EXORZIST:
DER ANFANG
(EXORCIST:
THE BEGINNING)
USA
2004
Regie:
Renny Harlin
Darsteller:
Stellan Skarsgård, Izabella Scorupco, James D'Arcy, Julian Wadham
DVD,
Warner Home Video, ca. 109 min., FSK ab 16
Durch
die Greuel, die er im 2. Weltkrieg miterleben muß, verliert Pater
Lankester Merrin (Stellan Skarsgård) seinen Glauben an Gott. Er legt
das Priesteramt nieder, verläßt seine Heimat Holland und geht
nun seinem ursprünglichen Beruf als Archäologe nach. 1949 wird
er gebeten, eine Ausgrabungsstätte in der britischen Kolonie Kenia
zu begutachten. Dort wurde in der abgelegenen Turkana-Region eine versunkene
christliche Kirche aus der byzantinischen Epoche entdeckt; ein ungewöhnlicher
Fund, denn vor runden 1500 Jahren war das Christentum noch lange nicht
so weit in den Süden Afrikas vorgedrungen.
Als
Merrin gemeinsam mit dem jungen Priester Francis (James D'Arcy) vor Ort
eintrifft, ist er von der Kiche fasziniert: Der Bau zeigt keinerlei Verwitterungsspuren
und wurde offensichtlich sofort nach seiner Fertigstellung unter einem
Erdhügel begraben. Später entdeckt er in der Kirche einen Einstieg
in unterirdische Katakomben, wo sich das Standbild eines heidnischen Dämons
befindet. Sollte die darüber errichtete Kirche mit all ihren Symbolen
dafür sorgen, daß etwas hier ansässiges nicht an die Oberfläche
gelangen konnte...?
Recht
bald häufen sich rund um den Ausgrabungsort unheimliche Vorfälle:
Arbeiter verschwinden spurlos, ein Junge wird von Hyänen zerfleischt,
dessen kleiner Bruder Joseph (Remy Sweeney) fällt in ein unerklärliches
Koma und eine Frau aus dem Turkana-Dorf bringt ein totes, von Maden wimmelndes
Baby zur Welt. Die Stimmung unter den Turkana wird immer gereizter, sie
machen die weißen Archäologen für das Geschehen verantwortlich
und sind überzeugt davon, daß Joseph - der sich im Hospital
der Ärztin Sarah (Izabella Scorupco) befindet - von einem bösen
Geist besessen ist. Schließlich rückt eine Abteilung britischer
Soldaten unter dem Kommando Major Granvilles (Julian Wadham) an, um die
Lage unter Kontrolle zu halten. Doch das Gegenteil geschieht: Als kurz
darauf ein Engländer ermordet und verstümmelt in der Kirche aufgefunden
wird, eskaliert die Situation in einem Ausbruch sinnloser Gewalt. Das sprichwörtliche
Böse scheint die Menschen zu infizieren und Lankester Merrin steigt
schließlich nochmals in die Katakomben hinab, um sich dem Dämon
zu stellen...
Exorzist:
Der Anfang ist als Prequel zu William Friedkins Horrorklassiker The
Exorcist angelegt und schildert die Vorgeschichte, in der Pater Merrin
(im Original von Max von Sydow dargestellt) das erste Mal mit dem Dämon
Pazuzu konfrontiert wird und durch dieses Ereignis letztendlich zu seinem
Glauben zurückfindet. Angesichts der Vielzahl überflüssiger
Remakes und Sequels, die Hollywood nun schon zu allen möglichen Filmen
ausgespien hat, rechnet man bei einem solchen Prequel wieder einmal mit
dem schlimmsten. Doch Regisseur Renny Harlin (der u. a. auch für das
spaßige Bruce Willis-Vehikel Die Hard 2 verantwortlich zeichnet)
gelang hier ein z. T. visuell recht ansprechender Horrorfilm, der nicht
zwanghaft das Original zitiert, bzw. einen schalen Aufguß dessen
serviert, sondern mit einer durchaus eigenständigen Geschichte und
Erzählstruktur aufwarten kann. Auch wenn Fans von The Exorcist
das jetzt als Sakrileg empfinden mögen gebe ich zu, von diesem Konzept
recht angetan zu sein - Friedkins 1973 entstandenes Original ist zwar unbestreitbar
ein Klassiker und wichtiger Punkt in der Geschichte des Horrorfilms, mit
Drehbuch- und Romanautor William Peter Blattys reaktionär katholischer
Weltsicht konnte ich allerdings schon immer wenig anfangen (als lohnende
Alternative zum Thema dämonische Besessenheit empfehle ich an dieser
Stelle Alberto de Martinos exzellenten und sträflich unterbewerteten
Film L'Antichristo, der eigentlich eine separate Besprechung lohnen
würde). |
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Doch
widmen wir uns weiter dem Prequel: Optisch wird das Ganze recht hübsch
serviert, so z. B. in den beeindruckenden afrikanischen Landschaftsaufnahmen,
aber auch in den düster-atmosphärischen Szenen in der byzantinischen
Kirche. Unheimliche Stimmung wird hier über weite Teile mit Licht-/Schattenspielereien,
geschickten Schnitten und dem Einsatz von Soundeffekten erzeugt; der Gore-
und Ekelanteil hält sich in Grenzen, wirkt dafür aber um so effektiver.
