1961
heiratete Lee das dänische Fotomodell Birgit Kroencke. Es folgten
zahlreiche weitere Filmrollen: Abenteuerfilme, Thriller und – natürlich
–- Horror; vieles davon im heimatlichen England, seit dem Beginn der 60er
Jahre aber auch verstärkt auf dem europäischen Kontinent. Damals
florierte die europäische Filmindustrie und internationale Coproduktionen
waren an der Tagesordnung. Lees umfassende Sprachkenntnisse (so beherrscht
er acht Sprachen, darunter deutsch, italienisch und französisch) waren
ihm in dieser Zeit enorm von Vorteil.
| Er
drehte ab 1961 in Deutschland eine Reihe von Edgar Wallace-Verfilmungen
und begann im gleichen Jahr auch verstärkt in Italien zu arbeiten,
wo zuvor Mario Bavas grandioses Regiedebüt La
maschera del demonio eine ganze Welle von Gothic-Horror- Produktionen
in Gang gesetzt hatte. In der Regie Mario Bavas stand Lee bei Ercole
al centro della terra
vor der Kamera, einem märchenhaft inszenierten
Fantasystreifen, der Elemente des Sandalenfilms mit atmosphärischem
Horror und beeindruckenden Spezialeffekten verknüpfte. Zu einer weiteren
Zusammenarbeit mit Bava kam es 1963 in La
frusta e il corpo, einem Film, der aufgrund seiner offensichtlichen
SM-Thematik damals für Furore sorgte und den Produzenten sogar die
Klage eines empörten Kinobesuchers einbrachte. |
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Lee
spielt hier den moralisch verkommenen Sohn eines Aristokraten, der seiner
masochistisch veranlagten Schwägerin (dargestellt von Daliah Lavi)
nachstellt und von dieser schließlich ermordet wird – doch kurz darauf
beginnt sein Geist sie Nacht für Nacht in ihrem Schlafzimmer heimzusuchen.
Dem Horrorästheten Bava gelang hier ein verstörend schön
gefilmtes, schwarzromantisches Meisterwerk mit komplexen psychologischen
Untertönen und La frusta
e il corpo kann heute zu Lees besten Filmen gezählt werden.
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1965
machte The Face of Fu Manchu den Auftakt zu einer Reihe von insgesamt
fünf filmischen Abenteuern um den gleichnamigen chinesischen Superschurken.
Diese Verfilmungen haben zwar herzlich wenig gemein mit den Romanvorlagen
von Sax Rohmer und kommen auch kaum über den Status belangloser Unterhaltung
hinaus, doch Lees sardonische Darstellung der Titelfigur macht sie dennoch
sehenswert.
Es
folgte noch im gleichen Jahr ein erneuter Auftritt in seiner nach wie vor
berühmtesten Rolle: In den Hammer-Studios entstand Dracula, Prince
of Darkness, ein sehr hübscher Film, in dem Graf Dracula jedoch
seltsamerweise kein einziges Wort sagt. |
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Dem
Vernehmen nach fand Christopher Lee den vorgegebenen Dialog so schlecht,
daß er sich weigerte ihn zu sprechen...
Doch
trotz der schweigsamen Titelfigur gelang es auch diesem Film, internationale
Erfolge zu verbuchen; außerdem wurde durch diesen zweiten Teil der
hammerschen Dracula-Saga der Appetit des Publikums auf noch weitere Fortsetzungen
geweckt und ein Mechanismus wurde in Gang gesetzt, der im kleinen Rahmen
schon fast den Sequel-Wahn vorwegnimmt, der seit den 80er Jahren das Horrorkino
beherrscht.
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| Zeitgleich
mit Dracula, Prince of Darkness entstand in den gleichen Kulissen
Rasputin
the Mad Monk. Lee verkörpert darin den berüchtigten Mönch
und Wunderheiler, der am Vorabend des 1. Weltkrieges immensen Einfluß
auf die russische Zarenfamilie gewann und schließlich von einer Gruppe
Adeliger ermordet wurde. Angetan mit einer strähnigen Langhaarperücke
und falschem Bart läßt er in diesem Film eine Figur von einer
dämonischen Bosheit lebendig werden, die die der meisten Hammer-Monster
bei weitem übertrifft.
