H.
P. LOVECRAFT'S DAGON (DAGON - LA SECTA DEL MAR)
Spanien
2001
Regie:
Stuart Gordon
Darsteller:
Ezra Godden, Francisco Rabal, Macarena Gomez
DVD,
e-m-s, ca. 95 min., FSK ab 18
Was
kommt dabei heraus, wenn ein Lovecraft-besessener US-Regisseur frustriert
God’s Own Country den Rücken kehrt, um stattdessen in Spanien seinem
Handwerk nachzugehent? Fragen Sie Stuart Gordon, oder noch besser, öffnen
Sie eine Flasche alten Rioja, lehnen Sie sich zurück und tauchen Sie
ein in H. P. Lovecraft's Dagon: Eine Yacht läuft unter mysteriösen
Umständen vor der spanischen Küste auf Grund. Paul und seine
Freundin Barbara schaffen es knapp, im Rettungsboot das kleine Fischerdorf
Imboca zu erreichen, um dort Hilfe für ihre auf dem sinkenden Schiff
zurückgebliebenen Freunde zu holen. Doch diese sind bereits spurlos
von Bord des Wracks verschwunden und Imboca entpuppt sich schnell als wenig
gastfreundlicher Ort: Die Bewohner – seltsam degeniert erscheinende Zeitgenossen,
von denen etliche eine beunruhigende Ähnlichkeit mit Meerestieren
aufweisen – sind Anhänger des antiken Meeresgottes Dagon und haben
es auf die Schiffbrüchigen abgesehen, um sie ihm als Opfer darzubringen.
Mit Hilfe des alten Fischers Ezequiel (des letzten richtigen Menschen in
Imboca) gelingt es Paul für kurze Zeit zu entkommen, doch schließlich
gerät er wieder in die Gewalt der Anhänger Dagons. Doch Uxía,
die Tochter ihres Anführers, will ihn verschonen und Paul erfährt
von ihr die schreckliche Wahrheit über sich selbst …
So
überstrapaziert der gute alte H. P. Lovecraft derweil auch in literarischer
Hinsicht ist, so bieten seine Erzählungen doch nach wie vor hervorragende
Grundlagen und Inspirationen für Horrorfilme. Regisseur Stuart Gordon,
selbst bekennender H.P.L.-Fan, führte das bereits in den 80er Jahren
mit Re-Animator und From Beyond vor Augen. Der 2001 entstandene Dagon setzt
das damalige Konzept fort: Die lovecraftschen Elemente werden mit einem
deftigen Splatter-Anteil und einer gehörigen Portion Selbstironie
zu einem rasant inszenierten, bestens funktionierenden Horrorcocktail vermixt.
Natürlich wird hier nicht vorlagengetreu die gleichnamige Lovecraft-Story
nacherzählt. |
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Das
Dörfchen Imboca ist im Prinzip nichts anderes, als eine iberische
Innsmouth-Variante; die Degeneration und selbstgewählte Isolation
eines ganzen Gemeinwesens sind hier die zentralen Elemente. Dagon ist eine
Produktion der spanischen Fantastic Factory, einem Independentunternehmen,
das sich immer mehr zu einer Art neuzeitlicher Ausgabe der Hammer Productions
entwickelt. Hier boten sich Gordon Möglichkeiten, die er in den USA
vergeblich suchte (so fand sich dort z. B. kein einziger Produzent, der
bereit war in dieses Projekt Geld zu investieren). Der Film wurde komplett
in Spanien gedreht; die Außenaufnahmen entstanden im Winter in einem
kleinen Fischerdorf in Galicien, die Kulisse des dauerverregneten Imboca
ist also durchaus authentisch. Die Bilder dieser pittoresken alten Häuser,
der verwinkelten Gassen, durch die des Nachts die deformiert-entmenschten
Einwohner taumeln, sind von einer äußerst gelungenen, unheimlichen
Atmosphäre, die die Stimmung aus Lovecrafts Erzählungen sehr
gut einfängt. Die ganze Ausstattung des Films wurde mit viel Mühe
und Liebe zum Detail gefertigt; das gilt ebenso für die Bauten (so
gibt es z. B. einen beeindruckenden, mit bizarren Reliefs versehenen Bau
unter Wasser), wie auch für Special Effects und Make Up. Auch die
Gore-Effekte sind recht explizit (die Imbocanos haben u. a. die Angewohnheit
ihre Opfer lebendig zu häuten) und werden wohl wieder einmal helfen,
das Gehalt einiger Zensoren finanzieren; erfreulicherweise handelt es sich
hier jedoch um die ungeschnittene FSK18-Version. Die Qualität der
Besetzung läßt ebenfalls nichts zu wünschen übrig:
Ezra Godden überzeugt als als leicht vetrottelter Antiheld Paul und
bringt in die düstere Story ein gehöriges Potential grotesker
Situationskomik ein; Francisco Rabal als versoffener, halbverrückter
Fischer Ezequiel ist schlichtweg großartig und Macarena Gomez bietet
als Fisch-Mensch-Zwitterwesen Uxía einen höchst bizarren, dämonisch-schönen
Blickfang.
Die
DVD-Special Edition vom e-m-s präsentiert Dagon in rasiermesserscharfem
Widescreen 1,78:1, sattem Sound (Deutsch und Englisch in DD 5.1 und 2.0,
dtsch. Untertitel vorhanden) und einer prall gefüllten Bonus-DVD mit
Making Of, Interviews mit Regisseur und Darstellern, Bildergalerie, Bio-
und Filmographien und diversen Trailern.
©Thomas
Wagner |