HYPNOS
(HIPNOS)
Spanien
2004
Regie:
David Carreras
Darsteller:
Cristina Brondo, Demian Bichir, Natalia Sánchez, Carlos Lasarte
DVD,
e-m-s, ca. 90 min., FSK ab 16
Die
junge Ärztin Beatriz (Cristina Brondo) tritt ihre neue Stelle in einer
an der spanischen Küste gelegenen psychiatrischen Klinik an. Dort
wird sie mit dem Fall eines jungen Mädchens konfrontiert, das Zeugin
des Mordes an seiner Mutter wurde und sich seitdem in einem Schockzustand
befindet.
Mittels
Hypnosetherapie will man dieser psychischen Blockade zu Leibe rücken,
doch als Beatriz heimlich eine dieser Sitzungen beobachtet, hört sie,
wie Dr. Zabala (Carlos Lasarte) das Mädchen zum Selbstmord auffordert.
Wenig später wird die Patientin tatsächlich mit durchgeschnittenen
Pulsadern aufgefunden. Für Beatriz ist klar, daß es sich um
keinen Selbstmord handelte, doch je tiefer sie in die geheimnisvollen Vorgänge
in der Klinik eintaucht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität
und Traum. Beatriz muß schließlich um ihren eigenen Verstand
und ihr Leben fürchten...
Der
spanische Psychothriller "Hypnos" entstand 2004 in der Regie von David
Carreras, der u. a. auch einige Episoden für die deutsche TV-Serie
"Die Wache" drehte und filmisch ansonsten bislang ein eher unbeschriebenes
Blatt ist. Wenngleich formal und handwerklich überaus ansehnlich geraten
bietet "Hypnos" ein etwas zwiespältiges Vergnügen, was dem nicht
sonderlich originellen Drehbuch (an dem übrigens auch Carreras beteiligt
war) und den unausgereiften Charakteren zuzuschreiben ist. Das letztgenannte
Manko zeigt sich allein schon in der Hauptfigur Beatriz, die leider denkbar
unglaubhaft gestaltet ist: Für eine promovierte Psychologin erscheint
die Dame viel zu jung und ähnelt auch vom Naturell her weitaus mehr
einem verschreckten Teenager als einer gestandenen Frau, die ihre Brötchen
in der geschlossenen Psychiatrie verdient. Auch der Umstand, daß
Cristina Brondo in dieser Rolle wiederholt ihre Oberweite entblößen
darf, kann die hier vorhandenen Defizite kaum kaschieren. Etwas interessanter
ist da schon der Auftritt von Carlos Lasarte in der Rolle des sinistren
Hypnosespezialisten Zabala. Lasarte, der in Jaume Balaguerós großartiger
Ramsey Campbell-Adaption "The Nameless" als mörderischer Sektenchef
ein nachhaltiges Unwohlsein verursachte, weiß trotz oberflächlicher
Rollengestaltung auch hier zu überzeugen, doch leider beschränken
sich seine Auftritte auf wenige Minuten. Der Rest der Besetzung macht seine
Sache zwar ganz ordentlich, vermag aber nicht vom sprichwörtlichen
Hocker zu reißen. Doch kommen wir zur Story an sich, die sich höchst
rätselhaft präsentiert und mit dem Verschwimmen von Traum und
Realität, Wahnsinn und Ratio spielt. |
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All
das könnte durchaus Spannung erzeugen, fesseln und vielleicht sogar
unter die Haut gehen, doch "Hypnos" konfrontiert den Zuschauer leider recht
schnell mit einer fortschreitenden Vorhersehbarkeit der Dramaturgie. Die
ach so enigmatische Bildsymbolik und diverse merkwürdige Vorfälle
- so z. B. seltsame Patientenzeichnungen und Traumsequenzen, wiederholte
Realität-/ Phantasie-Sprünge, das wilde Techtelmechtel zwischen
einer Ärztin und einem Patienten am Strand, ein Patient, der sich
als angeblicher Kripobeamter im Undercovereinsatz outet etc. etc. - bleiben
für den genreerprobten Filmfreund nicht lang geheimnisvoll und lassen
recht bald die Auflösung erahnen, welche nun nicht gerade den Gipfel
an Originalität darstellt. Ähnliches wurde z. B. ein Jahr zuvor
in René Manzors raffiniertem Thriller "Dédales"
weitaus gekonnter variiert und findet sich auch schon in Anatole Litvaks
1948 entstandenem Klassiker "The Snake Pit".
Hätte
nun ein untalentierterer Zeitgenosse als David Carreras im Regiestuhl gesessen,
böte "Hypnos" anhand des kruden Skripts wahrscheinlich einen weiteren
tragischen Fall von Filmmaterialverschwendung, dessen adäquater Aufbewahrungsort
in der nächstbesten Mülltonne zu finden wäre (ich verweise
in dem Kontext nur auf den überaus gräßlichen "Breaking
Dawn"). Doch Carreras rettet das dramaturgische Flickwerk mit einer überaus
ansprechenden, optisch wirklich einfallsreichen Inszenierung und unterhält
das Auge mit einer Vielzahl visueller Spielereien: So gestaltet sich das
Innere der Klinik gestaltet als ein Labyrinth aus langen Fluren, ausladenden
Treppenfluchten und völlig weißen Behandlungsräumen ohne
jegliche Hintergrunddetails. Die Nervenklinik als archetypische Alptraumkulisse
wird hier zu einer geradezu surreal abstrahierten Bühne, Traum und
Realität können perfekt verschwimmen. Die alles dominierenden
kühlen Farben, bewußte Überbelichtungen, schöne Kamerafahrten,
eine gleichermaßen sorgfältige wie effektvolle Schnittechnik
und der gut kalkulierte Einsatz ungemütlicher Background-Sounds runden
das Ganze ab und schaffen eine stimmige, durchaus unheimliche Atmosphäre.
Trotz der oben genannten Kritikpunkte und einer ärgerlichen Vorhersehbarkeit
ist "Hypnos" allein aufgrund seiner visuelen Umsetzung einen Blick wert
und verdient freundliche vier von sechs Punkten. Bleibt bloß zu hoffen,
daß David Carreras sich irgendwann auch mal an einem richtig guten
Drehbuch versuchen darf - das Ergebnis dürfte Freude bereiten!
Zur
DVD-Umsetzung:
Die
DVD von e-m-s erfreut mit einer guten Bildqualität (Widescreen 2.35:1),
die die kalten Farben adäquat zur Geltung bringt und auch ein anständiges
Maß an Schärfe und Kontrastreichtum aufweisen kann. Der Sound
(Deutsch in DTS und DD 5.1, Spanisch in DD 5.1, deutsche Untertitel sind
einblendbar) ist hervorragend abgemischt und läßt keinen Wunsch
offen. Die Extras umfassen neben Trailer und Teaser nur ein sehr kurzes
Making Of und hätten durchaus umfangreicher ausfallen können.
©Thomas
Wagner |