DAS
SCHWARZE MUSEUM
(HORRORS
OF THE BLACK MUSEUM)
Großbritannien
1959
Regie:
Arthur Crabtree
Darsteller:
Michael Gough, Geoffrey Keen, June Cunningham, Graham Curnow
DVD,
Anolis/e-m-s, ca. 78 min., FSK ab 12
Ein
unheimlicher Serienkiller treibt in London sein Unwesen und bedient sich
bei seinen Untaten ausgesprochen unkonventioneller Mordmethoden: So wird
z. B. einer Frau ein anonymes Paket zugestellt, in dem sich ein Fernglas
befindet. Als sie das vermeintliche Geschenk ausprobieren will, schießen
aus den Okularen lange Klingen in ihre Augen, die sie sofort töten.
Scotland
Yard steht vor einem Rätsel; die Morde ergeben keinen Sinn, die Auswahl
der Opfer (welche in keinem Zusammenhang zueinander stehen) entbehrt jeglicher
Methodik und scheint rein nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen. Der mit
den Ermittlungen betraute Chefinspektor Graham (Geoffrey Keen) sieht sich
zusätzlich auch noch den spöttischen Zeitungskolumnen des Autors
und Kriminologen Edmond Bancroft (Michael Gough) ausgesetzt. Bancroft,
der im Keller seines Hauses ein morbides „Schwarzes Museum“ eingerichtet
hat und gerade an seinem neuen Buch „Die Poesie des Mordes“ arbeitet, legt
für diese Mordserie ein besonders auffälliges Interesse an den
Tag. Bald beginnt Chefinspektor Graham zu ahnen, daß dies nicht nur
beruflicher Natur ist...
„Das
schwarze Museum“ („Horrors of the Black Museum“) entstand 1959 in der Regie
des Kinoveteranen Arthur Crabtree, der bereits ein Jahr zuvor mit dem SciFi-Horror-Mix
„Fiend without a Face“ eine kleine Genreperle gedreht hatte. Der Film war
eine Produktion der Firma Anglo Amalgamated, die im folgenden Jahr auch
die Horrorthriller „Circus of Horrors“ (unter dem Titel „Der rote Schatten“
ebenfalls bei Anolis erschienen) und „Peeping Tom“ fabrizierte, und ging
gemeinsam mit diesen als sogenannte „Sadian Trilogy“ (in Bezug auf den
morbiden Voyeurismus Marquis de Sades) in die britische Horrorfilmgeschichte
ein. Alle drei Filme präsentieren in bester blutiger Grand Guignol-Tradition
höchst innovative Sadismen und Mordmethoden, und spielen zugleich
mit einem zynischen Augenzwinkern auch mit dem Voyeurismus und der Sensationslust
des Kinopublikums. In „Das schwarze Museum“ findet diese Lust am Morbiden
ihre fleischgewordene Entsprechung in dem Schriftsteller Bancroft, der
sein ganzes Leben der Kunst des Mordens gewidmet hat. In seinem eigenen
„Schwarzen Museum“ (so genannt in Anspielung auf das der Öffentlichkeit
nicht zugängliche „Black Museum“ von Scotland Yard) sammelt er Mordinstrumente
und Darstellungen scheußlichster Verbrechen, und beginnt schließlich
als Täter die Welt mit seinen eigenen „Kunstwerken“ zu beglücken.
Ihm zur Seite steht der junge naive Rick, der – von seinem Herrn und Meister
regelmäßig unter Drogen gesetzt – die Schmutzarbeit für
ihn erledigt. |
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Vergleicht
man „Das schwarze Museum“ mit den anderen beiden Filmen der „Sadian Trilogy“,
fällt dieser, wenngleich handwerklich sehr hübsch inszeniert,
schon ein bißchen ab. In erster Linie ist dies dem tumben Bancroft-Sidekick
Rick (verkörpert von einem gewissen Graham Curnow, der nach nur zwei
Filmrollen wieder in der wohlverdienten Versenkung verschwand) zu verdanken,
dessen Schicksal eigentlich niemanden so richtig interessiert und dessen
hölzernes Geturtel mit Freundin Angela (Shirley Ann Field) wohl irgendwie
ein Zugeständnis ans Teenie-Publikum des Jahres 1958 sein sollte.
Auch die Story und die Dialoge haben zugegebenermaßen ihre kleinen
Schwächen, worüber man jedoch getrost hinwegsehen kann, denn
im Zentrum des Ganzen steht die Figur des mordenden Künstlers Bancroft,
der von Michael Gough einfach großartig dargestellt wird. Gough (der
sein Horrorfilmdebüt zuvor an der Seite von Peter Cushing und Christopher
Lee in „Dracula“ absolviert hatte) verkörpert diesen psychopathischen
Ästheten als eine herrlich manirierte Mixtur aus feinsinnig kultiviertem
Schöngeist, von der eigenen Brillanz überzeugtem Egomanen und
zynischem Misanthropen mit latent bisexuellen Anflügen (seine offenkundig
eifersüchtige Reaktion als Ricks Freundin Angela im Museum auftaucht
und damit die bis dahin herrschende traute Zweisamkeit zerstört spricht
in dieser Hinsicht Bände); dazu gesellt sich schließlich auch
noch eine offensichtliche Impotenz (die bei einem Streit zwischen Bancroft
und seiner Geliebten zwischen den Zeilen überdeutlich offenbart und
auch noch durch eine Gehbehinderung – ohne seinen Stock ist er nichts!
– versinnbildlicht wird). Kurz und gut: Edmond Bancroft ist ein Gesamtkunstwerk
und Michael Goughs flamboyant-dekadente Darstellung dieser Figur sorgt
dafür, daß „Das schwarze Museum“ trotz einiger Schwachpunkte
heute als ein Klassiker des Horrorfilms gilt. Wer die guten alten Tage
des britischen Horrorkinos zu schätzen weiß und ein Quentchen
schwarzen Humor sein eigen nennt, wird an diesem Film zweifelsohne seine
Freude haben.
Zur
DVD-Umsetzung:
Anolis
Entertainment präsentiert mit „Das schwarze Museum“ den sechsten Teil
der Reihe British Horror Classics. Die DVD erfreut wieder einmal
mit einer sehr guten Bildqualität (1:2,35), die die kräftigen
Farben dieses Klassikers bestens zur Geltung bringt. Auch der Ton (DD 2.0,
Deutsch und Englisch, deutsche Untertitel einblendbar) kann vollauf überzeugen,
wobei die deutsche Fassung noch etwas klarer klingt. Der Bonusteil ist
recht umfangreich ausgefallen und beinhaltet diverse Trailer und Teaser,
drei verschiedene Filmprogramme, Werberatschläge, eine Bildergalerie,
den deutschen Vorspann sowie den US-Vorspann mit „Hypnovista“-Sequenz (einer
zwerchfellerschütternden, rund 10minütigen Einführung durch
einen „Psychiater“, der den Kinozuschauern anschaulich die Macht der Hypnose
demonstriert).
©Thomas
Wagner |