KILLER
BARBYS VS. DRACULA
Spanien/Deutschland
2002
Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Silvia Superstar, Enrique Sarasola, Lina Romay, Bela Felsenheimer
DVD,
Polyband, ca. 85 min., FSK ab 16
Ein
Vergnügungspark in Torremolinos an der sonnigen Costa del Sol: Während
die Band Killer Barbies sich auf ihren Auftritt vorbereitet, trifft ein
Leichenwagen ein, dem Genossin Irina (Lina Romay) entsteigt. Besagte Dame
leitet das transsylvanische Tourismusbüro und will zu Marketingzwecken
die größte Attraktion ihres Landes im Park ausstellen, nämlich
- ja was wohl? - den guten alten Grafen Dracula höchstpersönlich.
Dessen
unverwüstlicher Leichnam liegt mit einem Pflock im Herzen brav in
seinem Sarg und träumt von alten Zeiten; ein beschaulicher Zustand,
der sich recht schnell ändert, als die Killer Barbies auf der Bühne
ihren Song "Wake Up" spielen. Angeregt durch den punkigen Powerpop (und
Sängerin Silvia Superstar im besonderen...), erwacht der Graf, entsteigt
seinem Ruhelager und widmet sich für den Rest des Films seiner Lieblingsbeschäftigung,
d. h. dem Aussaugen sterblichger Wesen, wobei es ihm natürlich das
weibliche Geschlecht besonders angetan hat...
Der
spanische Regisseur Jesus Franco Manera - besser bekannt als Jess Franco
- ist ein cineastisches Enfant terrible und Fans europäischer
B-Movie-Kultur schon seit langem ein Begriff. Sein kunterbunter Output
umfaßt bis heute weit über 160 (!) Filme, deren qualitatives
Niveau ebenso abwechslungsreich ist, wie die Gefilde in denen sie angesiedelt
sind: Vom klassisch anmutenden Horror über Abenteuer-, Agenten- und
Historienfilmen, surrealen Kunstausflügen, Exploitationstreifen und
Sexfilmchen gibt es wohl kaum ein Genre, das der mittlerweile 74jährige
Veteran Franco ausgelassen hat. |
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Hier
liegt nun des Trash-Großmeisters jüngster Streich vor und übrigens
ist dies schon der zweite Film, den er mit der spanischen Punkband Killer
Barbies drehte: Bereits 1996 enstand Killer Barbys, der allerdings
in Deutschland bislang nicht erschienen ist (warum die Band in den Filmtiteln
übrigens immer mit "y" geschrieben wird, entzieht sich meiner Kenntnis...).
Killer
Barbys vs. Dracula ist jedoch keine Fortsetzung dazu, sondern erzählt
eine eigenständige, haarsträubende Story, die sich einerseits
zwar als Genreparodie einordnen läßt, in erster Linie aber als
reines Promo-Vehikel für die Band zu betrachten ist. Und als solches
funktioniert der Film auch leidlich gut: Die Killer Barbies sind bekennende
Trashfans, nehmen sich selbst nicht zu ernst und spielen einen munteren
Punkverschnitt, der sich irgendwo zwischen Ramones, Misfits und Sex Pistols
einordnen läßt. Rein filmisch kommt das ganze aber leider recht
zahm und konventionell daher, und läßt sich nicht einmal ansatzweise
mit Francos Trashklassikern der 70er Jahre vergleichen. Vergeblich sucht
man die einstmals für den Regisseur typischen verrückten Kameraperspektiven,
Ruckelzooms und Weitwinkelexzesse; hier dominiert die moderne Videotechnik
und sorgt für optische Sterilität. Das Geschehen an sich bleibt
durchgehend im jugendfreien Rahmen (SEHR untypisch für Franco!) und
auch der Humor sprüht nicht gerade vor geistreichem Esprit.. Dank
der Killer Barbies und ihrer Musik kann man - gute Laune und geistige Getränke
vorausgesetzt - zwar durchaus noch seinen Spaß bei diesem Film haben,
ich lege Fans stattdessen jedoch den kompromißlos anarchisch-trashigen
Vorgänger Killer Barbys ans Herz, der der Band in jeder Hinsicht
besser gerecht wird.
Bild-
(1.66:1) und Tonqualität (DD 5.1 deutsch und englisch) der DVD sind
durchaus zufriedenstellend. An Extras gibt es das Musikvideo "Candy" (nettes
Iggy Pop-Cover, feat. Bela B), das Making Of, Trailer, Bildergalerie sowie
die angebliche Dokumentation "Die bizarre Welt des Jess Franco", die sich
allerdings nur als ein ca. 15minütiger Zusammenschnitt abgefilmter
Plakate und Filmfotos entpuppt.
©Thomas
Wagner |