| R-POINT
Korea
2004
Regie:
Kong Su-chang
Darsteller:
Woo-seong Kam, Byung-ho Son, Tae-kyung Oh
DVD,
e-m-s, ca. 107 min., FSK ab 16
R-Point
Vietnam 1972: Während eines Einsatzes im "R-Point" - einer strategisch
wichtigen Region auf einer Insel südlich von Saigon - verschwinden
spurlos neun Soldaten der südkoreanischen Armee. Nach sechs Monaten
empfängt man im koreanischen Basislager über Funk plötzlich
einen Hilferuf der längst Totgeglaubten und unter der Leitung von
Leutnant Choi wird ein Rettungstrupp losgeschickt, um nach den Überlebenden
zu suchen.
Nach
einem kurzen Scharmützel mit Vietcong-Guerillas dringen die Soldaten
schließlich ins Zielgebiet, dem "R-Point" ein und stoßen dort
zunächst auf einen seltsamen Stein, dessen Inschrift von einer alten
Legende kündet: Vor vielen Jahrhunderten verübten chinesische
Eroberer ein Massaker unter der Bevölkerung der Insel; die Leichen
wurden in einen See geworfen und ein Tempel darüber errichtet. Seit
dieser Zeit gilt die Gegend bei den Einheimischen als verwunschen und die
Inschrift prophezeit denen, die "diesen Ort mit Blut befleckten Händen
betrieten" keine Wiederkehr.
Tatsächlich
erscheint die ganze Region wie ausgestorben, sogar die Vietcong meiden
sie. Tags darauf erreicht man schließlich ein ehemaliges Hospital
aus der französischen Kolonialzeit, das sich als von Gräbern
umgebene Ruine inmitten undurchdringlicher Nebelschwaden präsentiert.
Von den verschollenen Koreanern findet sich bis auf einige Hinterlassenschaften
nichts und der Rettungstrupp ist zunächst ratlos. Es stellt sich heraus,
daß dort bereits im Indochinakrieg von 1949 mehrere französische
Soldaten spurlos verschwanden und insgesamt weit über 600 Menschen
in der Region vermißt werden - Vietnamesen, Franzosen, Amerikaner...
Die unheimliche, morbide Atmosphäre des Ortes beginnt bald auf Leutnant
Chois Männer einzuwirken und schließlich häufen sich seltsame
Ereignisse: Eine Abteilung amerikanischer Soldaten taucht auf, deren Anführer
einige finstere Andeutungen über den Ort macht und am nächsten
Tag findet man die schon seit langem verwesten Leichen der GI's. Der Funker
der Koreaner empfängt plötzlich Nachrichten eines Franzosen,
der seinen baldigen Besuch ankündigt; doch es stellt sich heraus,
daß dieser schon längst vor dem Hospital begraben liegt. Unter
den Soldaten beginnt sich Paranoia und Hysterie zu verbreiten - im Dschungel,
in den unüberschaubaren Graslandschaften, in den tückischen Sümpfen
und den verschimmelten Räumen des Hospitals, überall scheinen
die Geister der Toten zu lauern! Bald kommt es zum ersten Todesfall unter
den Koreanern...
Daß
der Krieg weitaus größere Schrecken gebiert, als die Phantasie
der gefeiertsten Horrorschreiberlinge, dürfte nicht erst seit F. F.
