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Essay zum Film:
Medusas Spiegelbild -
Barbara Steele in La Maschera del Demonio
"Entering the cool, dark set was like entering a medieval cathedral on a midsummer afternoon. Echoes of an ancient civilization that has been dormant for centuries. This odd silence descended upon us, this hushed, suspended world ... The whole film was so mono- chromatic that nobody, not even a crew member, wore a single color on the set - hypnotically beautiful ..."

Barbara Steele über die Dreharbeiten zu LA MASCHERA DEL DEMONIO

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DIE STUNDE WENN  
DRACULA KOMMT 
(LA MASCHERA  
DEL DEMONIO) 
Italien 1960 
Regie: Mario Bava 
Darsteller: Barbara Steele,  
John Richardson, Andrea  
Checchi, Arturo Dominici 
 
 
DVD, e-m-s, ca. 85 min., FSK ab 16 
 
Moldawien im Jahre 1630: Die Inquisition hält Gericht über Prinzessin Asa (Barbara Steele) und ihren Geliebten Javutich (Arturo Dominici). Während Javutich bereits leblos in seinen Fesseln hängt, stehen Asa die Torturen noch bevor. Nachdem man sie ausgepeitscht und ihr das Hexenmal auf den Rücken gebrannt hat, verurteilt der Großinquisitor - ihr eigener Bruder - sie wegen vampirischer Umtriebe, Hexerei und Buhlerei mit dem Teufel ebenfalls zum Tode. 

Doch noch im Angesicht des Todes verflucht sie ihre Familie und schwört, eines Tages zu den Lebenden zurückzukehren, um ihre Rache zu vollenden - dann wird ihr vom Henker eine eiserne Teufelsmaske auf das Gesicht genagelt. Zwei Jahrhunderte später durchreisen Professor Kruvajan (Andrea Checchi) und sein Assistent Gorobek (John Richardson) denselben Landstrich und stoßen zufällig auf Asas Gruft. Als Kruvajan das Grab untersucht, entfernt er die Teufelsmaske von Asas Gesicht und ermöglicht ihr so unbeabsichtigt die Rückkehr aus dem Totenreich... 

Der (sehr frei auf Nikolai Gogols Erzählung "Der Wij" basierende) italienische Horrorklassiker "Die Stunde wenn Dracula kommt" entstand 1960 als "offizielles" Regiedebüt des renommierten Kameramannes und Spezialeffekt-Designers Mario Bava, der bereits schon zuvor - wenn auch ohne in den Credits Erwähnung zu finden - in einigen Produktionen sein Regietalent unter Beweis gestellt hatte. Der Originaltitel "La maschera del demonio" war eine ironische Anspielung auf die Hammerproduktion "The Curse of Frankenstein", die in Italien als "La maschera di Frankenstein" die Kinokassen gefüllt hatte und für die Produzenten war der Film auch in erster Linie eine Antwort auf die damaligen Erfolge der britischen Konkurrenz. Doch das Ergebnis übertraf die Erwartungen bei weitem. "Die Stunde wenn Dracula kommt" konnte in Italien und auch international große Erfolge verbuchen, und fand mit seiner kunstvollen Umsetzung sogar Anerkennung in der "seriösen" Filmkritik. 
Zu Recht: "Die Stunde wenn Dracula kommt" ist weitaus mehr als ein schnell gedrehtes B-Picture, das seinen Produktionsetat um ein Vielfaches wieder einspielte. Es ist ein Film wie ein Traum, in immens eleganten Schwarzweißbildern gefilmt, oftmals ungewöhnliche Kameraperspektiven nutzend (sei dies nun die subjektive Sichtweise Asas, als sich ihr die dornenbewehrte Eisenmaske nähert oder diverse verwinkelte Aufnahmen aus der Voyeursperspektive etc.) und mit meisterhafter Raffininesse ausgeleuchtet. Elemente des expressionistischen Stummfilms verbinden sich hier mit freizügigen Gewaltdarstellungen a la Hammer und einer starken unterschwelligen Erotik (personifiziert in der wunderbaren Barbara Steele, die hier von Bava unvergleichlich in Szene gesetzt wurde) zu einem sinnlich-atmosphärischen Gothic Horrors-Bilderrausch. Mit einfachsten Mitteln, einem lächerlichen Budget, aber viel, viel Liebe zur Materie entstand hier eines der schönsten Kapitel phantastischer Filmgeschichte - ein Paradebeispiel für die rein visuelle, quintessentielle, märchenhafte Magie des Kinos, in die man sich mit kindlicher Begeisterung hineinfallen lassen kann, um auf ewig von ihr verzaubert zu werden. Mario Bava erschuf mit diesem Film ein Schlüsselwerk des Phantastischen Films, das zugleich der Auslöser einer ganzen Serie von Gothic Horror- Produktionen war, die das italienische Genrekino der 60er Jahre prägen sollten. 

