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Blood & Donuts
1969, als der erste Mensch den Mond betrat und die Welt gebannt vor den Fernsehern hing, sagte der Vampir Boya (Gordon Currie) - frustriert von soviel neuzeitlicher Entzauberung - der Welt Adieu und legte sich in seinem Seesack zu einem jahrzehntelangen Nickerchen hin. 25 Jahre später wird er unsanft durch einen Golfball geweckt. 

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BEYOND RE-ANIMATOR

Spanien 2002
Regie: Brian Yuzna
Darsteller: Jeffrey Combs, Jason Barry, Elsa Pataky, Simón Andreu, Santiago Segura, Nico Baixas
2-DVD-Edition, e-m-s, ca. 92 min., FSK ab 18
 
 

Dr. Howard Philips (Jason Barry) verfügt über einen glänzenden Abschluß und allerbeste Referenzen, doch anstatt sich in einer angesehenen Klinik zu bewerben, tritt er ausgerechnet eine Stelle als Arzt in einem Gefängniskomplex an, der von dem sadistischen Direktor Brando (Simón Andreu) mit eiserner Hand geleitet wird. Diese seltsame Arbeitsplatzwahl hat ihren Grund, denn Dr. Philips will dort unbedingt zu einem bestimmten Gefangenen Kontakt aufnehmen, der hier seit dreizehn Jahrenseine Haft verbüßt: Herbert West (Jeffrey Combs), der geniale Wissenschaftler, dem es mittels eines selbstentwickelten Serums gelang, Tote wiederzuerwecken. 

Leider waren diese derart reanimierten Zeitgenossen nicht mehr sie selbst und liefen Amok, was zu mehreren Todesfällen und letztendlich zu Wests Verhaftung und Verurteilung führte. Dr. Philips wurde damals als kleiner Junge Zeuge, wie eines dieser untoten Geschöpfe seine Schwester umbrachte und fand im Anschluß eine der mit dem Serum gefüllten Spritzen; seitdem ist er fasziniert von den Forschungen Herbert Wests und hofft nun, hinter den Gefängnismauern gemeinsam mit dem Wissenschaftler weiter experimentieren zu können. Tatsächlich begegnet er West - der in den Jahren seiner Haft heimlich seine Experimente fortgeführt und einige beachtliche Fortschritte gemacht hat - auch gleich bei seinem ersten Einsatz als Gefängnisarzt. Bei dieser Gelegenheit kommt auch prompt die alte Spritze mit dem Serum zum Einsatz, was allerdings zum altbekannten Resultat führt: Der reanimierte Patient Moses (Nico Baixas) verwandelt sich in einen tobsüchtigen Schwachsinnigen und landet erst einmal in einer Einzelzelle. Davon unbeeindruckt geht West auf Philips' Angebot ein, gemeinsam mit ihm weiterzuforschen. Im weiteren Verlauf lernt Philips die Reporterin Laura (Elsa Pataky) kennen, die einen Artikel über die Zustände in dem Gefängnis plant und heimlich den arg mißhandelten Moses befragen will, der nach wie vor in seiner Einzelzelle deliriert. Als Direktor Brando dazukommt eskalieren die Dinge, Moses kann sich befreien und entfesselt damit eine blutige Gefängnisrevolte, in deren Verlauf Wests Serum noch reichlich zur Anwendung kommt...

Mit Beyond Re-Animator präsentiert Regisseur und Produzent Brian Yuzna den dritten Teil des auf H. P. Lovecrafts Erzählung Herbert West - Reanimator basierenden Zyklus, dessen erste zwei Teile Re-Animator (1985, Regie: Stuart Gordon) und Bride of Re-Animator (1989, Regie: Brian Yuzna) heute längst als Klassiker des modernen Horrorkinos gelten. Eigentlich plante Yuzna schon zu Beginn der 90er Jahre ein drittes Sequel, fand in den USA aber keinerlei Finanzierungsmöglichkeit für dieses Projekt. Dies verwundert wenig, wenn man sich die Teeniehorror-Monokultur vor Augen führt, die seit über einem Jahrzehnt die phantastische Kinolandschaft in God's Own Country dominiert. 


