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Dédales - Würfel um dein Leben (Dédales)
Rein äußerlich wirkt die junge Claude (Sylvie Testud), als könne sie keiner Fliege etwas zu Leide tun - doch hinter der zierlichen jungen Frau mit den dicken Brillen- gläsern verbirgt sich eine Serienmörderin, die 27 Menschen auf dem Gewissen haben soll. Da Claude behauptet, sich an keine ihrer Taten erinnern zu können, wird sie in eine Hochsicherheits- anstalt überführt und soll dort auf ihre Schuldfähig- keit untersucht werden. 
Dort stellt sich bald heraus, daß Claude an einem extremen Fall von multipler Persönlichkeits- störung leidet.

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DEATHWATCH

GB/Deutschland 2002
Regie: Michael J. Bassett
Darsteller: Jamie Bell, Hugh O'Conor, Hugo Speer

VHS (auch als DVD erhältlich), Universal, ca. 91 min., FSK ab 18
 

Die Westfront in Flandern, 1915: Nach einem Sturmangriff, der in einem Desaster endet, ist die britische Y-Kompanie nahezu völlig aufgerieben. Nur einer kleinen Gruppe von Soldaten gelingt es unter der Führung des unerfahrenen Captain Jennings (Laurence Fox) der Hölle zu entkommen.

Die Versprengten verirren sich in einem dichten Nebel (den sie anfangs irrrtümlich für Giftgas halten) und finden sich irgendwann vor einem Netzwerk deutscher Schützengräben wieder. Zu ihrer Überraschung befindet sich nur noch eine Handvoll Deutscher dort, die vor irgendetwas panische Angst zu haben scheinen und sich nicht einmal zur Wehr setzen, als die Briten ihre Stellung einnehmen. Ein einziger deutscher Soldat überlebt den Angriff und versucht danach den Siegern verzweifelt etwas mitzuteilen, doch er kann sich ihnen nicht verständlich machen und wird in einem Unterstand eingesperrt. Captain Jennings befiehlt, den Graben zu sichern und dort auf Verstärkung zu warten, sämtliche Versuche per Funk Kontakt mit dem Hauptquartier aufzunehmen scheitern jedoch. Etwas Seltsames scheint in diesem Labyrinth vorzugehen: Überall stapeln sich die verwesenden Leichen deutscher Soldaten, die sich offenbar gegenseitig umgebracht haben und recht bald werden auch die Briten mit mysteriösen Erscheinungen konfrontiert, und finden sich in einer schier ausweglosen Hölle aus Paranoia, Klaustrophobie und ihren eigenen Ängsten wieder. Nach dem mysteriösen Tod eines Kameraden, der von Stacheldraht schier verschlungen wird, dauert es nicht lang, bis die Dinge eskalieren einer nach dem anderen zum Opfer einer nicht greifbaren Macht wird....

Deathwatch ist das Regiedebüt Michael J. Bassetts, der hier das Grundkonzept eines klassischen "Haunted House"-Films im Stile von Robert Wises The Haunting in das mörderische Umfeld des 1. Weltkriegs verlagert und das Ergebnis ist purer, durch und durch beklemmender Horror: Das Grauen des Krieges wird in höchst realistischen und expliziten Bildern dargestellt. 


Es scheint keine Welt mehr abseits des Schlachtfelds und der Gräben zu existieren; ein nicht enden wollender Regen verwandelt diese Landschaft in ein morastiges Biotop des Todes und der Verwesung, das von Bergen gesichtsloser, verstümmelter Leichen gedüngt wird. Stacheldraht ersetzt hier die Vegetation und entwickelt ein mörderisches Eigenleben. Das Individuum gilt nichts vor diesem Hintergrund, aber dennoch werden die wirklich hervorragend dargestellten Protagonisten zu lebendigen Figuren, deren Schicksale den Zuschauer nicht kalt lassen. Herausragend sind hier Hugh O'Conor als gläubiger Katholik Bradford, dessen Gottgläubigkeit eine mörderische Wendung zum Bösen nehmen muß sowie Jamie Bell in der Rolle des 16jährigen Gefreiten Charlie Shakespeare, der sich bis zum Schluß seine Menschlichkeit bewahrt.

Und ebenso wie die Menschen scheint auch die blutgetränkte Erde unter dem alles dominierenden destruktiven Wahnsinn zu leiden. Hat sich in ihr eine aus Schmerz und Tod geborene Wesenheit geformt, die jetzt Rache an den Akteuren des Krieges nimmt? Oder sind es die Seelen tausender dahingeschlachteter Soldaten, die keine Ruhe finden? Der Zuschauer erhält ebenso wie die Akteure bis zum Ende des Films keine klare Antwort auf diese Fragen. Die Dinge geschehen einfach in diesem Alptraum-Szenario, eine Tragödie zieht die nächste nach sich und der Grundtenor bleibt höchst surreal.
 

Es ist also nur logisch, daß Deathwatch höchst kontroverse Meinungen hervorruft und Freunden konventionellen US-Popcorn-Horrors sei an dieser Stelle auch dringend von diesem Film abgeraten. Wer sich jedoch auf ein unter die Haut gehendes, nachhaltig beeindruckendes Filmerlebnis einlassen will, das zeigt, wie phantastisches Kino sein kann, wenn man den Mut hat, sich abseits der gängigen Klischeepfade zu bewegen, wird nicht entäuscht werden. Deathwatch - übrigens ebenso wie der 1. Weltkrieg eine europäische Coproduktion - ist mit Sicherheit einer der interessantesten Horrorfilme der letzten Jahre.
 
 

©Thomas Wagner