LAURIN
Deutschland
1988
Regie:
Robert Sigl
Darsteller:
Dora Szinetar, Brigitte Karner, Károly Eperjes
DVD,
e-m-s, ca. 80 min., FSK ab 16
Gibt
es den deutschen Phantastischen Film? Nein, eigentlich nicht, bzw. schon
lang nicht mehr. Wie er jedoch sein könnte, führt beeindruckend
Robert Sigls Laurin vor Augen: In einem kleinen norddeutschen Hafenort
lebt Anfang des 20. Jahrhunderts die neunjährige Laurin mit ihrer
Familie. Eines Abends kommt Laurins Mutter Flora unter mysteriösen
Umständen ums Leben: Nachdem sie ihren Mann Arne, einen Seemann, zum
Hafen begleitet hat, stürzt sie auf dem Heimweg von einer Brücke
und ertrinkt im eiskalten Wasser des Flusses. In der gleichen Nacht verschwindet
ein Zigeunerjunge spurlos …
Laurin
hat seitdem wiederkehrende bizarre Visionen; sie spürt, daß
etwas Böses hinter diesen Vorfällen stecken muß. Zwei Jahre
später kehrt Herr von Rees, der Sohn des Pastors, von seinem Militärdienst
heim und tritt eine Stelle als Dorfschullehrer an. Laurin fühlt sich
zunächst zu dem neuen Lehrer hingezogen, der seinerseits ein auffälliges
Interesse für ihren Klassenkameraden Stefan zeigt. Erneut beginnen
die rätselhaften Visionen Laurin heimzusuchen und schließlich
verschwindet auch Stefan spurlos …
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Laurin
ist das 1988 entstandene Regiedebüt Robert Sigls. Der Regisseur drehte
den (vom Südwestfunk coproduzierten) Film aus Kostengründen in
Ungarn; auch die Besetzung bestand größtenteils aus ungarischen
Schauspielern. Das Ergebnis wurde prompt mit dem Bayerischen Filmpreis
ausgezeichnet und der Spiegel schwärmte von einem "Wunderwerk sanften
Grauens", und übertrieb damit keinesfalls. Laurin ist eines der wenigen
gelungenen Beispiele für modernes deutsches Phantastikkino – wunderschön
photographiert, von einer anhaltenden, traumhaften Stimmung und Atmosphäre.
Mit märchenhaft-phantastischen Elementen und vielen Symbolismen gespickt,
wird hier ein faszinierender und überaus spannender Psychothriller
erzählt; ein Stück für Stück mehr Gestalt annehmendes
Puzzle, dessen zahlreiche Facetten sich erst beim wiederholten Anschauen
entblättern. Filme wie Laurin sind natürlich keine Blockbuster
und werden wohl nie die Aufmerksamkeit erlangen, die sie verdienen. Nichtsdestotrotz
gelang Sigl hier eine Perle im Ödland deutschen Filmschaffens und
die liebevoll gestaltete DVD wird diesem Film vollauf gerecht. Das Bild
erfreut in Widescreen 1:1.66, den Ton gibt es in deutscher und englischer
Fassung (DD 5.1 und 2.0), der immens unfangreiche Bonusteil umfaßt
u. a. ein Interview mit Robert Sigl, das Making Of, entfallene Szenen,
Bildergalerie und Photos von Set sowie die komplette Filmmusik von Jacques
Zwart und Hans Jansen.
©Thomas
Wagner |