DEATHWATCH
GB/Deutschland
2002
Regie:
Michael J. Bassett
Darsteller:
Jamie Bell, Hugh O'Conor, Hugo Speer
VHS
(auch als DVD erhältlich), Universal, ca. 91 min., FSK ab 18
Die
Westfront in Flandern, 1915: Nach einem Sturmangriff, der in einem Desaster
endet, ist die britische Y-Kompanie nahezu völlig aufgerieben. Nur
einer kleinen Gruppe von Soldaten gelingt es unter der Führung des
unerfahrenen Captain Jennings (Laurence Fox) der Hölle zu entkommen.
Die
Versprengten verirren sich in einem dichten Nebel (den sie anfangs irrrtümlich
für Giftgas halten) und finden sich irgendwann vor einem Netzwerk
deutscher Schützengräben wieder. Zu ihrer Überraschung befindet
sich nur noch eine Handvoll Deutscher dort, die vor irgendetwas panische
Angst zu haben scheinen und sich nicht einmal zur Wehr setzen, als die
Briten ihre Stellung einnehmen. Ein einziger deutscher Soldat überlebt
den Angriff und versucht danach den Siegern verzweifelt etwas mitzuteilen,
doch er kann sich ihnen nicht verständlich machen und wird in einem
Unterstand eingesperrt. Captain Jennings befiehlt, den Graben zu sichern
und dort auf Verstärkung zu warten, sämtliche Versuche per Funk
Kontakt mit dem Hauptquartier aufzunehmen scheitern jedoch. Etwas Seltsames
scheint in diesem Labyrinth vorzugehen: Überall stapeln sich die verwesenden
Leichen deutscher Soldaten, die sich offenbar gegenseitig umgebracht haben
und recht bald werden auch die Briten mit mysteriösen Erscheinungen
konfrontiert, und finden sich in einer schier ausweglosen Hölle aus
Paranoia, Klaustrophobie und ihren eigenen Ängsten wieder. Nach dem
mysteriösen Tod eines Kameraden, der von Stacheldraht schier verschlungen
wird, dauert es nicht lang, bis die Dinge eskalieren einer nach dem anderen
zum Opfer einer nicht greifbaren Macht wird....
Deathwatch
ist das Regiedebüt Michael J. Bassetts, der hier das Grundkonzept
eines klassischen "Haunted House"-Films im Stile von Robert Wises The
Haunting in das mörderische Umfeld des 1. Weltkriegs verlagert
und das Ergebnis ist purer, durch und durch beklemmender Horror: Das Grauen
des Krieges wird in höchst realistischen und expliziten Bildern dargestellt. |
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Es
scheint keine Welt mehr abseits des Schlachtfelds und der Gräben zu
existieren; ein nicht enden wollender Regen verwandelt diese Landschaft
in ein morastiges Biotop des Todes und der Verwesung, das von Bergen gesichtsloser,
verstümmelter Leichen gedüngt wird. Stacheldraht ersetzt hier
die Vegetation und entwickelt ein mörderisches Eigenleben. Das Individuum
gilt nichts vor diesem Hintergrund, aber dennoch werden die wirklich hervorragend
dargestellten Protagonisten zu lebendigen Figuren, deren Schicksale den
Zuschauer nicht kalt lassen. Herausragend sind hier Hugh O'Conor als gläubiger
Katholik Bradford, dessen Gottgläubigkeit eine mörderische Wendung
zum Bösen nehmen muß sowie Jamie Bell in der Rolle des 16jährigen
Gefreiten Charlie Shakespeare, der sich bis zum Schluß seine Menschlichkeit
bewahrt.
Und
ebenso wie die Menschen scheint auch die blutgetränkte Erde unter
dem alles dominierenden destruktiven Wahnsinn zu leiden. Hat sich in ihr
eine aus Schmerz und Tod geborene Wesenheit geformt, die jetzt Rache an
den Akteuren des Krieges nimmt? Oder sind es die Seelen tausender dahingeschlachteter
Soldaten, die keine Ruhe finden? Der Zuschauer erhält ebenso wie die
Akteure bis zum Ende des Films keine klare Antwort auf diese Fragen. Die
Dinge geschehen einfach in diesem Alptraum-Szenario, eine Tragödie
zieht die nächste nach sich und der Grundtenor bleibt höchst
surreal.
Es
ist also nur logisch, daß Deathwatch höchst kontroverse
Meinungen hervorruft und Freunden konventionellen US-Popcorn-Horrors sei
an dieser Stelle auch dringend von diesem Film abgeraten. Wer sich jedoch
auf ein unter die Haut gehendes, nachhaltig beeindruckendes Filmerlebnis
einlassen will, das zeigt, wie phantastisches Kino sein kann, wenn man
den Mut hat, sich abseits der gängigen Klischeepfade zu bewegen, wird
nicht entäuscht werden. Deathwatch - übrigens ebenso wie
der 1. Weltkrieg eine europäische Coproduktion - ist mit Sicherheit
einer der interessantesten Horrorfilme der letzten Jahre.
©Thomas
Wagner |