der Koreaner empfängt plötzlich Nachrichten eines Franzosen, der seinen baldigen Besuch ankündigt; doch es stellt sich heraus, daß dieser schon längst vor dem Hospital begraben liegt. Unter den Soldaten beginnt sich Paranoia und Hysterie zu verbreiten - im Dschungel, in den unüberschaubaren Graslandschaften, in den tückischen Sümpfen und den verschimmelten Räumen des Hospitals, überall scheinen die Geister der Toten zu lauern! Bald kommt es zum ersten Todesfall unter den Koreanern... 

Daß der Krieg weitaus größere Schrecken gebiert, als die Phantasie der gefeiertsten Horrorschreiberlinge, dürfte nicht erst seit F. F. Coppolas "Apocalypse Now" klar sein. Doch die Verbindung zwischen dem realen Grauen, dem Wahnsinn des staatlich sanktionierten alltäglichen Schlachtens und dem Übernatürlichen wurde vor allem in jüngerer Zeit filmisch verarbeitet; zwei sehr gelungene Beispiele dafür sind die britischen Produktionen "The Bunker" (2001, Regie: Rob Green) und "Deathwatch" (2002, Regie: Michael J. Bassett). 


Regisseur und Drehbuchautor Kong Su-chang nahm sich in "R-Point" nun Südkoreas Teilnahme am Vietnamkrieg vor, ein Thema, das in Geschichtsschreibung und künstlerischer Aufarbeitung bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde. Zur Unterstützung der US-Streitkräfte schickte Südkorea bei Kriegsausbruch drei Divisionen (über 300.000 Mann) nach Vietnam; nach den Amerikanern war dies die zweitgrößte Armee, die den Vietcong gegenüberstand. Ähnlich wie in den USA fand die Kriegsteilnahme auch in der koreanischen Bevölkerung nur wenig Rückhalt und das US-freundliche Engagement der dortigen Regierung war wohl hauptsächlich auf den amerikanischen Beistand während des Koreakriegs zurückzuführen. US-Präsident Nixon, der bei seinem Amtsantritt ein baldiges Ende des Krieges versprochen hatte, geriet aufgrund der anhaltenden Kämpfe zunehmend unter politischen Druck und zog schließlich im Sommer 1972 sämtliche amerikanischen Infanterieeinheiten aus Vietnam ab. In dieser Zeit spielt das Geschehen in "R-Point": Auch die koreanischen Soldaten erhoffen sich eine baldige Heimkehr, freuen sich darauf, ihre Familien wiederzusehen und schmieden bereits Zukunftspläne für die Rückkehr ins Zivilistendasein. Doch der Einsatz im "R-Point" läßt diese Träume schnell schwinden... 

Handwerklich gibt es an diesem Film kaum etwas auszusetzen: Die Kameraarbeit ist hervorragend, die Ausleuchtung sehr stimmungsvoll, das ganze Setting (die eigentlich idyllische und doch extrem unheimliche Insellandschaft, das alte Hospital, das hier quasi die Stelle eines gotischen Spukschlosses einnimmt) immens beeindruckend und der Horror wird hier nicht plakativ inszeniert, sondern steckt in der permanenten Ungewißheit, in der Unfaßbarkeit der todbringenden Schrecken. Das Grauen kommt schleichend, als psychologischer Terror scheinbar direkt aus dem kriegsgeschädigten Unterbewußtsein der Protagonisten und entlädt sich um so effektiver in einem mörderischen Ausbruch kollektiven Wahnsinns, der schon wieder als eine bitterböse Allegorie auf den Krieg an sich erscheint. 

All das sollte eigentlich ganz perfekt funktionieren und für ein wirklich nachhaltig verstörendes Filmerlebnis sorgen. Tut es über weite Strecken auch. Negativ anzumerken ist allerdings die recht oberflächliche Zeichnung der Charaktere, an der die größtenteils recht mittelmäßige Besetzung natürlich auch nichts verbessert. Zu austauschbar und unpersönlich erscheinen viele der Figuren, als daß man wirklich intensiv mit ihnen fühlen könnte. Auch die emotionellen Ausbrüche einiger Protagonisten ändern daran nichts, sondern wirken schlichtweg unglaubwürdig gespielt, oft auch schon am Rand des Overactings. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die arg hölzern wirkende deutsche Synchronfassung; es ist ratsam, hier die untertitelte koreanische Originalversion zu bevorzugen. Diese Punkte sind jetzt gewiß kein Grund für einen Verriß, denn dafür ist "R-Point" rein filmisch und konzeptionell viel zu interessant. Ein wenig schade ist es aber dennoch... 

Zur DVD-Umsetzung:
Das Bild (Widescreen 1.85:1 anamorph) erfreut mit einer sehr guten Schärfe und Kontrastreichtum, auch am Sound (DD 5.1 Deutsch und Koreanisch, deutsche Untertitel einblendbar) gibt es wenig auszusetzen. Als Specials werden Trailer, Teaser, ein TV-Spot sowie ein kleines Making Of inkl. Interviews geboten. 
 

©Thomas Wagner