Der deutsche Titel "Die Stunde wenn Dracula kommt" ist übrigens absoluter Unfug, dessen einziger Sinn wohl darin lag, die damalige Popularität der "Dracula"-Verfilmung der Hammer Studios auszunutzen.


In der deutschen Synchronfassung wird dieser Etikettenschwindel auch innerhalb der Handlung schamlos fortgeführt und so wird aus Javutich (an für sich ja nur Asas treu ergebener Geliebter und untotes Faktotum) kurzerhand Dracula höchstselbst, der die reizende Dame einst durch obligatorischen Biß vampirisierte und nun zur Fortführung seiner eigenen finsteren Zwecke nutzen will. Wer die Geschichte unverfälscht genießen will, sollte also auf die italienische oder englische Sprach- fassung zurückgreifen (wobei man fairerweise anmerken muß, daß die Fähigkeiten der deutschen Synchronsprecher weitaus erfreulicher sind, als die ihrer teils recht steif agierenden US-Kollegen).

Zur DVD-Umsetzung: 
Mit der restaurierten Fassung von "Die Stunde wenn Dracula kommt" legt das Label e-m-s nun den vierten Teil und bisherigen Höhepunkt der Reihe "The Films of Mario Bava" vor; zugleich ist dies auch eine Premiere, denn der Film wurde in Deutschland bislang weder auf Video noch auf DVD veröffentlicht. Ebenso wie die vorangegangenen Titel hält auch diese DVD einem internationalen Qualitätsvergleich mühelos stand; wie auch schon bei "Der Dämon und die Jungfrau" lag auch hier ein italienisches Master zugrunde und das Ergebnis kann sich rundum sehen lassen. Das Bild (Widescreen 1.66:1 anamorph) besticht mit einem exzellenten Kontrastreichtum und einer guten Schärfe, auch kleine Bilddetails werden hervorragend wiedergegeben. Verschmutzungen oder Defekte fallen hier so gut wie gar nicht auf, obwohl dies für einen 45 Jahre alten Film keinesfalls ungewöhnlich wäre. 

Auch der Ton (Deutsch, Englisch und Italienisch in DD 1.0 Mono, deutsche Untertitel einblendbar) überzeugt. Zwar gilt es hier einige altersbedingte Qualitätsabstriche zu machen, grobe Verzerrungen, Übersteuerungen o. ä. gibt es jedoch keine und auch das Mischungsverhältnis zwischen Dialogen und Musik ist angenehm ausgewogen geraten. In puncto technischer Qualität übertrifft diese Veröffentlichung tatsächlich die US-DVD von Image Entertainment und enthält außerdem auch noch eine zusätzliche Dialogszene, die bislang nur bei den italienischen Versionen des Films zu finden war. 

Doch Grund zur Begeisterung gibt es auch bei dem überdurchschnittlich umfangreich ausgefallenem Bonusteil: Dieser beinhaltet ein kurzes aber sehr informatives Interview mit Barbara Steele, unveröffentlichte Szenen vom Schneidetisch, den englischen und italienischen Trailer, drei unterschiedliche Titelsequenzen, sechs (!!) verschiedene Bildergalerien, Bio- und Filmographien zu Mario bava, Barbara Steele und John Richardson, einen hochinteressanten Audiokommentar des amerikanischen Filmhistorikers und Bava-Biographen Tim Lucas sowie als ganz besondere Zugabe die 40seitige Comicadaption "Die Maske des Dämon", die von dem Künstlerpaar Benno S. Orro und Nicole S. Orro exklusiv für diese DVD kreiert wurde. Besondere Erwähnung verdienen auch die phantasievoll gestalteten Menüs (so gibt es z. B. eine 3D-Animation der Teufelsmaske) und natürlich auch die wieder einmal sehr geschmackvoll gelungene Aufmachung der DVD: Das Amaray-Case steckt in einem prächtig gestalteten Pappschuber (Artwork von Schuber und Case sind übrigens unterschiedlich), außerdem liegt auch ein informatives, achtseitiges Booklet mit Liner Notes von Tim Lucas bei. 

"Die Stunde wenn Dracula kommt" ist zweifelsohne einer der schönsten Horrorfilme aller Zeiten und wurde hier in einer durch und durch begeisternden Art und Weise auf DVD umgesetzt. Man kann die Verantwortlichen von e-m-s für diesen sorgfältigen und liebevollen Umgang mit einem Klassiker gar nicht genug loben - hier waren Fans am Werk und das Ergebnis ist im wahrsten Sinn des Wortes "Love's Labour". Besser kann man so etwas einfach nicht machen!
 
 

©Thomas Wagner