FÜR
ALLE FÄLLE FITZ (Staffel 1 und 2)
(CRACKER)
GB
1993-94
Regie:
diverse.
Darsteller:
Robbie Coltrane, Geraldine Somerville, Barbara Flynn, Christopher Eccleston
Staffel
1: 3-DVD-Box, Koch Media, ca. 350 min., FSK ab 16; Staffel 2: 3-DVD-Box,
Koch Media, ca. 447 min., FSK 16
Dr.
Edward Fitzgerald (Robbie Coltrane), genannt Fitz, Kriminalpsychologe und
Universitätsdozent, wird von der Kriminalpolizei in Manchester immer
wieder gern als Profiler zu Rate gezogen, wenn es um ungewöhnliche
Verbrechen geht, bei denen die konventionellen Ermittlungs- methoden von
Chief Inspector Bilborough (Christopher Eccleston) einfach nicht fruchten
wollen. Dabei ist Fitz jedoch alles andere als ein strahlender Saubermann
mit Positive Thinking-Attitüde und befindet sich erfrischend weit
jenseits jener Stromlinien- förmigkeit, die uns von den modernen Massenmedien
als "sympathisch" verkauft wird: Der Mann ist übergewichtig, raucht
wie ein Schlot, greift gern zum Alkohol (und das nicht selten), ist spielsüchtig
und verwettet im wahrsten Sinn des Wortes Haus und Hof. Auch in der Ehe
kriselt es gewaltig, was angesichts der eben aufgezählten Problemchen
aber auch nicht mehr wundern dürfte. Und während Fitz nun einerseits
verzweifelt seine entnervte Gattin Judith (Barbara Flynn) zurückzugewinnen
will, andererseits auch einem Flirt mit Detective Sergeant Jane Penhaligon
(Geraldine Somerville) nicht abgeneigt ist, zugleich mehr schlecht als
recht versucht, den Klauen des Spielteufels zu entgleiten und tagtäglich
lustloser seinem Dozentenjob nachgeht, schafft er es dank seiner brillanten
analytischen Fähigkeiten immer wieder, die Polizei auf die richtige
Fährte zu führen.
Die
erste Staffel von "Für alle Fälle Fitz" umfaßt die folgenden
drei Fälle:
1.
"Mord ohne Erinnerungen" ("The Mad Woman in the Attic"), Regie: Michael
Winterbottom, ca. 99 Minuten
Auf
der Fahrt nach Manchester wird die junge Studentin Jacqui Appleton im Zug
bestialisch ermordet. Neben den Gleisen wird ein bewußtloser, blutverschmierter
Mann aufgefunden, der der Polizei schnell als Hauptverdächtiger gilt.
Doch der Fremde behauptet beharrlich, sein Gedächtnis verloren zu
haben. Schließlich bietet Fitz - der an der Uni der Psychologiedozent
des Opfers war - der Polizei seine Hilfe an und nimmt den Verdächtigen
in ein Kreuzverhör...
2.
"Mörderische Liebe" ("To Say I Love You"), Regie: Andy Wilson, ca.
153 Minuten
In
einer Karaoke-Bar trifft die exzentrische Tina Brien auf den schüchternen
Sean, einen Stotterer, der seinen Sprachfehler nur in höchster Erregung
oder beim Singen unter Kontrolle bringen kann. Die beiden verlieben sich
ineinander, werden zu einem unzertrennlichen Paar und als Tina von einem
Kredithai bedroht wird, lockt sie ihn in einen Hinterhalt und läßt
ihn von Sean töten. Wieder einmal wird Fitz zu Rate gezogen, der noch
am Tatort das Psychogramm eines Killerpärchens erstellt, dem das Töten
nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch Lustgewinn ist...
3.
"Tod eines Knaben " ("One Day a Lemming Will Fly"), Regie: Simon Cellan
Jones, ca. 98 Minuten
Der
14jährige Tim wird erhängt im Wald aufgefunden. Bei den Untersuchungen
stellt sich heraus, daß der Junge keinen Selbstmord verübet
hat, sondern erst ermordet und dann aufgehangen wurde. Bei seinen Nachforschungen
erfährt Fitz, daß Tim wegen seiner angeblichen Homosexualität
in
der Schule gehänselt wurde. Als Tims Englischlehrer Nigel Cassidy
einen Selbstmordversuch unternimmt, der im letzten Moment verhindert werden
kann, scheint der Fall klar zu sein: Der scheinbar homosexuelle Lehrer
ist für den Tod seines Schülers verantwortlich. Auch Fitz ist
von dieser Theorie überzeugt und während er Cassidy zu einem
Geständnis überreden will, versammelt sich vor dem Polizeirevier
ein aufgebrachter Mob...
Es
folgt die zweite Staffel mit:
1.
"Kalte Rache" ("To Be a Somebody"), Regie: Tim Fywel, 149 Minuten
Eigentlich
ist Albie Kinsella, Metallarbeiter und Fan des FC Liverpool, ein friedliebender
Mensch. Doch als sein Vater nach langer Krankheit qualvoll stirbt, durchläuft
Albies Psyche eine zerstörerische Änderung. Obwohl politisch
eher links orientiert und frei von faschistischem Gedankengut verwandelt
er sich in einen Skinhead und tötet nach einer eigentlich banalen
Auseinandersetzung den pakistanischen Besitzer eines Zeitungsladens. Die
Polizei geht zunächst von einem rassistisch motivierten Verbrchen
aus und fahndet nach einem arbeitslosen Weissen mit bildungsfernem, rechtsradikalem
Hintergrund. Albie fühlt sich durch dieses Täterprofil nur noch
mehr provoziert und beschließt erneut zu töten... |
 |
2.