Rasputin the Mad
Monk kam in der Kritik nicht sonderlich gut weg und wurde vor allem
wegen der enthaltenen Brutalität verrissen. |
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Zwar
sind diese Szenen durchaus nicht extremer als in anderen Hammer-Produktionen
jener Zeit, doch da es sich hier nicht um einen in phantastischen Gefilden
angesiedelten Horrorfilm handelte und die ganze Story einen historischen
Hintergrund aufweisen konnte, erschien das ganze Geschehen in einem anderen,
"realen" Licht. Heutzutage kann dieser Film jedem, der sich für Christopher
Lees Arbeit interessiert, unbedingt als faszinierendes Beispiel für
eine weitere Facette seines Schauspiels empfohlen werden.
Zahlreiche
weitere Produktionen folgten, die Tage, in denen Lee seinen Rollen hinterherrennen
mußte, waren inzwischen lang vorbei. 1968 schlüpfte er für
Dracula
Has Risen From the Grave einmal wieder in den schwarzen Umhang und
stand noch im gleichen Jahr in The Oblong Box erstmals mit Vincent
Price vor der Kamera.
1969
bescherte Lee gleich zehn Filmrollen, darunter abermals den blutsaugenden
Grafen in Taste the Blood of Draculasowie
einen Kurzauftritt in Joe McGraths irrwitziger Satire The Magic Christian,
der
deutlich zeigte, daß Lees Draculafigur inzwischen längst ein
Bestandteil der zeitgenössischen Popkultur geworden war.
Im
selben Jahr kam es auch zu Der Hexentöter von Blackmoor, einer
deutsch-italienisch-spanischen Coproduktion in der Regie des Spaniers Jesus
Franco Manera, bekannter unter dem Namen Jess Franco.
| Franco
gilt inzwischen als eine der schillerndsten Figuren der modernen Genrefilmgeschichte
und erwarb sich – obwohl von der "etablierten" Kritik stets geschmäht
– einen unumstrittenen Kultstatus; bis heute drehte er weit über 160
Filme in einer Qualitätskala, die von künstlerischer Schönheit
bis zu absolutem Müll reicht. In dem Historien-Horrorverschnitt Der
Hexentöter von Blackmoor
spielt Christopher Lee den Part des gewissenlosen
Richters Lord Jeffreys, der aus fanatischem Ordnungssinn und machtpolitischem
Kalkül Hexenprozesse durchführen läßt, letztendlich
jedoch selbst zu einem Opfer der (geänderten) Machtverhältnisse
wird. |
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Lees
Darstellung dieser Figur ist überaus beeindruckend und trotz aller
gewollten, fast schon comicmäßigen Exploitationelemente und
eines Minimalbudgets gelang Regisseur Franco hier ein überaus gut
funktionierendes Stück Genrekino. Ebenfalls in der Regie von Jess
Franco entstand El Conde Drácula, in dem Christopher Lee
natürlich die Titelrolle spielte. El Conde Drácula war
ein äußerst ambitioniertes Projekt, mit dem der Regisseur erstmals
eine der Vorlage gerecht werdende Verfilmung des Bram Stoker-Romans realisieren
wollte.
Das
Resultat war ein Film von durchaus gemischter Qualität, allerdings
sind die Schwachpunkte in erster Linie auf das niedrige Budget und den
Zeitdruck zurückzuführen (und bei der deutschen Fassung vor allem
auf die Tatsache, daß der Film um runde 30 Minuten geschnitten wurde).
Es gibt einige sehr gelungene atmosphärische Sequenzen – so z. B.
die Kutschfahrt Draculas, die stark an F. W. Murnaus Stummfilmklassiker
Nosferatu
erinnert – und Lee hat erstmals die Möglichkeit, Dracula so zu spielen,
wie er es immer wollte. So übersteigt der Umfang seines Dialoges den
aller Hammer-Dracula-Verfilmungen bei weitem. Optisch erscheint Lee hier
nicht im Cape, sondern als alter schnauzbärtiger Mann im schwarzen
Anzug und erstmals verjüngt sich Dracula hier nach jedem Blutgenuß
ein wenig mehr; auch dies ein Detail des Stoker-Romans, das in vorherigen
Verfilmungen außer acht gelassen wurde.
