MIDNIGHT
MASS
USA
2003
Regie:
Tony Mandile
Darsteller:
Douglas Gibson, Pamela Karp, Julia Cornish, St James
DVD,
e-m-s, ca. 98 min., FSK ab 18
Irgendwann
in einer nicht all zu fernen Zukunft. Was zuerst für eine neue, rasch
um sich greifende Seuche gehalten wurde, kumuliert schließlich zum
globalen Armageddon: Vampirismus! Innerhalb kurzer Zeit gelingt es den
Blutsaugern, die Strukturen der menschlichen Zivilisationen zu Fall zu
bringen und quasi die Weltherrschaft zu übernehmen. Die überlebenden
Menschen werden nun von den Untoten terrorisiert.
Da
die Vampire natürlich höchst sonnenlichtempfindlich und darum
tagsüber inaktiv sind, bedienen sie sich menschlicher Kollaborateure,
den sogenannten Vichy (angelehnt an das Vichy-Regime in Frankreich,
das während des 2. Weltkriegs mit den deutschen Besatzungstruppen
kollaborierte). Diese Normalsterblichen träumen von vampirischer Unsterblichkeit
und Macht, und stellen sich bereitwillig in den Dienst der Untoten. Doch
nach wie vor gibt es auch einige unbeugsame Widerstands- kämpfer,
so z. B. den versoffenen Ex-Priester Cahill (Douglas Gibson) und die militante
Atheistin Gwen (Pamela Karp). Gemein- sam macht sich dieses ungleiche Paar
daran, gegen die Vampire in Cahills ehemaliger Gemeinde zu kämpfen
und gegen deren gefährliches Oberhaupt Vater Palmeri anzutreten...
Midnight
Mass basiert auf einer Story von F. Paul Wilson (übrigens ist
der Autor selbst auch in einer Nebenrolle im Film vertreten) und zitiert
mit seiner apokalyptischen Grundidee zugleich Klassiker wie The Last
Man On Earth (bzw. dessen Remake The Omega Man) und Dawn
Of The Dead. Das Ergebnis ist ein mit - immerhin handgemachten - Goreeffekten,
diversen Genreanleihen, einer Prise Sex und einem Schuß Gothic-Szene
aufgepepptes B-Movie, in dem Laiendarsteller ihr bestes geben um die wacklige
Storykonstruktion vor dem völligen Einsturz zu bewahren. |
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Zugegeben:
Trotz netter Ideen, einiger recht gelungener Sequenzen und zwei, drei guter
Songs im Soundtrack kann man Midnight Mass schwerlich als guten
Film im herkömmlichen Sinne bezeichnen, dazu sind seine technischen
und darstellerischen Defizite einfach zu offensichtlich. Wenn man das ganze
jedoch nicht zu ernst nimmt und ein Herz für Trash hat, kann man bei
diesem Film wirklich seinen Spaß haben: So rennt ein Vampir versehentlich
gegen einen Ast (welcher deutlich erkennbar am Baum angesteckt wurde und
sich sogar farblich davon abhebt!) und pfählt sich selbst, die Dialoge
sind über weite Strecken einfach nur grenzdebil und das Schauspiel
zwerchfellerschütternd, doch zugleich höchst engagiert (ein gutes
Beispiel hierfür ist Pamela Karp als nörgelige Aushilfs-Buffy
Gwen, deren unverdrossenes Overacting mir aufrichtigen Respekt abverlangt).
Der
Brüller schlechthin sind dann auch noch die zwei Handvoll Grufties,
die hier natürlich die vampirhörigen Vichy verkörpern
dürfen; offensichtlich hat Regisseur Tony Mandile hier seinen kompletten
Bekanntenkreis zur Mitwirkung eingeladen. Man gibt sich höchst cool
und verdorben, trägt sein neuestes Szene-Outfit spazieren und darf
dann sogar noch ein gar schröcklich blasphemisches SM-Vampir-Happening
inklusive Blutopfer inszenieren - that's Entertainment!
Kurz
und gut: Fans von Kuschelvampiren und sterilen Hollywoodschmonzetten werden
sich bei Midnight Mass entsetzt abwenden. Sollen sie nur... Angesichts
einer Welt, in der mit Millionenbudgets Scheußlichkeiten wie Van
Helsing fabriziert werden, breche ich jetzt eine Lanze für den
Trash und empfehle Midnight Mass als leidlich unterhaltsame Begleitung
zu geistigen Getränken, Popcorn und anderen Genußmitteln. Guten
Appetit.
©Thomas
Wagner |