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Kontroll
Die Geschichte führt uns unter die Erde, genauer gesagt in den weitver- zweigten Mikrokosmos der Budapester U-Bahn. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine Gruppe von Kontrolleuren, die dort der nimmer endenden Jagd nach Schwarzfahrern nach- gehen. Leiter des fünfköpfigen Trupps ist Bulcsú, ein irgendwie undurchschaubarer Typ in abgewetzter Lederjacke, der nie viel über sein Privatleben erzählt und eigentlich viel zu intelli- gent für diesen Job erscheint. Niemand von seinen Kollegen ahnt, daß er seit Jahren nicht mehr das Tageslicht gesehen hat und sein Leben nur noch in der unterirdischen Welt der U-Bahn ver- bringt; tagsüber geht er dort seinem freudlosen Job nach, nachts rollt er sich auf dem Bahnsteig zum Schlafen zusammen oder streunt ziellos durch die Tunnelgewölbe.

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KILLER BARBYS VS. DRACULA

Spanien/Deutschland 2002
Regie: Jess Franco
Darsteller: Silvia Superstar, Enrique Sarasola, Lina Romay, Bela Felsenheimer
DVD, Polyband, ca. 85 min., FSK ab 16
 

Ein Vergnügungspark in Torremolinos an der sonnigen Costa del Sol: Während die Band Killer Barbies sich auf ihren Auftritt vorbereitet, trifft ein Leichenwagen ein, dem Genossin Irina (Lina Romay) entsteigt. Besagte Dame leitet das transsylvanische Tourismusbüro und will zu Marketingzwecken die größte Attraktion ihres Landes im Park ausstellen, nämlich - ja was wohl? - den guten alten Grafen Dracula höchstpersönlich. 

Dessen unverwüstlicher Leichnam liegt mit einem Pflock im Herzen brav in seinem Sarg und träumt von alten Zeiten; ein beschaulicher Zustand, der sich recht schnell ändert, als die Killer Barbies auf der Bühne ihren Song "Wake Up" spielen. Angeregt durch den punkigen Powerpop (und Sängerin Silvia Superstar im besonderen...), erwacht der Graf, entsteigt seinem Ruhelager und widmet sich für den Rest des Films seiner Lieblingsbeschäftigung, d. h. dem Aussaugen sterblichger Wesen, wobei es ihm natürlich das weibliche Geschlecht besonders angetan hat...

Der spanische Regisseur Jesus Franco Manera - besser bekannt als Jess Franco - ist ein cineastisches Enfant terrible und Fans europäischer B-Movie-Kultur schon seit langem ein Begriff. Sein kunterbunter Output umfaßt bis heute weit über 160 (!) Filme, deren qualitatives Niveau ebenso abwechslungsreich ist, wie die Gefilde in denen sie angesiedelt sind: Vom klassisch anmutenden Horror über Abenteuer-, Agenten- und Historienfilmen, surrealen Kunstausflügen, Exploitationstreifen und Sexfilmchen gibt es wohl kaum ein Genre, das der mittlerweile 74jährige Veteran Franco ausgelassen hat. 


Hier liegt nun des Trash-Großmeisters jüngster Streich vor und übrigens ist dies schon der zweite Film, den er mit der spanischen Punkband Killer Barbies drehte: Bereits 1996 enstand Killer Barbys, der allerdings in Deutschland bislang nicht erschienen ist (warum die Band in den Filmtiteln übrigens immer mit "y" geschrieben wird, entzieht sich meiner Kenntnis...). Killer Barbys vs. Dracula ist jedoch keine Fortsetzung dazu, sondern erzählt eine eigenständige, haarsträubende Story, die sich einerseits zwar als Genreparodie einordnen läßt, in erster Linie aber als reines Promo-Vehikel für die Band zu betrachten ist. Und als solches funktioniert der Film auch leidlich gut: Die Killer Barbies sind bekennende Trashfans, nehmen sich selbst nicht zu ernst und spielen einen munteren Punkverschnitt, der sich irgendwo zwischen Ramones, Misfits und Sex Pistols einordnen läßt. Rein filmisch kommt das ganze aber leider recht zahm und konventionell daher, und läßt sich nicht einmal ansatzweise mit Francos Trashklassikern der 70er Jahre vergleichen. Vergeblich sucht man die einstmals für den Regisseur typischen verrückten Kameraperspektiven, Ruckelzooms und Weitwinkelexzesse; hier dominiert die moderne Videotechnik und sorgt für optische Sterilität. Das Geschehen an sich bleibt durchgehend im jugendfreien Rahmen (SEHR untypisch für Franco!) und auch der Humor sprüht nicht gerade vor geistreichem Esprit.. Dank der Killer Barbies und ihrer Musik kann man - gute Laune und geistige Getränke vorausgesetzt - zwar durchaus noch seinen Spaß bei diesem Film haben, ich lege Fans stattdessen jedoch den kompromißlos anarchisch-trashigen Vorgänger Killer Barbys ans Herz, der der Band in jeder Hinsicht besser gerecht wird.

Bild- (1.66:1) und Tonqualität (DD 5.1 deutsch und englisch) der DVD sind durchaus zufriedenstellend. An Extras gibt es das Musikvideo "Candy" (nettes Iggy Pop-Cover, feat. Bela B), das Making Of, Trailer, Bildergalerie sowie die angebliche Dokumentation "Die bizarre Welt des Jess Franco", die sich allerdings nur als ein ca. 15minütiger Zusammenschnitt abgefilmter Plakate und Filmfotos entpuppt.
 
 

©Thomas Wagner