Auch
1970 durfte Lee wieder die Zähne fletschen: In der Regie von Roy Ward
Baker entstand Scars of Dracula, das mit Abstand mißratenste
Kapitel der Hammer-Draculasaga. Vergeblich sucht man in diesem Film die
Atmosphäre und Eleganz der Vorgänger, stattdessen sorgt eine
übergroße Gummifledermaus für unfreiwillige Komik und die
Inneneinrichtung in Draculas Schloß wirkt, als wäre sie aus
den Restposten eine Billigmöbelmarkts zusammengestellt. Scars of
Dracula strotzt vor handwerklichen Schwächen, und Christopher
Lees Präsenz ist mit Sicherheit die einzige Existenzberechtigung,
die dieses Werk vorweisen kann. Weitaus gelungener ist z. B. der in der
Regie von Stephen Weeks entstandene Horrorfilm I, Monster: Hier
spielt Lee den Arzt Dr. Marlowe, der sich nach der Verabreichung einer
selbstentwickelten Droge in sein böses Alter Ego Mr. Blake verwandelt.
I,
Monster überzeugt gleichermaßen in Inszenierung und Ausstattung
wie auch durch seine Darsteller. Warum die Hauptcharaktere allerdings Marlowe
und Blake genannt wurden und der Film einen solch haarsträubenden
Titel bekam, bleibt rätselhaft, denn hier handelt es sich um nichts
anderes als eine Adaption von R. L. Stevensons Erzählung The Strange
Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde.
1971
folgten u. a. Pánico en el Transiberiano, ein brillanter
spanischer Horrorfilm von Eugenio Martin, in dem Lee gemeinsam mit Peter
Cushing ein außerirdisches Monster im Transsibirien-Expreß
jagen darf sowie der von Alan Gibson gedrehte Dracula A.D. 1972, eine
der skurrilsten Dracula-Adaptionen der Hammer Productions.
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| Offenbar
gewarnt durch den recht mäßigen Anklang, den Scars of Dracula
beim Publikum gefunden hatte, ging man bei diesem Film neue Wege
und verpflanzte den alten Grafen ins Swinging London der frühen 70er
Jahre. Die an sich recht banale Story – Dracula wird von einem gewissen
Johnny Alucard (!!) wiedererweckt und verbringt den Großteil des
Films damit, schlecht gelaunt in einer verfallenen Kirche herumzuhängen
– wird durch eine große Prise zeitgenössischer Hippie-Subkultur
sowie einen verstärkten Anteil an Sex und Action aufgepeppt. Gegenspieler
des Vampirs ist hier übrigens erstmals seit 1958 wieder Peter Cushing,
der den Urenkel van Helsings mimt. |
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Trotz
des etwas kruden Drehbuchs ist Dracula A.D. 1972 ein eigentlich
rundum gelungener und ausgesprochen unterhaltsamer Film, der einerseits
durch seine Darsteller, andererseits aber auch als nostalgisches Relikt
der britischen 70er Jahre-Popkultur zu überzeugen weiß. Beim
Publikum kam diese Mixtur aus typischem Hammer-Horror, Minikleidern und
Rock’n’Roll gut an und so entschied man sich, ein Jahr darauf mit The
Satanic Rites of Dracula noch ein weiteres Sequel zu drehen. In diesem
Film betätigt Graf Dracula sich innerhalb einer Regierungsverschwörung
und plant, mit Hilfe neuer Pestviren die Menschheit auszulöschen.
Offensichtlich
hatte der alte Blutsauger genug von dieser Welt, bzw. hatte Christopher
Lee zu dieser Zeit auch endgültig von dieser Rolle, denn dies war
sein endgültig letzter Dracula-Film für Hammer.
Ein
Abschied, der Lee leichtfiel, denn er hatte mittlerweile größere
Ambitionen
Gemeinsam
mit dem früheren Hammer-Produzenten Anthony Nelson Keys gründete
er 1972 Charlemagne Productions, ein Unternehmen, mit dem er anspruchsvolle
und ungewöhnliche Horrorfilme herstellen wollte. Die erste eigene
Produktion, der Okkult-Thriller Nothing But the Night hebt sich
in punkto Originalität auch tatsächlich deutlich von vielen anderen
damaligen Horrorfilmen ab: In einem schottischen Waisenhaus gehen höchst
merkwürdige Dinge vor sich und man stößt schließlich
darauf, daß die Betreiber dieser Einrichtung ihre eigenen Persönlichkeiten
in die Kinder verpflanzen, um so ihr Leben schier endlos zu verlängern.
