BEYOND
RE-ANIMATOR
Spanien
2002
Regie:
Brian Yuzna
Darsteller:
Jeffrey Combs, Jason Barry, Elsa Pataky, Simón Andreu, Santiago
Segura, Nico Baixas
2-DVD-Edition,
e-m-s, ca. 92 min., FSK ab 18
Dr.
Howard Philips (Jason Barry) verfügt über einen glänzenden
Abschluß und allerbeste Referenzen, doch anstatt sich in einer angesehenen
Klinik zu bewerben, tritt er ausgerechnet eine Stelle als Arzt in einem
Gefängniskomplex an, der von dem sadistischen Direktor Brando (Simón
Andreu) mit eiserner Hand geleitet wird. Diese seltsame Arbeitsplatzwahl
hat ihren Grund, denn Dr. Philips will dort unbedingt zu einem bestimmten
Gefangenen Kontakt aufnehmen, der hier seit dreizehn Jahrenseine Haft verbüßt:
Herbert West (Jeffrey Combs), der geniale Wissenschaftler, dem es mittels
eines selbstentwickelten Serums gelang, Tote wiederzuerwecken.
Leider
waren diese derart reanimierten Zeitgenossen nicht mehr sie selbst und
liefen Amok, was zu mehreren Todesfällen und letztendlich zu Wests
Verhaftung und Verurteilung führte. Dr. Philips wurde damals als kleiner
Junge Zeuge, wie eines dieser untoten Geschöpfe seine Schwester umbrachte
und fand im Anschluß eine der mit dem Serum gefüllten Spritzen;
seitdem ist er fasziniert von den Forschungen Herbert Wests und hofft nun,
hinter den Gefängnismauern gemeinsam mit dem Wissenschaftler weiter
experimentieren zu können. Tatsächlich begegnet er West - der
in den Jahren seiner Haft heimlich seine Experimente fortgeführt und
einige beachtliche Fortschritte gemacht hat - auch gleich bei seinem ersten
Einsatz als Gefängnisarzt. Bei dieser Gelegenheit kommt auch prompt
die alte Spritze mit dem Serum zum Einsatz, was allerdings zum altbekannten
Resultat führt: Der reanimierte Patient Moses (Nico Baixas) verwandelt
sich in einen tobsüchtigen Schwachsinnigen und landet erst einmal
in einer Einzelzelle. Davon unbeeindruckt geht West auf Philips' Angebot
ein, gemeinsam mit ihm weiterzuforschen. Im weiteren Verlauf lernt Philips
die Reporterin Laura (Elsa Pataky) kennen, die einen Artikel über
die Zustände in dem Gefängnis plant und heimlich den arg mißhandelten
Moses befragen will, der nach wie vor in seiner Einzelzelle deliriert.
Als Direktor Brando dazukommt eskalieren die Dinge, Moses kann sich befreien
und entfesselt damit eine blutige Gefängnisrevolte, in deren Verlauf
Wests Serum noch reichlich zur Anwendung kommt...
Mit
Beyond
Re-Animator präsentiert Regisseur und Produzent Brian Yuzna den
dritten Teil des auf H. P. Lovecrafts Erzählung Herbert West -
Reanimator basierenden Zyklus, dessen erste zwei Teile Re-Animator
(1985, Regie: Stuart Gordon) und Bride of Re-Animator (1989, Regie:
Brian Yuzna) heute längst als Klassiker des modernen Horrorkinos gelten.
Eigentlich plante Yuzna schon zu Beginn der 90er Jahre ein drittes Sequel,
fand in den USA aber keinerlei Finanzierungsmöglichkeit für dieses
Projekt. Dies verwundert wenig, wenn man sich die Teeniehorror-Monokultur
vor Augen führt, die seit über einem Jahrzehnt die phantastische
Kinolandschaft in God's Own Country dominiert. |
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Frustriert
von diesen Zuständen und auf der Suche nach neuen Möglichkeiten
zog es Brian Yuzna Ende der 90er schließlich nach Spanien, wo er
gemeinsam mit der dort ansässigen Produktionsfirma Filmax die Fantastic
Factory ins Leben rief, die seitdem schon eine Reihe qualitativ beachtlicher
Horrorfilme produziert hat (so z. B. die Lovecraft-Adaption Dagon
oder die Ramsey Campbell-Verfilmung The Nameless), die sich wohltuend
vom gängigen Genre-Einheitsbrei abheben.Hier erhielt er nun endlich
die Chance, Herbert West zu "reanimieren" und runde 13 Jahre nach dem zweiten
Teil der Trilogie konnte der Regisseur endlich Beyond Re-Animator fertigstellen.
Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die sich doch noch weitgehend
an Lovecrafts Story orientierten, bzw. im Fall von Bride of Re-Animator
zugleich eine Hommage ans klassische Horrorkino boten, ist Beyond Re-Animator
eine reine Eigenschöpfung Yuznas und funktioniert als solche alles
andere als schlecht: Dem geneigten Zuschauer wird hier ein rasantes, technisch
perfekt inszeniertes Splattervergnügen geboten, bei dem auch ein grotesker
Grand
Guignol-Comedy-Faktor nicht zu kurz kommt und erfrischenderweise auf
jegliche verlogene Political Correctness verzichtet wird.
Herausragendste
Figur des Films ist natürlich Herbert West, der von dem großartigen
Jeffrey Combs einmal wieder mit einer einzigartigen egozentrischen Kaltschnäuzigkeit
und viel Selbstironie dargestellt wird. In Zeiten, in denen der Großteil
der Horrorfilme von einem allumfassenden Mittelmaß dominiert wird,
ist ein Darsteller wie Combs erfreulich wie ein Kühlschrank in der
Wüste und man kann ihn inzwischen wohl ohne große Übertreibung
als einen würdigen Nachfahren großer alter Horrorstars wie Peter
Cushing oder Vincent Price bezeichnen. Ebenso wie diese besitzt Combs in
seiner Art der Darstellung etwas einmaliges, eine Persönlich- keit,
die inzwischen leider immer seltener geworden ist. Jason Barry als Dr.
Philips und Elsa Pataky als Laura erscheinen im Vergleich dazu eher blaß
und ihre Charaktere als Stereotype, auch wenn sie ihre Sache im Prinzip
recht ordentlich absolvieren. Besonders erwähnenswert sind jedoch
noch Simón Andreu in der Rolle des Fieslings Brando und der spanische
Komiker Santiago Segura, der hier eine wunderbare Nebenrolle als verrückter
Junkie Speedball absolviert und sich im Verlauf des Films tatsächlich
noch Wests Serum injiziert, um daraufhin den Rausch seines Lebens zu erleben.
Die Story an sich funktioniert in der ersten Hälfte des Films sehr
gut, dreht sich aber mit dem Beginn der Gefängnis- revolte ein wenig
im Kreis. Langeweile will aber dennoch nicht aufkommen, denn dazu sind
die Geschehnisse einfach zu grotesk...
Beyond
Re-Animator mag vielleicht nicht die Klasse seiner Vorgänger erreichen,
ist aber dennoch ein absolutes Highlight auf dem modernen Horrorfilmsektor
und bestätigt einmal wieder, daß die Zukunft des Phantastischen
Films in Spanien liegt.
Mit
der vorliegenden Doppel-DVD-Edition (die übrigens die wohl weltweit
längste Fassung des Films präsentiert) haben die rührigen
Herrschaften von e-m-s einmal wieder ganze Arbeit geleistet: Das Bild verfügt
über eine wirklich exzellente Qualität (Widescreen 1.85:1 anamorph),
gleiches läßt sich über den Ton sagen, der auf Deutsch
(in DTS, DD 5.1 und DD 2.0) und Englisch (DD 5.1 und DD 2.0) vorliegt,
deutsche Untertitel sind einblendbar. Auf der zweiten DVD finden sich über
drei Stunden an Bonusmaterial: Making Of, Behind The Scenes, diverse Interviews
(u. a. mit Brian Yuzna, Jeffrey Combs, Santiago Segura), Trailer, Bildergalerie,
sowie die obligatorischen Filmo- und Biographien. Ferner gibt es auch ein
8-seitiges Booklet mit einem von Carsten Henkelmann (www.senseofview.de)
verfaßten Überblick über Re-Animator-Trilogie.
©Thomas
Wagner |