American
Nightmare
(American
Nightmare - A Celebration of Films from Hollywood's Golden Age of Fright
)
USA/GB
2000
Regie:
Adam Simon
Darsteller:
George A. Romero, Tobe Hooper, Wes Craven, David Cronenberg, John Carpenter
DVD,
Epix, ca.75 min., FSK ab 18
Der
Originaltitel dieser Dokumentation lautet etwas mißverständlich
"American Nightmare - A Celebration of Films from Hollywood's Golden Age
of Fright". Doch es sind nicht etwa die alten Klassiker der Universal Studios
und ihre durchaus liebenswerten Monster, die hier im Mittelpunkt stehen.
Das besagte "goldene Zeitalter" reicht hier von den 60er bis 80er Jahren
und repräsentiert alles andere, als heimeligen Gothic-Grusel. Regisseur
Adam Simon widmete sich in "American Nightmare" sieben berühmten Kollegen,
die in dieser Zeitspanne das Horror- genre im nordameri- kanischen Raum
neu geprägt haben. Die US-Filmemacher George A. Romero, Tobe Hooper,
Wes Craven, John Carpenter, Tom Savini und John Landis sowie der Kanadier
David Cronenberg erinnern sich hier vor der Kamera an ihre damaligen Filme,
deren Entstehungsgeschichte und ihre Intentionen diese zu drehen.
Sieht
man einmal von dem intellektuellen Querdenker David Cronenberg ab, haben
diese Regisseure ihre innovativsten Phasen bereits lange hinter sich und
bedienen heutzutage das US-Massenpublikum mit meist recht belangloser Horrordutzendware.
In ihrer Anfangszeit setzten sie jedoch neue Maßstäbe, ihre
frühen Arbeiten erfüllten für sie oft die Funktion eines
künstlerischen Ventils und reflektierten zugleich als blutig-abstrahierende
Zerrspiegel die Geschehnisse und das angespannte politische Klima jener
Zeit: Die Greuel des Vietnamkriegs, Rassenunruhen in den amerikanischen
Südstaaten, das brutale Vorgehen von Polizei und Nationalgarde gegen
friedlich demonstrierende Studenten, Nixon, Watergate und die endgültige
Demaskierung des "Amerikanischen Traums" wurden von ihnen (häufig
auch unbewußt) filmisch verarbeitet.
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Die
Ergebnisse waren desillusionierte, schonungslose und schockierende Kommentare
auf die Realität: So werden hier in Ausschnitten Romeros Zombie-Trilogie
"Night of the Living Dead", "Dawn of the Dead" und "Day of the Dead", Wes
Cravens "Last House on the Left", Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre",
David Cronenbergs "Shivers" und "Scanners" sowie John Carpenters "Halloween"
vorgestellt.
Zwischen
diesen Szenen und den Interview- sequenzen sind Ausschnitte aus damaligen
US-Nachrichtensendungen zu sehen, die stellenweise weitaus mehr schockieren,
als der filmisch inszenierte Horror. Diese realen Bilder von verstümmelten
Leichen in Vietnam, schießwütigen Nationalgardisten und rassistischen
Politikern sind in "American Nightmare" das wirkliche Grauen.
Nach
wie vor wird Horrorfilmen (insbesondere dem Splatterfilm) immer wieder
Roheit, Gewaltverherrlichung und offenkundiger Sadismus vorgeworfen - doch
darf Kunst in ihrer Ausdrucksform nur schön, erbaulich und moralisch
über jeden Zweifel erhaben sein? Ist sie es nicht und konfrontiert
den Betrachter mit häßlichen, unbequemen und durchaus auch schmerzenden
Bildern, ist es mit der künstlerischen Freiheit oft schnell vorbei.
So sind einige der in "American Nightmare" vorgestellten Filme in ihrer
ungekürzten Fassung in Deutschland auch heute noch indiziert und es
bleibt nur zu hoffen, daß sich die Zensoren aufgrund der hier gezeigten
Szenen nicht auch irgendwann an dieser Dokumentation vergreifen. "American
Nightmare" ist eine intelligente und anspruchsvolle Auseinandersetzung
mit einem nach wie vor häufig verkannten Genre; exzellent geschnitten
und akustisch adäquat mit der Musik Karlheinz Stockhausens und der
Band God Speed You Black Emperor untermalt.
Zur
DVD-Umsetzung:
Epix
Media präsentieren diese DVD in sehr guter Bild- (Widescreen 16:9)
und Tonqualität (DD 2.0 Deutsch und Englisch, deutsche Untertitel
optional). Die Extras umfassen Trailer, Biographien der Regisseure sowie
zwei sehr interessante Textspecials: "Kulturtechnik Splatterfilm" (ein
Ausschnitt aus Arno Metellings "Monster. Körper und Medien im neueren
Horrorfilm") und "Bodies That Splatter" (ein Symposium der Berliner Humboldt
Universität inkl. Ausschnitt aus Christoph Schlingensiefs Film "Das
deutsche Kettensägenmassaker").
©Thomas
Wagner |