Die von Regisseur Peter Sasdy realisierte filmische Umsetzung dieser Story
vermag visuell jedoch leider nur in wenigen Sequenzen zu überzeugen.
Der Film wurde ein katastrophaler Flop und besiegelte das rasche Ende von
Charlemagne Productions.
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| Die
hohen künstlerischen Erwartungen, die Lee vergeblich in Nothing
But the Night gesetzt hatte, wurden jedoch noch im gleichen Jahr mit
der von Robin Hardy gedrehten British Lion-Produktion
The Wicker Man
erfüllt. Anthony Shaffer, der auch das Drehbuch zu Alfred Hitchcocks
Thriller Frenzy geschrieben hatte, entwarf hier eine faszinierende
Geschichte um einen heidnischen Kult, der auf einer abgelegenen schottischen
Insel residiert und von dem feinsinnigen Lord Summerisle (mitreißend
dargestellt von Christopher Lee) geführt wird. Ein Polizist, der vom
Festland auf die Insel geschickt wird, um nach einem verschwundenen Mädchen
zu suchen, wird immer tiefer in die dortigen Geschehnisse verstrickt und
findet sich letztendlich als Brandopfer für einen "wohltätigen"
Sonnengott wieder. |
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Zum
Entsetzen aller Beteiligten wurde der fertige Film für die britischen
Kinos jedoch auf 84 Minuten zusammengekürzt, wodurch vieles von der
Komplexität der Handlung verlorenging.
Mittlerweile
wurde ein 99minütige Director’s Cut auf DVD veröffentlicht, doch
auch diese Fassung ist nicht komplett restauriert, denn einiges von dem
gedrehten Material wurde unwiederbringlich zerstört.
Künstlerisch
frustriert wandte Lee sich in den folgenden Jahren wieder vermehrt internationalen
Produktionen zu, deren Budget und Gagendimensionen sich inzwischen jedoch
kaum noch mit den B-Movies der 60er Jahre vergleichen ließen. So
spielte er 1973 in Richard Lesters aufwendigem Kostüm-Abenteuer The
Three Musketeers den Erzschurken Rocherfort, eine Rolle, die ihm viel
Geld, aber auch viel Vergnügen bei den Dreharbeiten brachte. 1974
stellte er in dem James Bond-Film The Man With the Golden Gun den
psychopathischen Killer Scaramanga dar, einen der überzeugendsten
Bond-Widersacher in allen Verfilmungen. Mit dem eher mittelmäßigen
Streifen To the Devil a Daughter kam es 1975 zu Lees letzter Arbeit
für Hammer Productions, deren große Zeit sich inzwischen endgültig
dem Ende zuneigte und die sich nun verstärkt TV-Produktionen zuwandten.
Ein Jahr darauf wirkte in den USA in dem millionenschweren Starvehikel
Airport
77 mit und wurde 1979 in Steven Spielbergs Komödie
1941 als
Nazi-Offizier einmal wieder seinem Schurkenimage gerecht. Die 80er Jahre
schließlich brachten eine Vielzahl qualitativ mittelmäßiger
Produktionen, aber auch noch einige Filme, die eine größere
Beachtung verdienen.
Erwähnenswert
wäre hier zuerst einmal Philippe Moras 1981 entstandene Satire The
Return of Captain Invincible, eine brillante Parodie auf Superheldenserien
und den American Way of Life an sich.
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| Lees
spielt darin den Überbösewicht Mr. Midnight und kann auch endlich
einmal sein Gesangstalent unter Beweis stellen: Zu der Musik der Rocky
Horror Picture Show-Komponisten Hartley und O’Brian darf er die Songs "Evil
Midnight" und "Name Your Poison" zum besten geben, während bestrapste
Tänzerinnen um ihn herum eine Art Fetishvariante von Flash Dance aufführen. |
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The
Return of Captain Invincible ist wohl eine der gelungensten Genreparodien
überhaupt und kann nicht nur wegen Lees köstlicher Performance
empfohlen werden.