Frustriert von diesen Zuständen und auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zog es Brian Yuzna Ende der 90er schließlich nach Spanien, wo er gemeinsam mit der dort ansässigen Produktionsfirma Filmax die Fantastic Factory ins Leben rief, die seitdem schon eine Reihe qualitativ beachtlicher Horrorfilme produziert hat (so z. B. die Lovecraft-Adaption Dagon oder die Ramsey Campbell-Verfilmung The Nameless), die sich wohltuend vom gängigen Genre-Einheitsbrei abheben.Hier erhielt er nun endlich die Chance, Herbert West zu "reanimieren" und runde 13 Jahre nach dem zweiten Teil der Trilogie konnte der Regisseur endlich Beyond Re-Animator fertigstellen. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die sich doch noch weitgehend an Lovecrafts Story orientierten, bzw. im Fall von Bride of Re-Animator zugleich eine Hommage ans klassische Horrorkino boten, ist Beyond Re-Animator eine reine Eigenschöpfung Yuznas und funktioniert als solche alles andere als schlecht: Dem geneigten Zuschauer wird hier ein rasantes, technisch perfekt inszeniertes Splattervergnügen geboten, bei dem auch ein grotesker Grand Guignol-Comedy-Faktor nicht zu kurz kommt und erfrischenderweise auf jegliche verlogene Political Correctness verzichtet wird.

Herausragendste Figur des Films ist natürlich Herbert West, der von dem großartigen Jeffrey Combs einmal wieder mit einer einzigartigen egozentrischen Kaltschnäuzigkeit und viel Selbstironie dargestellt wird. In Zeiten, in denen der Großteil der Horrorfilme von einem allumfassenden Mittelmaß dominiert wird, ist ein Darsteller wie Combs erfreulich wie ein Kühlschrank in der Wüste und man kann ihn inzwischen wohl ohne große Übertreibung als einen würdigen Nachfahren großer alter Horrorstars wie Peter Cushing oder Vincent Price bezeichnen. Ebenso wie diese besitzt Combs in seiner Art der Darstellung etwas einmaliges, eine Persönlich- keit, die inzwischen leider immer seltener geworden ist. Jason Barry als Dr. Philips und Elsa Pataky als Laura erscheinen im Vergleich dazu eher blaß und ihre Charaktere als Stereotype, auch wenn sie ihre Sache im Prinzip recht ordentlich absolvieren. Besonders erwähnenswert sind jedoch noch Simón Andreu in der Rolle des Fieslings Brando und der spanische Komiker Santiago Segura, der hier eine wunderbare Nebenrolle als verrückter Junkie Speedball absolviert und sich im Verlauf des Films tatsächlich noch Wests Serum injiziert, um daraufhin den Rausch seines Lebens zu erleben. Die Story an sich funktioniert in der ersten Hälfte des Films sehr gut, dreht sich aber mit dem Beginn der Gefängnis- revolte ein wenig im Kreis. Langeweile will aber dennoch nicht aufkommen, denn dazu sind die Geschehnisse einfach zu grotesk...
Beyond Re-Animator mag vielleicht nicht die Klasse seiner Vorgänger erreichen, ist aber dennoch ein absolutes Highlight auf dem modernen Horrorfilmsektor und bestätigt einmal wieder, daß die Zukunft des Phantastischen Films in Spanien liegt.

Mit der vorliegenden Doppel-DVD-Edition (die übrigens die wohl weltweit längste Fassung des Films präsentiert) haben die rührigen Herrschaften von e-m-s einmal wieder ganze Arbeit geleistet: Das Bild verfügt über eine wirklich exzellente Qualität (Widescreen 1.85:1 anamorph), gleiches läßt sich über den Ton sagen, der auf Deutsch (in DTS, DD 5.1 und DD 2.0) und Englisch (DD 5.1 und DD 2.0) vorliegt, deutsche Untertitel sind einblendbar. Auf der zweiten DVD finden sich über drei Stunden an Bonusmaterial: Making Of, Behind The Scenes, diverse Interviews (u. a. mit Brian Yuzna, Jeffrey Combs, Santiago Segura), Trailer, Bildergalerie, sowie die obligatorischen Filmo- und Biographien. Ferner gibt es auch ein 8-seitiges Booklet mit einem von Carsten Henkelmann (www.senseofview.de) verfaßten Überblick über Re-Animator-Trilogie.
 

©Thomas Wagner