| CODE
46
GB
2003
Regie:
Michael Winterbottom
Darsteller:
Tim Robbins, Samantha Morton
DVD,
Sunfilm, ca. 89 min., FSK ab 16
Schöne
neue Welt in einer nicht all zu fernen Zukunft: Die Weltbevölkerung
ist stark reduziert, die Ozonschicht weitgehend zerstört und die Erde
strikt in zwei Lebensbereiche unterteilt, was zu einem neuen Kastensystem
geführt hat. Während in den abgeriegelten Großstädten
Sicherheit und ein sehr hoher, durchtechnisierter Lebenskomfort herrschen,
müssen sich die Bewohner von "al fuera" (= die armen, klimakatastrophengeschädigten
Außenbezirke) mit Armut, Krankheit und den harten Lebensbedingungen
der Wüste herumschlagen. Aus Sicherheitsgründen sind Reisen von
einer Stadt in die andere nur mit Visa - sogenannten "Papelles" - erlaubt,
die nur nach sehr strengen Kriterien bewilligt werden. Gedruckt werden
diese begehrten Visa von dem allmächtig erscheinenden Konzern Sphinx
Corporation, doch eines Tages stellt sich heraus, daß irgendein Mitglied
des dortigen Personals "Papelles" stiehlt und an Menschen verteilt, denen
die Reiseerlaubnis verweigert wurde. Der Ermittler William Geld (Tim Robbins)
besucht die betroffene Druckerei in Shanghai und ist auch recht schnell
in der Lage, die junge Maria Gonzales (Samantha Morton) als Täterin
zu entlarven. Doch anstatt sie zu denunzieren, verliebt er sich in sie...
Die
2003 entstandene britische Produktion "Code 46" bietet eine durchaus realistisch
erscheinende Zukunftsvision: Im Prinzip erscheint fast alles vertraut -Verkehrsmittel,
Kleidung, Architektur (gedreht wurde u. a. in Shanghai, dessen Skyline
schon futuristisch genug wirkt) -, nur in puncto allgegen- wärtiger
Computerisierung und Gentechnologie wurde halt noch ein wenig hinzufabuliert,
auch der Wortschatz hat zugelegt und so haben Brocken aus den verschiedensten
Sprachen das Englische zu einer Art Esperantoersatz werden lassen. Die
Probleme der hier gezeigten Gesellschaft sind eigentlich nichts anderes,
als die Folgen dessen, was sich bereits heute abzeichnet bzw. schon existent
ist. Globale Auswirkungen der Klimakatastrophe, die Teilung der Welt in
eine Haben- und Nichthabenzone (welche hier visuell sehr effektiv mit den
drastischen Kontrasten zwischen sprudelndem Metropolenleben und entvölkert
erscheinenden Wüstenlandstrichen versinnbildlicht wird), die Gefahren
einer sorglosen Anwendung der Gentechnologie, die allumfassende Macht internationaler
Konzerne und die staatlich sanktionierte Transparenz des Individuums. |
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All
dies mag im Prinzip zwar nicht neu erscheinen, zeichnet sich aber durch
eine unleugbare Aktualität aus.
Das
politische System in "Code 46" bleibt vage, doch es scheint durchaus eine
Fortführung der heutigen westlichen Demokratien mit einem verstärkten
Einfluß multinationaler Konzerne zu sein und so präsentiert
sich diese Welt keinesfalls als triste Hölle unter der Knute eines
faschistoiden Terror-Regimes a la "1984". Big Brother wahrt hier den Schein
der Freiheit und der guten Sitten, beschert den guten und nützlichen
Mitgliedern der Gesellschaft ein angenehmes Leben in urbaner Geborgenheit
und läßt ihnen auch Raum für Privatsphäre, solange
diese nicht zu subversiven, die Stabilität des Systems gefährdenden
Tätigkeiten genutzt wird. Und bei Verstößen wartet nicht
etwa die Folterkammer der Geheimpolizei auf den Delinquenten, nein, man
agiert hier ganz "human" und löscht nur mal eben partiell einige unerwünschte
Gedächtnisstrukturen. Unverbesserliche und asoziales bzw. genuntaugliche
Zeitgenossen schiebt man schließlich nach "al fuera" ab.
Rein
formal fühlt man sich durch den kühlen Look des Films z. T. stark
an Gattaca erinnert, aber auch Philip K. Dick und George Orwell haben hier
unübersehbar Pate gestanden. Vor allem ist "Code 46" aber auch eine
sehr feinfühlig inszenierte, bittersüße Liebes- geschichte
um ein tragisches Paar, das mit seinem Ausbruchsversuch aus den staatlichen
Restriktionen einfach scheitern muß. William und Maria treten hier
an die Stelle von Orwells Winston und Julia; ein tragisches Paar, das mit
seinem Ausbruchsversuch aus den staatlichen Restriktionen einfach scheitern
muß. Tim Robbins und Samantha Morton spielen diese Rollen sehr überzeugend
und absolut jenseits der gängigen Hollywoodklischees, besonders Morton
ist in der Rolle Marias einfach nur großartig.
Und
noch ein kleiner Hinweis am Rande: Der gute alte Mick Jones von The Clash
hat einen Gastauftritt und darf in einer Karaokebar "Should I Stay Or Should
I Go" singen.
Zur
DVD-Umsetzung:
Bild-
(Widescreen 1.85: 1 anamorph) und Tonqualität (Deutsch in DTS und
DD 5.1, Englisch in DD 5.1) sind sehr gut ausgefallen. Die Extras umfassen
Trailer, Bio- und Filmographien, Deleted Scenes und das Making Of-Special
"Inside Code 46".
©Thomas
Wagner |