Heiter
weiter ging es auch 1982 mit Pete Walkers House of the Long Shadows,
einer
Komödie, die vor allem wegen des darin vertretenen Aufgebots an legendären
Horror-Altstars interessant ist. So tummeln sich hier neben Christopher
Lee auch Vincent Price, Peter Cushing und John Carradine, und die Anwesenheit
dieser Herrschaften tröstet durchaus über den belanglosen Rest
der Besetzung hinweg. 1984 wirkte Lee in Howling II, dem ersten
Sequel zu Joe Dantes grandiosem Werwolfsstreifen The Howling, mit.
Howling
II hat qualitativ mit seinem Vorgänger nichts gemein, stattdessen
bietet sich hier haarsträubendster Trash, der seine Defizite einerseits
mit Christopher Lees Präsenz, andererseits mit der ausgiebig präsentierten
Oberweite der Hauptdarstellerin Sybil Danning zu kompensieren versucht.
Nun, immerhin ist dieser Streifen außerordentlich unterhaltsam (so
kann man sich z. B. an Werwolfsorgien erfreuen, deren Teilnehmer aussehen
wie mutierte Orang Utangs) und so schlecht, daß er schon fast wieder
gut ist …
Im
Verlauf der 80er Jahre wurde Lee zusehends desillusionierter, was den Zustand
der modernen Filmindustrie betrifft. "Die Filme von heute scheinen sich
in zwei Extreme aufzuteilen", erzählte er in einem Interview.
"Da
gibt es Special Effect-Filme, die Unsummen von Geld kosten – und mit denen
einige Leute Unsummen verdienen –, in denen man, weil es eigentlich auch
gar nicht benötigt wird, das Schauspiel vergißt. Und es gibt
Teenagerfilme." Auch gesundheitliche Probleme stellten sich ein: 1985
wurde bei ihm ein lebensgefährlicher Herzklappenfehler diagnostiziert,
der jedoch erfolgreich operativ behoben werden konnte.
1986
spielte er in der Astrid Lindgren-Verfilmung Mio, min Mio die Rolle
des König Kato, 1988 konnte er in The Return of the Musketeers
noch
einmal als Rocherfort den Degen schwingen und 1989 stand er in Joe Dantes
Horrorparodie Gremlins 2 vor der Kamera. Die 90er Jahre sind vor
allem aufgrund diverser aufwendiger TV-Produktionen interessant – so spielte
Lee z. B. den Part des Sherlock Holmes in Sherlock Holmes and the Leading
Lady und Incident at Victoria Falls, führte durch alle
Folgen der südafrikanischen Serie Edgar Allen Poe’s Tales of Mystery
and Imagination und wirkte bei internationalen Coproduktionen wie
Die Bibel und The Odyssey mit. Hollywoods Enfant terrible Tim
Burton verschaffte ihm 1999 einen kleinen Auftritt in Sleepy Hollow,
im selben Jahr kam es auch zu der BBC-Verfilmung von Mervyn Peakes Fantasy-Epos
Gormenghast. Pünktlich zum neuen Millenium folgte schließlich
der Part des Saruman in Peter Jacksons dreiteiliger Verfilmung von J.R.R.
Tolkiens The Lord of the Rings sowie die Rolle des Count Dooku in
George Lucas‘ Star Wars: Episode II. 2001 schließlich wurde
er für seine schauspielerischen Verdienste von der Queen zum Commander
of the British Empire (CBE) ernannt. Produktionen wie die letztgenannten
beiden Filme sind Vertreter jenes neuen, überteuerten Special Effects-Kinos,
dem Lee eigentlich eher mit gemischten Gefühlen gegenübersteht.
Doch nach über einem halben Jahrhundert vor der Kamera sieht der Veteran
des phantastischen Kinos dies inzwischen gelassen, erfreut sich an der
Magie des Kinos, die er auch in diesen Filmen zu entdecken glaubt, und
nicht zuletzt auch an Gagen, die in ihrer Höhe alle vorherigen bei
weitem übertreffen. Immer noch glücklich verheiratet mit Ehefrau
Birgit residiert er in einem Haus im noblen Londoner Stadtteil Belgravia
und verbringt seine Freizeit u. a. mit seiner umfangreichen Bibliothek.
Doch an Ruhestand denkt der große alte Mann des Horrorfilms noch
lange nicht.
"Man
kann nicht lernen, ein Schauspieler zu sein, man muß lernen, wie
man spielt",
sagte er einmal und Künstler von diesem Format sind leider selten
geworden.
©Thomas
Wagner
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