Vampyre Planet-Zine

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Code 46
Schöne neue Welt in einer nicht all zu fernen Zukunft: Die Weltbevölkerung ist stark reduziert, die Ozonschicht weitgehend zerstört und die Erde strikt in zwei Lebensbereiche unterteilt, was zu einem neuen Kastensystem geführt hat. Während in den abgeriegelten Großstädten Sicherheit und ein sehr hoher, durchtechnisierter Lebenskomfort herrschen, müssen sich die Bewohner von "al fuera" (= die armen, klimakatas- trophengeschädigten Außenbezirke) mit Armut, Krankheit und den harten Lebensbedingungen der Wüste herumschlagen. 


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Non Ho Sonno
(Sleepless)
Im Jahre 1983 wird Turin von einer Serie grausamer Morde heimgesucht. Inspektor Moretti (Max von Sydow) versucht dem Serienkiller auf die Spur zu kommen. Es wird auch tatsächlich ein Verdächtiger ausgemacht: der zwergwüchsige Krimiautor Vincenzo De Fabritiis, der hier offensichtlich die Bluttaten aus seinen Romanen in die Realität umsetzte. Doch kurz darauf verübt De Fabritiis Selbstmord…

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BLUTIGE SEIDE
(SEI DONNE 
PER L'ASSASSINO) Italien 1964
Regie: Mario Bava
Darsteller: Eva Bartok, Cameron Mitchell, Thomas Reiner, Lea Krüger
DVD, Anolis/e-m-s, ca. 85 min., FSK ab 16

Die verwitwete Contessa Christiana Cuomo betreibt zusammen mit Massimo Morlacchi einen Haute Couture-Modesalon in Rom. Eines Abends wird im Park vor dem Salon das Model Isabel Opfer eines brutalen Mordanschlags. Als die Polizei unter der Leitung von Inspektor Sylvester in dem Salon zu ermitteln beginnt, offenbart sich dort ein undurchschaubarer Sumpf aus Drogen, Korruption und Erpressung. Isabels Tagebuch, das offensichtlich Aufzeichnungen über all diese Affären enthält, wird von Nicole gefunden, die es später der Polizei übergeben will; unbemerkt kann es jedoch ihre Kollegin Peggy an sich nehmen. Als Nicole in der gleichen Nacht ihren Geliebten, den kokainsüchtigen Franco Scaolo in seinem Antiquitätenladen besuchen will, wird sie von einem maskierten Mann attackiert, der sie durch das Geschäft jagt und schließlich tötet. Nachdem der Mörder die Leiche vergeblich nach dem Tagebuch durchsucht hat, beschließt er, sich Peggy zu widmen... 

Mit dem 1964 entstandenem "Blutige Seide" (im Original "Sei donne per l'assassino" = Sechs Frauen für den Mörder) erschuf Regisseur Mario Bava den definitiven Archetyp des typisch italienischen Thrillers, des Giallo ("Giallo" bedeutet nichts anderes als "gelb" und bezieht sich auf die gelben Umschläge der damals sehr erfolgreichen italienischen Groschenromane). Zwar hatte Bava sich bereits zuvor in der Hitchcock-Parodie "La ragazza che sapeva troppo" mit der Materie beschäftigt, doch erst in "Blutige Seide" nahmen die für dieses Subgenre typischen Elemente richtig Gestalt an: Die konventionellen Krimi-Elemente (die langwierige Ermittlungsarbeit der Polizei, ein Detektiv als Held etc.) werden hier in den Hintergrund geschoben oder einfach schlichtweg ignoriert. Die Morde als solche und die Art wie sie geschehen stehen hier im Vordergrund und werden zu einer makabren Kunstform erhoben. 

Anders als im modernen Slasherfilm der stereotypen Machart, wird in "Blutige Seide" keinesfalls kübelweise Kunstblut verschüttet, dennoch - oder besser: gerade wegen des Verzichts auf überdrastische Stilmittel - ist die ästhetisierte Grausamkeit des Films berückend: Genau wie ein rundes Jahrzehnt später Dario Argento, kreierte Bava hier eine Form von "Todeskunst". Tödlich schön sind die Leichen in den durchgestylten Bildern arrangiert; blutrote Symbole (die lackierten Fingernägel und die Lippen der Models, die Vorhänge im Salon, Kleider, Telefone...) dominieren die Szenerie und ersetzen das profane Kunstblut auf eine unschlagbar elegante Weise. Obwohl die Motivation für die Morde rein materieller Natur (Habgier und Erpressung) ist, durchzieht Blutige Seide ein beunruhigender fetischistischer Touch; auch das Giallo-typische Killeroutfit (der dunkle Regenmantel, Hut, schwarze Handschuhe) wird hier erstmals richtig kultiviert und sollte in den kommenden Jahren beinahe zu einem Markenzeichen dieses Genres werden. 