"Teuflische Verführung" ("The Big Crunch"), Regie: Julian Jarrold,
148 Minuten
Kenneth
Trant, Schulleiter und in seiner Freizeit Laienprediger, sucht sich vorzugsweise
unter seinen Schülerinnen gläubigen Nachwuchs für die eigene
Sekte. Die religiöse Inbrunst artet nur zu oft in sexuelle Betätigungen
aus, so auch im Fall der jungen Joane, die schließlich ein Kind von
Trant erwartet und ihn heiraten will. Doch der ist davon ebenso wenig begeistert
wie seine Ehefrau und die Sektenführung. Um weiteren Komplikationen
vorzubeugen, beschließt man den Tod des Mädchens...
3.
"Männerphantasien ("Men Should Weep"), Regie: Jean Stewart, 149 Minuten
Der
junge Floyd, ein Farbiger mit westindischen Vorfahren und einer weißen
Mutter, jobbt illegal als Taxifahrer. Doch niemand ahnt, daß sich
in ihm ein gefürchteter Serien-Vergewaltiger verbirgt, der schon mehrere
Frauen überfallen hat. Rechtfertigung für seine Taten sind für
den in seiner Kindheit traumatisierten Floyd scheinbare rassistische Ressentiments,
denen er sich auf Schritt und Tritt ausgesetzt sieht. Bei den Ermittlungen
wird schließlich sogar Detective Sergeant Jane Penhaligon Opfer eines
maskierten Vergewaltigers und kurz darauf kommt es zu einem ersten Todesopfer...
Die
Fernsehserie "Für alle Fälle Fitz" (im Original "Cracker" betitelt)
wurde von 1993-96 von dem britischen Sender Granada Television produziert,
der u. a. auch für die großartige "Sherlock Holmes"-Serie mit
Jeremy Brett verantwortlich zeichnete. Die deutsche Erstausstrahlung erfolgte
1996 in insgesamt 19 Episoden im ZDF. Edward "Fitz" Fitzgerald - wunderbar
einfühlsam und mitreißend von Robbie Coltrane dargestellt -
ist mit Sicherheit eine der schillerndsten und faszinierendsten Figuren
der Fernsehseriengeschichte und stellt so ziemlich alle ungeschriebenen
Regeln auf den Kopf, die normalerweise für Serienhelden gültig
sind. Er ist im herkömmlichen Sinne alles andere als attraktiv, ignoriert
konsequent den Zeitgeist und die Dogmen von Political Correctness und Fitness-Wahn,
ist völlig obsessiv und lebt, liebt und leidet in vollen Zügen
(nicht zuletzt auch an sich selbst), glänzt dabei jedoch mit einem
bewundernswerten Intellekt, einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen
und einer feinfühligen Sensibilität, die man ihm vordergründig
kaum zutrauen mag. Der Antiheld Fitz ist alles andere als perfekt und vielleicht
sind es auch gerade seine diversen Makel, seine eigenen versteckten Teufel,
die es ihm ermöglichen, sich in die Psyche eines Täters hineinzuversetzen,
treffende Profile zu erstellen oder in intensiven Gesprächen mit Verdächtigen
zur Wahrheit vorzudringen. Es ist nicht so sehr das klassische Krimirätsel
um den Täter, sondern vielmehr die Frage warum ein Verbrechen verübt
wurde; jeder neue Fall gestaltet sich als komplexes psychologisches Puzzle,
das den Zuschauer bis zur Auflösung fesselt. Die von Jimmy McGovern
verfaßten Drehbücher sind vielschichtig und tiefsinnig, zeichnen
sich dabei aber auch durch ein sehr unterhaltsames Erzähltempo und
viel Humor aus. Ihre filmische Umsetzung erfolgte kongenial durch eine
Reihe junger talentierter Regisseure unter denen sich u. a. auch Michael
Winterbottom ("24 Hour Party People", "Code 46") findet. "Für alle
Fälle Fitz" gehört zu den wenigen Beispielen moderner Fernsehunterhaltung,
bei denen sich Kritiker und Zuschauer in ihrem Lob einig sind und Qualität
auch durch angemessenen Erfolg gewürdigt wird: In Großbritannien
erzielte die Serie Marktanteile bis zu 58% und im Schnitt 13 Mio. Zuschauer
pro Folge. Auch international konnten große Erfolge verbucht werden,
so wurde "Fitz" bislang in 33 Länder verkauft und erhielt zahlreiche
Auszeichnungen. Von 1997-98 wurde in den USA sogar eine spezifisch amerikanische
Variante der Serie produziert, in der Robert Pastorelli den Part des Dr.
Fitzgerald übernahm; mit dem Original konnte sich dieses Remake jedoch
nicht einmal ansatzweise messen.
Zur
DVD-Umsetzung:
Koch
Media präsentiert die ersten beiden Staffeln der Serie in zwei DVD-Boxen
mit je drei DVDs in einem hübsch gestalteten Digipacks. Dabei wurden
die Fälle nicht etwa (wie bei den TV-Ausstrahlungen) in mehrere Folgen
zerpflückt, sondern als einheitliche Spielfilme belassen. Die Bildqualität
(4:3) ist sehr ordentlich ausgefallen und bietet keinerlei Unschärfen
oder Störungen. Gleiches gilt auch für den Ton (Deutsch und Englisch
DD 2.0), wobei die englische Tonspur noch etwas besser ausfällt. Leider
gibt es keinerlei Extras, nicht einmal ein Booklet - und das ist wirklich
der einzige Kritikpunkt an dieser ansonsten rundum gelungenen Veröffentlichung.
Die dritte Staffel der Serie ist übrigens für den September 2006
angekündigt.
©Thomas
Wagner |