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Das Zweite Gesicht
(The Good Son)
Der kleine Mark (Elijah Wood) hat kaum den Tod seiner Mutter verkraftet, als sein Vater auch schon für zwei Wochen geschäft- lich verreisen muß und seinen emotionell schwer angeschlagenen Sohn für diese Zeit bei dessen Onkel und Tante unter- bringt. Hier lernt Mark auch seinen Cousin Henry (Macaulay Culkin) und dessen kleine Schwester Connie kennen. Anfangs erscheint es, als würden die Jungen gute Freunde werden, doch Henry entpuppt sich recht schnell als wenig liebenswerter Zeitge- nosse: Erst tötet er mit einer selbstgebauten Armbrust einen Hund; dann verursacht er durch von einer Autobahnbrücke geworfenen Puppe einen Auffahrunfall und schließlich versucht er auch noch seine Schwester umzubringen. 

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DAS SCHWARZE MUSEUM
(HORRORS OF THE BLACK MUSEUM) 

Großbritannien 1959
Regie: Arthur Crabtree 
Darsteller: Michael Gough, Geoffrey Keen, June Cunningham, Graham Curnow

DVD, Anolis/e-m-s, ca. 78 min., FSK ab 12
 

Ein unheimlicher Serienkiller treibt in London sein Unwesen und bedient sich bei seinen Untaten ausgesprochen unkonventioneller Mordmethoden: So wird z. B. einer Frau ein anonymes Paket zugestellt, in dem sich ein Fernglas befindet. Als sie das vermeintliche Geschenk ausprobieren will, schießen aus den Okularen lange Klingen in ihre Augen, die sie sofort töten. 

Scotland Yard steht vor einem Rätsel; die Morde ergeben keinen Sinn, die Auswahl der Opfer (welche in keinem Zusammenhang zueinander stehen) entbehrt jeglicher Methodik und scheint rein nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen. Der mit den Ermittlungen betraute Chefinspektor Graham (Geoffrey Keen) sieht sich zusätzlich auch noch den spöttischen Zeitungskolumnen des Autors und Kriminologen Edmond Bancroft (Michael Gough) ausgesetzt. Bancroft, der im Keller seines Hauses ein morbides „Schwarzes Museum“ eingerichtet hat und gerade an seinem neuen Buch „Die Poesie des Mordes“ arbeitet, legt für diese Mordserie ein besonders auffälliges Interesse an den Tag. Bald beginnt Chefinspektor Graham zu ahnen, daß dies nicht nur beruflicher Natur ist... 

„Das schwarze Museum“ („Horrors of the Black Museum“) entstand 1959 in der Regie des Kinoveteranen Arthur Crabtree, der bereits ein Jahr zuvor mit dem SciFi-Horror-Mix „Fiend without a Face“ eine kleine Genreperle gedreht hatte. Der Film war eine Produktion der Firma Anglo Amalgamated, die im folgenden Jahr auch die Horrorthriller „Circus of Horrors“ (unter dem Titel „Der rote Schatten“ ebenfalls bei Anolis erschienen) und „Peeping Tom“ fabrizierte, und ging gemeinsam mit diesen als sogenannte „Sadian Trilogy“ (in Bezug auf den morbiden Voyeurismus Marquis de Sades) in die britische Horrorfilmgeschichte ein. Alle drei Filme präsentieren in bester blutiger Grand Guignol-Tradition höchst innovative Sadismen und Mordmethoden, und spielen zugleich mit einem zynischen Augenzwinkern auch mit dem Voyeurismus und der Sensationslust des Kinopublikums. In „Das schwarze Museum“ findet diese Lust am Morbiden ihre fleischgewordene Entsprechung in dem Schriftsteller Bancroft, der sein ganzes Leben der Kunst des Mordens gewidmet hat. In seinem eigenen „Schwarzen Museum“ (so genannt in Anspielung auf das der Öffentlichkeit nicht zugängliche „Black Museum“ von Scotland Yard) sammelt er Mordinstrumente und Darstellungen scheußlichster Verbrechen, und beginnt schließlich als Täter die Welt mit seinen eigenen „Kunstwerken“ zu beglücken. Ihm zur Seite steht der junge naive Rick, der – von seinem Herrn und Meister regelmäßig unter Drogen gesetzt – die Schmutzarbeit für ihn erledigt. 