Coppolas "Apocalypse Now" klar sein. Doch die Verbindung zwischen dem realen
Grauen, dem Wahnsinn des staatlich sanktionierten alltäglichen Schlachtens
und dem Übernatürlichen wurde vor allem in jüngerer Zeit
filmisch verarbeitet; zwei sehr gelungene Beispiele dafür sind die
britischen Produktionen "The Bunker" (2001, Regie: Rob Green) und "Deathwatch"
(2002, Regie: Michael J. Bassett). |
 |
Regisseur
und Drehbuchautor Kong Su-chang nahm sich in "R-Point" nun Südkoreas
Teilnahme am Vietnamkrieg vor, ein Thema, das in Geschichtsschreibung und
künstlerischer Aufarbeitung bislang eher stiefmütterlich behandelt
wurde. Zur Unterstützung der US-Streitkräfte schickte Südkorea
bei Kriegsausbruch drei Divisionen (über 300.000 Mann) nach Vietnam;
nach den Amerikanern war dies die zweitgrößte Armee, die den
Vietcong gegenüberstand. Ähnlich wie in den USA fand die Kriegsteilnahme
auch in der koreanischen Bevölkerung nur wenig Rückhalt und das
US-freundliche Engagement der dortigen Regierung war wohl hauptsächlich
auf den amerikanischen Beistand während des Koreakriegs zurückzuführen.
US-Präsident Nixon, der bei seinem Amtsantritt ein baldiges Ende des
Krieges versprochen hatte, geriet aufgrund der anhaltenden Kämpfe
zunehmend unter politischen Druck und zog schließlich im Sommer 1972
sämtliche amerikanischen Infanterieeinheiten aus Vietnam ab. In dieser
Zeit spielt das Geschehen in "R-Point": Auch die koreanischen Soldaten
erhoffen sich eine baldige Heimkehr, freuen sich darauf, ihre Familien
wiederzusehen und schmieden bereits Zukunftspläne für die Rückkehr
ins Zivilistendasein. Doch der Einsatz im "R-Point" läßt diese
Träume schnell schwinden...
Handwerklich
gibt es an diesem Film kaum etwas auszusetzen: Die Kameraarbeit ist hervorragend,
die Ausleuchtung sehr stimmungsvoll, das ganze Setting (die eigentlich
idyllische und doch extrem unheimliche Insellandschaft, das alte Hospital,
das hier quasi die Stelle eines gotischen Spukschlosses einnimmt) immens
beeindruckend und der Horror wird hier nicht plakativ inszeniert, sondern
steckt in der permanenten Ungewißheit, in der Unfaßbarkeit
der todbringenden Schrecken. Das Grauen kommt schleichend, als psychologischer
Terror scheinbar direkt aus dem kriegsgeschädigten Unterbewußtsein
der Protagonisten und entlädt sich um so effektiver in einem mörderischen
Ausbruch kollektiven Wahnsinns, der schon wieder als eine bitterböse
Allegorie auf den Krieg an sich erscheint.
All
das sollte eigentlich ganz perfekt funktionieren und für ein wirklich
nachhaltig verstörendes Filmerlebnis sorgen. Tut es über weite
Strecken auch. Negativ anzumerken ist allerdings die recht oberflächliche
Zeichnung der Charaktere, an der die größtenteils recht mittelmäßige
Besetzung natürlich auch nichts verbessert. Zu austauschbar und unpersönlich
erscheinen viele der Figuren, als daß man wirklich intensiv mit ihnen
fühlen könnte. Auch die emotionellen Ausbrüche einiger Protagonisten
ändern daran nichts, sondern wirken schlichtweg unglaubwürdig
gespielt, oft auch schon am Rand des Overactings. Verstärkt wird dieser
Eindruck noch durch die arg hölzern wirkende deutsche Synchronfassung;
es ist ratsam, hier die untertitelte koreanische Originalversion zu bevorzugen.
Diese Punkte sind jetzt gewiß kein Grund für einen Verriß,
denn dafür ist "R-Point" rein filmisch und konzeptionell viel zu interessant.
Ein wenig schade ist es aber dennoch...
Zur
DVD-Umsetzung:
Das
Bild (Widescreen 1.85:1 anamorph) erfreut mit einer sehr guten Schärfe
und Kontrastreichtum, auch am Sound (DD 5.1 Deutsch und Koreanisch, deutsche
Untertitel einblendbar) gibt es wenig auszusetzen. Als Specials werden
Trailer, Teaser, ein TV-Spot sowie ein kleines Making Of inkl. Interviews
geboten.
©Thomas
Wagner |