Lob verdient auch die überzeugende Besetzung, vor allem Hauptdarsteller
Stellan Skarsgård, der mit sympathischem Understatement glaubhaft
den Part Pater Merrins verkörpert und sich erstaunlicherweise nicht
hinter der schauspielerischen Leistung Max von Sydows zu verstecken braucht.
Die
Story an sich ist recht komplex angelegt und bietet viele interessante
Elemente und Querverweise (so wird die Ausgrabungsstätte z. B. einmal
als "der Ort, an dem Luzifer auf die Erde stürzte" bezeichnet).
Und trotz der offenkundigen Präsenz des Übernatürlichen
wird uns das Böse hier oft genug als von Menschenhand verursacht präsentiert:
Merrin mußte als Priester miterleben, wie Nazis unschuldige Zivilisten
ermordeten; Sarah verbrachte die Kriegsjahre in einem KZ; der scheinbar
kultvierte, schmetterlingssammelnde Major Granville - für den die
Schwarzen "Wilde" sind - wird schließlich unbewußt zu einem
Diener des Bösen und provoziert durch die kaltblütige Erschießung
des Turkana-Häuptlings einen gewalttätigen Aufstand. Es würde
nun gewiß zu weit führen, in diesen (ja doch in erster Linie
auf kommerzielle Unterhaltung angelegten) Film gewollte Kommentare zu Kolonialismus,
Rassismus oder zum aktuellen Zeitgeschehen hineinzuinterpretieren - wenn
jedoch der völlig sinnlose Kampf zwischen britischen Soldaten und
Turkana-Kriegern ausbricht, kommen einem schon irgendwie die aktuellen
Vorgänge im Irak in den Sinn.
Angesichts
des vorangegangenen Filmverlaufs erscheint dann allerdings der Showdown
in den Katakomben etwas unbefriedigend, was dem doch recht stereotypen
Gebahren des Dämons zuzuschreiben ist: Anstatt bei dieser Gelegenheit
einmal etwas interessantes von sich zu geben (z. B. Anekdoten aus dem Krieg
zwischen Himmel und Hölle, Erinnerungen aus der Antike oder auch einfach
nur Bemerkungen zum allgemeinen Weltgeschehen), ergeht Pazuzu sich grimassierend
im sattsam bekannten "Fick mich"-Einzeiler-Repertoire, was nun doch
etwas dürftig erscheint (und den recht weltoffenen Merrin kaum noch
erschrecken kann). Nicht gerade gelungen sind auch die - erfreulicherweise
nur sparsam eingesetzten - CGI-Effekte, so geraten z. B. die digital animierten
Hyänen mit ihren ruckelnden Bewegungsabläufen zur unfreiwilligen
Lachnummer.
Von
diesen Kritikpunkten abgesehen ist Exorzist: Der Anfang jedoch ein
solide inszenierter und größtenteils wirklich spannend unterhaltender
Horrorfilm, den man nicht mit dem Original vergleichen kann und sollte.
Die
DVD präsentiert den Film in sehr guter Bild- (Widescreen 1.85:1) und
Tonqualität (DD 5.1, Deutsch und Englisch, Untertitel einblendbar).
Der Bonusteil umfaßt den Trailer, ein ziemlich belangloses Behind
The Scenes-Special sowie einen Audiokommentar von Renny Harlin.
Übrigens
ist diese mit einer FSK16-Altersfreigabe versehene Veröffentlichung
wohl tatsächlich ungeschnitten, was mich anhand einiger doch recht
derber Szenen gelinde erstaunt hat. Haben die bundesdeutschen Zensoren
da ein Mittagsschläfchen gehalten? Um so besser....:-)
©Thomas
Wagner |