Vergleicht man „Das schwarze Museum“ mit den anderen beiden Filmen der „Sadian Trilogy“, fällt dieser, wenngleich handwerklich sehr hübsch inszeniert, schon ein bißchen ab. In erster Linie ist dies dem tumben Bancroft-Sidekick Rick (verkörpert von einem gewissen Graham Curnow, der nach nur zwei Filmrollen wieder in der wohlverdienten Versenkung verschwand) zu verdanken, dessen Schicksal eigentlich niemanden so richtig interessiert und dessen hölzernes Geturtel mit Freundin Angela (Shirley Ann Field) wohl irgendwie ein Zugeständnis ans Teenie-Publikum des Jahres 1958 sein sollte. Auch die Story und die Dialoge haben zugegebenermaßen ihre kleinen Schwächen, worüber man jedoch getrost hinwegsehen kann, denn im Zentrum des Ganzen steht die Figur des mordenden Künstlers Bancroft, der von Michael Gough einfach großartig dargestellt wird. Gough (der sein Horrorfilmdebüt zuvor an der Seite von Peter Cushing und Christopher Lee in „Dracula“ absolviert hatte) verkörpert diesen psychopathischen Ästheten als eine herrlich manirierte Mixtur aus feinsinnig kultiviertem Schöngeist, von der eigenen Brillanz überzeugtem Egomanen und zynischem Misanthropen mit latent bisexuellen Anflügen (seine offenkundig eifersüchtige Reaktion als Ricks Freundin Angela im Museum auftaucht und damit die bis dahin herrschende traute Zweisamkeit zerstört spricht in dieser Hinsicht Bände); dazu gesellt sich schließlich auch noch eine offensichtliche Impotenz (die bei einem Streit zwischen Bancroft und seiner Geliebten zwischen den Zeilen überdeutlich offenbart und auch noch durch eine Gehbehinderung – ohne seinen Stock ist er nichts! – versinnbildlicht wird). Kurz und gut: Edmond Bancroft ist ein Gesamtkunstwerk und Michael Goughs flamboyant-dekadente Darstellung dieser Figur sorgt dafür, daß „Das schwarze Museum“ trotz einiger Schwachpunkte heute als ein Klassiker des Horrorfilms gilt. Wer die guten alten Tage des britischen Horrorkinos zu schätzen weiß und ein Quentchen schwarzen Humor sein eigen nennt, wird an diesem Film zweifelsohne seine Freude haben. 
 

Zur DVD-Umsetzung: 
Anolis Entertainment präsentiert mit „Das schwarze Museum“ den sechsten Teil der Reihe British Horror Classics. Die DVD erfreut wieder einmal mit einer sehr guten Bildqualität (1:2,35), die die kräftigen Farben dieses Klassikers bestens zur Geltung bringt. Auch der Ton (DD 2.0, Deutsch und Englisch, deutsche Untertitel einblendbar) kann vollauf überzeugen, wobei die deutsche Fassung noch etwas klarer klingt. Der Bonusteil ist recht umfangreich ausgefallen und beinhaltet diverse Trailer und Teaser, drei verschiedene Filmprogramme, Werberatschläge, eine Bildergalerie, den deutschen Vorspann sowie den US-Vorspann mit „Hypnovista“-Sequenz (einer zwerchfellerschütternden, rund 10minütigen Einführung durch einen „Psychiater“, der den Kinozuschauern anschaulich die Macht der Hypnose demonstriert).
 

©Thomas Wagner