| BLOOD
& DONUTS
Kanada
1995
Regie:
Holly Dale
Darsteller:
Gordon Currie, Helena Clarkson, David Cronenberg
DVD,
Epix, ca. 85 min., FSK ab 16
1969,
als der erste Mensch den Mond betrat und die Welt gebannt vor den Fernsehern
hing, sagte der Vampir Boya (Gordon Currie) - frustriert von soviel neuzeitlicher
Entzauberung - der Welt Adieu und legte sich in seinem Seesack zu einem
jahrzehntelangen Nickerchen hin. 25 Jahre später wird er unsanft durch
einen Golfball geweckt.
Verwirrt
taumelt Boya zunächst etwas ziellos umher und lernt schließlich
den Taxifahrer Earl (Justin Louis) kennen, dem die Schläger des Mafiosos
Stephen (David Cronenberg) im Nacken sitzen. Earl liebt Donuts und die
souveräne Kellnerin Molly (Helena Clarkson), die in einem 24-Stunden-Donut-Laden
arbeitet. Boya, der sich das Trinken von Menschenblut irgendwann abgwöhnt
hat und lieber zu Ratten und anderen Kleintieren greift, freundet sich
mit den Beiden an, die zunächst noch nichts von seiner wahren Natur
ahnen. Es dauert nicht lang und er wird in Earls Probleme mit der örtlichen
Mafia verwickelt und zu allem Überfluß taucht auch noch seine
ehemalige Geliebte auf, die ihm nie verziehen hat, daß er sie vor
25 Jahren sitzenließ...
Die
kanadische Produktion "Blood & Donuts" entstand 1995 als Spielfilmdebüt
der renommierten Dokumentarfilmerin Holly Dale. Wer hier Hochglanz-Vampiraction
a la "Blade" & Co., exzessive Splattereien oder klamaukigen Schenkelklopf-Komödienstadl
erwartet, sei gewarnt - nichts davon wird geboten. Stattdessen verbindet
der Film gekonnt Grusel- und Gangsterfilmelemente mit subtilem, teils auch
ins Groteske tendierenden Humor und einer nachdenklichen Melancholie, die
sich vor allem in der Person Boyas manifestiert. |
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Darsteller
Gordon Currie präsentiert diesen anfangs als zombiesk durch die Gegend
schlufenden, schweigsamen Zeitgenossen, verleiht der Figur im Verlauf der
Story aber immer mehr Persönlichkeit und einen sympathisch-unbeholfenen
Charme. Auch der Rest der Besetzung kann (bis in die Nebenrollen hinein)
vollends überzeugen; herausragend sind Helena Clarkson mit ihrer glaubhaften
Darstellung Mollys und vor allem Kanadas Horrormaestro David Cronenberg,
der hier einmal wieder ein Gastspiel als Schauspieler gibt. Daß ihm
die Rolle des manirierten Mafiabosses viel Spaß gemacht hat, erscheint
offensichtlich und die skurrilen Dialoge, die er mit seinen Handlangern
führt (z. B. ein ausufernder Vortrag über das richtige Schuhwerk)
gehören zu den Höhepunkten dieses kurweiligen Films.
Aber
auch optisch ist der in Toronto gedrehte "Blood & Donuts" sehr ansprechend
geraten und überzeugt nicht zuletzt mit einer sehr guten Kameraarbeit.
Stilistisch schwankt das Ganze zwischen cooler Düsternis und verspielten
Ausleuchtungstricks in den Nacht- und sprödem Realismus in den Tagszenen.
Man sieht deutlich, daß hier Leute am Werk waren, die ihr Handwerk
verstehen und dankenswerterweise nicht an dem kreativen Vakuum leiden,
das viele moderne Horrorproduktionen (vorzugsweise jene made in USA) auszeichnet.
Die Macher haben sich sichtlich Mühe gegeben, waren mit Freude und
Einfallsreichtum bei der Sache, und das fertige Produkt spricht für
sich. "Blood & Donuts" ist ein hübscher kleiner Independentfilm,
der das alte Blutsaugerthema mal von einer ganz anderen Seite beleuchtet
- zwar gewiß nicht massenkompatibel, aber verdammt sympathisch!
Zur
DVD-Umsetzung:
Das
Bild (4:3) ist recht ordentlich geraten und bringt die kräftigen Farbkontraste
gut zur Geltung; auch am Ton in DD 2.0 (Deutsch und Englisch, Untertitel
vorhanden) gibt es nichts auszusetzen. Recht mager ausgefallen sind leider
die Extras, denn außer Trailern wird hier nichts geboten.
©Thomas
Wagner |