A
CHINESE GHOST
STORY
1
(SINNUI
YAUMAN)
Hongkong
1987
Regie:
Ching Siu Tung
Darsteller:
Leslie Cheung, Joey Wang, Wu Ma, Lau Siu-Ming
DVD,
e-m-s, ca. 92 min., FSK ab 16
Den
jungen Schuldeneintreiber Ling Choi Sin (Leslie Cheung) verschlägt
es nach einer ausgeprägten Pechsträhne in eine alte Klosterruine,
wo er die Nacht verbringen will. Dort trifft er zunächst auf Yin Chek
Hsia (Wu Ma), einen in der Kunst des Kung Fu bewanderten Mönch, der
ihm dringend rät, diesen Ort wieder zu verlassen. Doch Ling bleibt
davon unbeeindruckt und in der Nacht begegnet ihm die geheimnisvolle schöne
Lit Sin Seen (Joey Wang), in die er sich sofort verliebt.
Er
ahnt jedoch noch nicht, daß es sich bei ihr um einen Geist handelt,
daß sie im Auftrag eines Dämons Männer töten muß
und außerdem dem Herrscher des Totenreichs als Braut versprochen
ist. Es dauert nicht lang und Ling wird mit den übernatürlichen
Mächten konfrontiert, wobei ihm Yin Chek Hsia mit seinen Kampfkünsten
zur Seite steht...
Lange
Zeit assoziierte man im Westen mit Kino made in Hongkong nur - von der
Kritik meist ignorierte bzw. verrissene - Kung Fu-Produktionen im Stile
der Shaw Brothers (deren Reiz man in unseren Gefilden ja übrigens
auch erst mit runden zwei Jahrzehnten Verspätung entdeckte). Diese
Sichtweise änderte sich erst Mitte der 80er Jahre, als sich in der
damaligen britischen Kronkolonie eine neue Generation von Filmemachern
etablierte, zu denen auch der Regisseur und Produzent Tsui Hark gehörte,
der u. a. mit Peking Opera Blues internationale Erfolge erzielen
konnte.
Übertroffen
wurden diese jedoch noch von dem 1987 in der Regie von Ching Siu Tung gedrehtem
und von Hark sorgfältig produziertem Geistermärchen A Chinese
Ghost Story 1.
|
 |
Der
Film fasziniert mit einer wahren Flut kunstvoller Bilder: Traumhaft romantische,
verspielte Bildkompositionen wechseln sich mit irrwitzig rasanten Actionsszenen
ab und Farben sind hier keine nebensächliche Selbstverständlichkeit,
sondern werden zu lebendigen, eigenständigen Stilmitteln, ja zu einer
eigenen Sprache. Abgerundet wird dieser Augenschmaus durch einen wunderbar
kitschigen Soundtrack - denn was wäre Hongkong-Fantasykino ohne die
dazugehörigen Songs? Und auch die Besetzung des Films überzeugt
ohne Abstriche, vor allem das Zusammenspiel zwischen Joey Wang und Leslie
Cheung. Für Hauptdarsteller Cheung (der 2003 tragischerweise durch
Selbstmord aus dem Leben schied) bedeutete die Rolle des naiven Ling Choi
Sin den Durchbruch und er wurde in den folgenden Jahren zu einem Superstar
im asiatischen Raum. Cheung gelang es perfekt, den schüchternen Ling
als glaubhafte Figur lebendig werden zu lassen; in seiner Darstellung schaffte
er es, die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik zu wahren, ohne seinen
Part jemals in Klamaukuntiefen abgleiten zu lassen.
A
Chinese Ghost Story 1 gilt heute zu Recht als Klassiker und Meilenstein
des Hongkong-Kinos - ein zeitlos schöner Film, der den Betrachter
auch heute noch verzaubert und als eine Art Quintessenz des asiatischen
Fantasyfilms betrachtet werden kann.
Daß
dieses Meisterwerk nun in der Cine Magic Asia-Reihe von e-m-s auf
DVD erschien, ist Grund zur Freude und das Ergebnis ist keinesfalls entäuschend:
Das Bild (Widescreen 1.78:1) erfreut mit Klarheit, Kontrastreichtum und
schönen kräftigen Farben. Auch die Tonabmischung (DD 5.1, Deutsch
und Kantonesisch, Untertitel vorhanden) ist sehr gelungen, wobei die deutsche
Fassung in den Höhen noch etwas besser abschneidet. Der wirklich einzige
Kritikpunkt ist hier der magere Bonusteil, denn außer dem Originaltrailer
wird leider nichts geboten.
Übrigens
erschienen zeitglich auch die beiden Sequels A Chinese Ghost Story 2
und
A
Chinese Ghost Story 3 bei e-m-s, die zwar gute Unterhaltung bieten,
qualitativ aber nicht im mindesten an Teil 1 heranreichen.
©Thomas
Wagner |