Die ganze Stimmung ist zynisch und paranoid: Niemand der Protagonisten ist völlig unschuldig, niemand traut dem anderen, es gibt keinen "guten Helden" der für den Zuschauer als Sympathieträger agieren könnte - die "anständigen" jungen Mädchen und "aufrechten" Hüter des Gesetzes, die für die deutschen Edgar Wallace-Verfilmungen der 60er Jahre typisch sind, sucht man hier ebenso vergebens wie die klamaukhaften Komikeinlagen. 


Kritiker, die nach moralisch erhebenden Untertönen suchen, sind bei "Blutige Seide" definitiv an der falschen Adresse. Vielmehr entwirft der Regisseur hier einmal wieder ein desillusioniertes und zynisches Bild vom homo sapiens als triebhafte und raffgierige Kreatur: Die Protagonisten scheinen allesamt seelische Krüppel zu sein, niemand von ihnen ist fähig "normale" menschliche Emotionen zu empfinden - ein Paradebeispiel dafür ist der kokain- süchtige Antiquitätenhändler Franco, der auf die Tatsache, daß kurz nacheinander zwei Frauen, mit denen er ein Verhältnis hatte, Opfer eines sadistischen Killers werden, relativ unbeeindruckt reagiert und erst dann menschliche Regungen zeigt, als er selbst verdächtigt wird. Nur Contessa Christiana erscheint - trotz ihrer Verstrickung in die Verbrechen - fast schon wieder als Sympathieträger; sie ist eine von Bavas typischen, starken und zugleich tragischen Frauenfiguren, wie sie z. B. auch sein Debüt "Die Stunde wenn Dracula kommt" oder das sadomasochistische Horrordrama "Der Dämon und die Jungfrau" prägten. 

"Blutige Seide" ist eines der wichtigsten Kapitel in Mario Bavas Karriere, denn der Film markiert die Entwicklung des Regisseurs zu einem "modernen" Filme- macher. Die stilistisch einengenden Grenzen des Gothic-Horrors sind in diesem, in der Gegenwart angesiedelten Film (dessen Kosmos dennoch alles andere als nüchterner Realismus ist) nicht mehr vorhanden. Visuell erscheint der Film als ein perfekt photographiertes Meisterwerk von einer geradezu berauschenden sinnlichen Schönheit in Farben und Licht. 
 

Zur DVD-Umsetzung: 
Bereits vor zwei Jahren brachte Anolis Entertainment (in Zusammenarbeit mit dem Filmclub Buio Omega) diesen Klassiker heraus, damals jedoch als umfangreich ausgestattete Limited Edition im luxuriösen Samtschuber. Natürlich war diese Ausgabe recht bald vergriffen und erzielt heute stolze Sammlerpreise. Die jetzige Neuauflage (im Vertrieb von e-m-s) präsentiert eine gründlich "abgespeckte" Version der DVD: Ein Großteil des Bonusmaterials wurde entfernt, es gibt nur die deutsche Tonspur, das Booklet wurde durch einen einfachen Kapiteleinleger ersetzt und selbstverständlich fiel auch der Samtschuber weg. Das mag man zwar bedauern, doch gegenüber den Filmfans, die damals den doch recht stolzen Preis für die Limited Edition gezahlt haben, ist diese Vorgehensweise nur fair. 
Davon abgesehen wird der Film an sich hier immer noch in der gleichen Qualität präsentiert und die kann sich nun wirklich sehen lassen: Der anamorphe Bildtransfer bietet exzellente Kontraste, eine gute Schärfe, bringt die kräftigen Farben hervorragend zur Geltung und läßt im Vergleich die amerikanische DVD-Veröffentlichung von VCI weit hinter sich. Auch der Ton (Deutsch in DD 2.0 Mono) ist für das Alter des Films sehr gut ausgefallen, auffällige Störungen gibt es keine zu verzeichnen und auch die altersbedingte leichte Dumpfheit läßt sich ohne Probleme tolerieren. Wie bereits erwähnt, sind die Extras bei dieser Ausgabe halt eher bescheiden ausgefallen: Es gibt nur den deutschen Kinotrailer und eine kleine Bildergalerie. 
 

©Thomas Wagner